Tag der offenen Tür der Saar-Justiz: Amtsgericht Homburg gewährt Einblicke

Tag der offenen Tür in Homburg : Im Amtsgericht die Justiz erleben

Beim Infotag konnte man hier Vorträgen lauschen, öffentliche Verhandlungen verfolgen und die Richter kennenlernen.

Muss man zu Gericht, dann tut man das selten mit einem guten Gefühl und selten freiwillig. Wer in den Amtszimmern und Sitzungssälen vorstellig werden muss, der hat in der Regel ein rechtliches Problem oder ist zumindest Teil eines solchen. Aus dieser Perspektive vergisst man, dass es Menschen sind, die die Gerichtsinstanzen im Land mit Leben füllen – keiner ist „nur“ eine Richterrobe oder Verwaltungsstelle.

Um nun eben genau das den Bürgern zu vermitteln, stand das Saarland mit seinen Gerichten am Mittwoch im Zeichen eines Tags der offenen Tür, das Leitbild: „Justiz erleben“. Wie die meisten Gerichte öffnete da auch das Amtsgericht Homburg seine Türen und ließ sich ein wenig hinter die Kulissen schauen. Ab 9.30 Uhr liefen öffentliche Verhandlungen, ab zehn Uhr informierte Richter Joachim Klesen, der stellvertretende Direktor des Hauses, in Vorträgen über „Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung“ sowie im Bereich der Betreuung über „Freiheitsbeschränkende Maßnahmen und was man dazu wissen muss“. Diese Themen waren nicht ohne Grund so gewählt, liegt einer der Schwerpunkte des Amtsgerichts Homburg, neben den klassischen zivilrechtlichen Verfahren, bei Betreuungs- und Familienfällen. Da ist man für den ganzen Saarpfalz-Kreis zuständig – nicht allerdings für Strafsachen, die werden im Kreis im Amtsgericht St. Ingbert verhandelt.

Neben diesen Info-Angeboten und Einblicken in den Alltag in den Sitzungssälen stand noch etwas im Fokus. „Es sprechen gute Gründe dafür, die Justiz in der Öffentlichkeit darzustellen – so darzustellen, dass sie zugänglicher wirkt, dass sie nicht diesen Abschreckungseffekt erzeugt“, erklärt Joachim Kleesen im Gespräch mit unserer Zeitung. Oft sei ein Termin bei Gericht negativ besetzt, „wir wollen aber auch zeigen, dass hier Menschen arbeiten, die Verständnis haben für die Anliegen, die zu uns gebracht werden. Die Scheu der Menschen ist eigentlich unbegründet.“

Eine, die mit ihrer Arbeit zu diesem menschlichen Antlitz der Justiz in Homburg entscheidend beiträgt, ist Rebecca Edinger, die Geschäftsleiterin des Amtsgerichtes. In dieser Funktion ist sie in weiten Teilen für die Verwaltung der Behörde verantwortlich und entlastet Klesen hier von ganz vielen internen Aufgaben. Doch nicht nur diesen Hut hat Edinger auf, gleichzeitig ist sie auch Rechtspflegerin. Als solche ist sie, ohne weisungsgebunden zu sein, zuständig etwa für Nachlass- und Grundstücksangelegenheiten. Damit arbeitet Edinger zum einen hinter den Kulissen, zum anderen auch davor. „‚Kleiner Richter‘“ nennt Edinger ihr Tun als Rechtspflegerin mit einem Augenzwinkern, tatsächlich entscheide sie in ihrem Zuständigkeitsbereich eben wie ein Richter, „in dieser Funktion bin ich sachlich unabhängig. Und meine Entscheidung ist nur durch die entsprechenden Rechtsmittel angreifbar.“ Gefragt, welche ihrer beiden Funktionen ihr lieber sei, antwortet sie salomonisch. „Ich bin gerne beides. Zum einen bin ich gerne unabhängig. Zum anderen mag ich es aber auch, etwas zu organisieren. Ich bin auch gerne für meine Mitarbeiter da. Ich bin mit meiner einer Doppelrolle sehr zufrieden.“

Die saarländische Justiz mit ihren Einrichtungen für „Otto Normalverbraucher“ am Mittwoch zugänglich zu machen, war ein gut gewählter Tag, stand der doch ganz im Zeichen von „70 Jahre Grundgesetz“. Kleesen, auch mit Blick auf die Möglichkeit von Bürgern, ganz regulär und abseits von Tagen der offenen Tür an öffentlichen Verfahren als Zuschauer teilzunehmen: „Wenn man sich die Zeit vor dem Grundgesetz betrachtet und was da an Verfahren gelaufen ist, das war zwar auch öffentlich – aber aus ganz anderen Gründen, aus Propagandazwecken und um ganz anderen Dingen zu dienen.“ Im Gegensatz dazu sei die nun verankerte, zweckfreie Öffentlichkeit ein Fortschritt. Nun könnten die Menschen erleben, was vor Gericht laufe, was dort passiere und dass nichts unter den Teppich gekehrt werde. Auch das sei ein wichtiges Signal, das vom Tag der offenen Tür der saarländischen Justiz am Mittwoch ausgehe. Rebecca Edinger bringt es so auf den Punkt: „Hier arbeiten Menschen für Menschen.“

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