Suche nach Zelt, Betten, Heizung

Homburg · Anfang November sollen erste Flüchtlinge das Winterzelt belegen, das die Stadt am alten Freibad plant. Heute soll festgezurrt werden, welcher Zeltbauer hier zum Zug kommt. Die Stadt steht vor einem ganzen Bündel an Aufgaben.

 Auf dieser Fläche des alten Freibad-Geländes in Homburg soll schon bald ein Zelt für Flüchtlinge stehen. Foto: Thorsten Wolf

Auf dieser Fläche des alten Freibad-Geländes in Homburg soll schon bald ein Zelt für Flüchtlinge stehen. Foto: Thorsten Wolf

Foto: Thorsten Wolf

"Flüchtlinge brauchen Wohnungen " war ein Artikel überschrieben, der vor ziemlich genau einem Jahr, am 7. Oktober 2014, in unserer Zeitung erschienen ist. Und bereits da ging die Stadt davon aus, dass angesichts der Flüchtlingsströme mittelfristig noch mehr Wohnraum benötigt werde. Heute sind nicht mehr nur Wohnungen - die immer noch gesucht werden - Thema, sondern ein Zelt, das auf dem Gelände des alten Freibads aufgestellt werden soll. Schnell soll das gehen, denn Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind kündigte an, dass es bereits Anfang November belegt werden soll (wir berichteten). Nötig geworden war diese Lösung mit einer Zelt-/Hallenkonstruktion laut Stadt, da deutlich mehr Menschen aus Lebach nach Homburg zugewiesen werden, als bis vor kurzem gedacht: Mehr als 300 sollen zusätzlich bis Ende des Jahres kommen.

Heute komme ein Zeltbauer ins Haus. Wenn alles gut laufe, könnten endgültige Gespräche geführt und Bedingungen fixiert werden, sagte gestern Stadt-Pressesprecher Jürgen Kruthoff. Wenn dies klappe, dann dauere der Aufbau drei Wochen. Die Zelt-/Hallenkonstruktion ist aber nur eine Sache von einem ganzen "Bauchladen anderer Aufgaben", so Kruthoff. "Es ist ein Riesen-Volumen, was auf uns zukommt", betonte er und nannte Beispiele. Zwar sind Duschen und Toiletten auf dem alten Freibad-Gelände vorhanden, doch diese müssten auf Vordermann gebracht werden. Im Moment würden die Abwasserrohre verfilmt, um zu sehen, ob sie noch intakt sind. Zudem könnten, je nach Belegung, womöglich zusätzliche mobile Duschen hinzu kommen. Man denke angesichts der kalten Jahreszeit darüber nach, ob man die Wege vom Zelt zu den Duschen mit Planen einhausen könne, sodass hier Flure entstehen. Und apropos Kälte: Auch die Heizungsanlage muss noch besorgt werden, betrieben werde diese von der Stadt. Da das Gelände im Wasserschutzgebiet liege, müsse ein Heizöltank entsprechend installiert sein, womöglich mit einer großen Edelstahlwanne. Weiter müssen Strom und Licht aufs Gelände gebracht werden, vor dem Freibadgelände soll eine Videoanlage montiert werden. Benötigt würden ein oder eventuell mehrere Caterer, die für die Verpflegung der Menschen sorgen. Dies geschehe in Kooperation mit der Kreisverwaltung. Zudem sehe sich die Stadt nach einer Sicherheitsfirma um. Die Bewachung des Areals soll vorsorglich schon am Wochenende beginnen. Auch an die gesundheitliche Versorgung müsse gedacht werden.

Außerdem müssen Betten organisiert werden. 100 Feldbetten bekomme die Stadt von einer Dienststelle der Polizei . Zudem "lassen wir Betten von einer Firma bauen". Diese seien vermutlich doppelstöckig, und sie müssten aus Metall sein, Holz sei aus Brandschutzgründen nicht erlaubt.

Das Zelt werde nach und nach belegt. Für die mehr als 300 Flüchtlinge, die bis zum Jahresende kommen, gebe es bereits jetzt de facto keine Wohnungen mehr. Wie viele Menschen genau in das 1000 Quadratmeter große Zelt passen, "wissen wir erst, wenn wir mit dem Zeltbauer gesprochen haben". Es seien wohl eher weniger als 1000, so Kruthoff. Im Inneren würden Bereiche für Frauen und Männer abgeteilt.

Parallel zur neuen Lösung wird weiter auf eine Unterbringung in dezentralen Wohnungen gesetzt. So werden etwa ein Wohnblock in der Hasenäckerstraße saniert und das alte Verwaltungsgebäude der Stadtwerke in der Gasstraße.

"Wir müssen hier vor Ort in Homburg eine Auftragsangelegenheit des Landes wahrnehmen. Wir haben dafür zu sorgen, dass die uns zugewiesenen Menschen ordentlich untergebracht und versorgt werden", machte OB Rüdiger Schneidewind klar. Natürlich koste das alles richtig viel Geld, so Kruthoff, beim Zelt helfe das Land. Allerdings belasteten generell die Kosten der Flüchtlingsarbeit nicht den Normalhaushalt der Stadt, müssten nicht eins zu eins eingespart werden.

Unterdessen verurteilten die Jusos Saarpfalz Flugblätter, die am Montag aufgetaucht waren, die in einem solchen Zelt "sozialen Sprengstoff" sehen, der "ins Chaos" führen könne. Darin würden von einem unbekannten Verfasser Ängste geschürt und Befürchtungen gestreut, "die unhaltbar sind", so die Jusos weiter.