Tanzmariechen Selin von der Homburger Narrenzunft stellt sich vor

Kostenpflichtiger Inhalt: Homburger Narrenzunft : Lächeln, tanzen, bloß nicht stillsitzen

Die heiße Phase der närrischen Zeit steht bevor. Deswegen haben Akteure der hiesigen Fastnachtsvereine die Redaktion besucht. Heute ist es Selin Winterkorn. Die Zehnjährige ist Tanzmariechen bei der Homburger Narrenzunft

Stillsitzen ist wirklich nicht die Sache von Selin Winterkorn. Muss die Zehnjährige gerade aber, denn Trainerin Jennifer Hohmann ist dabei, sie auch äußerlich in ein Tanzmariechen der Homburger Narrenzunft zu verwandeln. Und dazu gehört passendes Make-Up. Während Selin lächelt und ein bisschen zappelt, trägt Jennifer Hohmann Lippenstift, Wimperntusche, Lidschatten auf. Dann zaubert sie ein Haarteil aus der durchsichtigen Kiste: Als Mariechen trägt Selin nämlich ein blondes Pony, das nun mit ziemlich vielen Haarklammern festgesteckt wird.

Bevor es weitergeht mit der Verwandlung, erzählt die Zehnjährige aber erst einmal, warum sie so gerne über die Bühne wirbelt: „Tanzen finde ich schon mein ganzes Leben toll.“ Ganz einfach. Zunächst versuchte sie es im Ballett, dann stellte sie aber schnell fest: Der dynamische Gardetanz liegt ihr mehr. Schon als Dreijährige wirbelte sie bei den Tanzmäusen der HNZ, mit fünf Jahren fing sie als Mariechen an, heute ist sie das zweitjüngste von insgesamt sieben beim Homburger Karnevalsverein. Zusätzlich tanzt sie in der Juniorengarde. Sie hat Spaß „an allem“. Sie liebt die Akrobatik, „auch die Tänze sind immer toll“. Das heißt aber: Sie muss Zeit investieren, hat viel Training – und zwar richtig viel. An drei Tagen pro Woche, immer um die zwei Stunden lang. Dafür kommt sie jedes Mal aus St. Wendel, wo sie mit ihrer Familie wohnt und die fünfte Klasse des Cusanus-Gymnasiums besucht, in den Saarpfalz-Kreis.

Wenn sie dann wieder zu Hause ist, legt sie genauso wenig die Füße hoch, das mag sie einfach nicht: „Ich bin meistens in Bewegung.“ Das glaubt man ihr sofort. Aber wie kommt ein Mädchen aus St. Wendel eigentlich in die HNZ? Das liegt, sagt ihre Oma Marion Winterkorn, die sie heute begleitet, am Uropa, der mal im Elferrat saß. Und als ihre eigenen Kinder dann Interesse am tanzen zeigten, war ihr sofort klar: Ich fahre sie nach Homburg. Bei der HNZ sei die Tanzausbildung besser, es gebe das ganze Jahr über ein gutes intensives Training unter fachlicher Anleitung. Selins Mutter und Onkel standen ebenfalls für die Narrenzunft auf der Bühne.

Mariechen zu sein, in der Garde zu tanzen, ist nicht allein eine Fastnachtssache: Neben dem Training gibt es das Jahr über Wettkämpfe, auch mit der Garde zusammen. Da gelten dann bestimmte Wertungskategorien. Geschaut wird auf die Choreographie, die Schrittvielfalt, die Ausstrahlung. Akrobatische Elemente kommen allerdings nur bei Tanzmariechen vor, erklärt die Trainerin.

Und wie wird man nun eigentlich Mariechen? Das Gesamtpaket muss stimmen: Leistung, Wille, Ausstrahlung, Herzblut, erklärt Jennifer Hohmann, die es wissen muss, denn sie war jahrelang selbst als Tänzerin aktiv, hat auch mit drei Jahren begonnen, war mit 8/9 Jahren Mariechen. Inzwischen bringt sie dies nun anderen bei, seit vier Jahren ist sie ausschließlich Trainerin – nach einer Verletzung. „Ich kann mit meinen Schützlingen jetzt mehr erreichen und weitergeben, was ich kann.“

Dabei sind ihr auch Details wichtig, Haare, Schminke, Kostüm – das muss alles perfekt sein. Eine Stunde brauche es normalerweise, bis aus Selin das perfekte Mariechen wird. Im Redaktionsraum geht es etwas schneller mit der Verwandlung, jetzt wird der Mariechenrock ans Oberteil angeknöpft. Dafür sind Knöpfe in zwei Höhen angebracht, damit das Kostüm auch dann noch passt, wenn die Kinder wachsen. Für die Kostüme muss man nämlich selbst zahlen. Und da die speziell angefertigt werden, sei man mit mindestens 300, eher schon 500 Euro dabei. Mehr wird es auch schnell. Da ist es bei Heranwachsenden wichtig, dass es etwas Spielraum gibt.

Zum Schluss wird Selin noch der Hut aufgesetzt und durch den Stoff hindurch mit Haarnadeln stramm festgeklammert. Das ist der „meist gehasste Teil“, weiß die Oma.

Während die Fastnachter tief in den tollen Tagen stecken, fiebert Selin bereits einem anderen Termin entgegen: den süddeutschen Meisterschaften am 7. März in Trier. Sie hat sich dafür als Tanzmariechen qualifiziert hat und das ist schon etwas ganz Besonderes.

Überhaupt geht das Thema Tanz bei der HNZ noch weit über die Fastnachtszeit hinaus, schließlich versammeln sich unter ihrem Dach noch etliche weitere tänzerische Abteilungen ganz verschiedener Richtungen: angefangen vom Ballett über Step- und Linedance bis eben zum Gardetanz. Da passt es gut, dass die Narrenzunft Neuland betritt und getreu dem Motto „HNZ – mehr als nur Fastnacht“ das Närrische mit dem Tänzerischen verbindet. Heute Abend sind bei der Homburger Ballnacht zum einen Vorführungen geplant: Schautänze der HNZ-Garden und Auftritte der Tänzern der TSA Schloss Karlsberg. Das Publikum soll auch mitmachen, selbst das Tanzbein schwingen. Man sei, so erklärt es Gaby Schmitt, zweite HNZ-Zunftmeisterin, vom Freitag als Termin einer der beiden Galasitzungen abgekommen. Da sei der Zulauf geringer gewesen, wohl auch deswegen, da es einen Unterschied mache, wenn Leute erst noch den ganzen Tag arbeiten, sich dann für den Abend ins Kostüm werfen sollen und zuhören. Deswegen setze man aufs Mitmachen, verzichte auf Büttenreden. Die klassische karnevalistische Sitzung gibt’s bei der HNZ dann am Samstag, 22. Februar.

So sieht Selin ohne Kostüm und Tanzmariechen-Pony aus. Foto: Ulrike Stumm

Selin bekommt fürs Foto jetzt noch schnell Haargummis mit Rosetten an die Enden der geflochtenen Zöpfe. Und dann folgt die für sie schwerste Disziplin: stillsitzen. Aber das mit dem Lächeln, das klappt sofort.