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Stele an die Opfer von Zwangssterilisationen und Euthanasie in Homburg

Neues Mahmal in Homburg : Stele erinnert in Homburg an die Opfer von Zwangssterilisationen

Mit der offiziellen Vorstellung einer Gedenkstele erinnert das Homburger Universitätsklinikum nun auf seinem historischen Friedhof an die Opfer von Zwangssterilisationen am früheren Landeskrankenhaus in den Jahren zwischen 1935 und 1939 und an die Opfer von Euthanasie in der Zeit des Nationalsozialismus.

Von 1935 bis 1939 wurden in Homburg bis zu 1600 Menschen Opfer von Nazi-Ärzten. Im Jahr 1939 wurde dann ein Großteil der damals 1200 bis 1600 psychiatrischen Patienten vom Landeskrankenhaus aus in andere Anstalten deportiert und getötet.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte im Jahr 1993 der Historiker Christoph Braß. In seiner Magisterarbeit zu Zwangssterilisationen und Euthanasie im Saarland während der Nazi-Diktatur arbeitete er auch die Geschichte des früheren Landeskrankenhauses auf. Als einen der Haupt-Verantwortlichen identifiziere Braß dabei Professor Oscar Orth, Chef des Landeskrankenhauses zwischen 1922 und 1947.

Henrik Eitel (CDU), Staatssekretär und Chef der saarländischen Staatskanzlei, würdigte ausdrücklich in seiner Rede diesen Verdienst von Christoph Braß. Eitel ließ aber auch den Einsatz von Günter Schott aus Wadgassen nicht unerwähnt. Schott hatte mit einer Petition an den saarländischen Landtag auf dem Weg zur nun verwirklichten Erinnerungsstätte einen der ersten Schritte getan. In seinen Worten, während seiner Rede versagte Eitel mehrmals aus Berührung die Stimme, machte der Chef der Staatskanzlei auch deutlich, dass es für die saarländische Landesregierung „keine Vergessen, kein Verschweigen, kein Relativieren“ gebe. Ganz im Gegenteil gehe es, wie es auch auf der Stele zu lesen sei, um Erinnern, Mahnen und Lernen. „Die Verhinderung, gar die Vernichtung von Leben war die Konsequenz des rassistisch-eugenischen Denkens im Dritten Reich.“ 75 Jahre nach dessen Ende seien dessen Geister noch längst nicht tot, sagte der Staatssekretär. „Wenn Hass und Hetze gedeihen und bewusst den Boden für neues Unheil bereiten, sind wir als Landesregierung fest entschlossen, dem aller Kraft und staatlichen Gewalt entgegenzutreten.“

Noch vor Eitel nannte Professor Wolfgang Reith, der ärztliche Direktor des Homburger Universitätsklinikums, den neuen Gedenkort auch ein Mahnmal für die junge Generation, um sich immer wieder mit der Rolle der Medizin im gesellschaftlichen Kontext zu befassen. Im Zuge eines geschichtlichen Rückblicks auf die Schreckenszeit der NS-Diktatur am früheren Landeskrankenhaus machte Reith klar, dass es Auftrag des UKS heute sei, „die Pervertierung der Medizin im Nationalsozialismus als Teil unserer Geschichte zu beleuchten, um zukünftige Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und ihnen begegnen zu können.“

Günter Schott als Initiator der impulsgebenden Petition an den Landtag schließlich erinnerte an den langen Weg, der auf dem Weg hin zum neuen Mahnmal zurückgelegt werden musste. „Ich bin froh, dass wir heute, an diesem Tag, der Opfer gedenken!“