Jazzfrühschoppen: Swingin’ Hits beim Jazzfrühschoppen

Jazzfrühschoppen : Swingin’ Hits beim Jazzfrühschoppen

Für wahre Stürme der Begeisterung sorgten die Singin’ Birds beim Homburger Musiksommer mit den Hits vergangener Jahrzehnte.

  Schöne Sängerinnen? Singende Schönheiten? Wahrlich, wenn es um die Singin‘ Birds aus Polen geht, kann man sich fast nicht entscheiden, was einem besser gefällt: Das, was das Auge sieht oder das, was das Ohr hört. Dieser Ruf eilt der Band aus Warschau mit ihren Sängerinnen Joanna Czarkowska, Dominika Kasprzycka und Dominika Dulny inzwischen europaweit voraus – das erklärte dann auch, warum beim Jazzfrühschoppen am vergangenen Samstag schon recht zeitig richtig viel los war auf dem historischen Marktplatz.

Raimund Konrad, Homburgs ehrenamtlicher Kulturbeigeordneter und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Altstadt: „Ich weiß, dass viele heute Morgen ganz gezielt hierher gekommen sind, um diese phantastische Gruppe aus Polen zu hören. Nach dem Aufritt im vergangenen Jahr waren uns damals einig: Die müssen unbedingt noch einmal zum Musiksommer kommen.“ Gedacht, gesagt, getan – und etwas mehr als ein Jahr später bauten die Singvögel zum zweiten Mal für ein kleine Weile ihr Nest mitten in der Homburger Altstadt. Als „Nestbauer“ fungierte dabei eine hörenswerte instrumentale Begleitung – auch die Band der Singin‘ Birds musste und muss sich nicht verstecken.

Mit dem Klassiker „Pennsylvania 6500“ als Teil eines kleinen Auftakt-Medleys starteten die drei Ausnahme-Stimmen stimmig, zeitgemäß und stilecht in einen ganz besonderen Jazzfrühschoppen-Vormittag. Und genauso stimmig und stilecht sollte es weitergehen – auch wenn sich unter dem schicken Mantel dreier swingender Frauenstimmen auch so mancher aktueller Song verbarg, das ist Programm bei den Singin‘ Birds und auch Schlüssel zum Erfolg. Doch erst mal blieb man zeitecht, zu „In the Mood“ verließen die drei Singvögel dann auch mal ihr Nest auf der Bühne und schwebten federleicht zwischen den Gästen des Jazzfrühschoppens umher. Bemerkenswert: Sängerinnen und Band merkte man ihre durchaus strapaziöse Anreise direkt aus Warschau nicht an, dabei hatte eine Autopanne in der Nacht den Zeitplan der Singin‘ Birds gehörig durcheinander gebracht, gerade mal drei Stunden Schlaf war den singenden Schönheiten und den Musiker vergönnt.

 Davon sah und hörte man allerdings nichts, frisch, spritzig und wunderbar aufgelegt sorgten die Singin‘ Birds für genau den launigen Vormittag, den sich alle erhofft hatten. Dabei gab‘s zum Frühschoppen auch immer wieder die ein oder andere augenzwinkernde Weisheit mit Blick auf die Welt, natürlich aus Frauensicht. „Sicht auf“ war dann auch ein gutes Stichwort für die kleine Kleiderkunde der Singin‘ Birds, die von Set zu Set immer wieder auch ihr „Federkleid“ wechselten. Wie schon bekundet, wechselten die Singvögel ebenfalls die Epochen. Immer im Stil der bekannten Jazz- und Swing-Girlgroups der 1930er, 40er, 50er und 60er gab‘s so auch aktuellere Hits wie „Rather be“ von Clean Bandit zu hören.

Dabei entwickelten sich solche musikalischen Ausflüge in die Neuzeit nicht zu blanken Covern, vielmehr transformierten die Singin‘ Birds, instrumental getragen von einer wirklich guten Band, das Bekannte in etwas Neues und Spannendes. Mancher Titel kam dem einen oder anderen aber nur eher „neu“ vor, so „You can‘t hurry Love“, der Anfang der 1980er ein riesen Erfolg für Phil Collins war – aber eigentlich von den Supremes aus den 1960gern stammt. Von da aus wurde es wieder ganz klassisch, mit „Bei mir bistu shein“, im Original geschrieben 1932 für ein jiddisches Musical und 1938 von den Andrew Sisters bekannt gemacht, kehrten die Singin‘ Birds wieder in die Vergangenheit zurück - für ein kleine Weile. So erhört, war es wirklich eine feine, kleine Zeitreise, auf die die Singin‘ Birds ihre Zuhörer am vergangenen Samstagmorgen mitnahmen.