Zu Gast in Beeden : Der „alte Hase“ und die Nachwuchskicker

U 21-Nationaltrainer Stefan Kuntz war zu Gast beim SV Beeden und traf hier seinen früheren Mitspieler Uwe Grub.

Der Saarländer Stefan Kuntz wirkt in diesen Tagen tiefenentspannt. Der 57-Jährige hat gerade beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) seinen Vertrag als U21-Nationaltrainer bis 2023 verlängert. Und wenn er sich in seiner Heimat mit den örtlichen Zeitungsvertretern unterhält, ist es wie früher in seiner Zeit bei Borussia Neunkirchen. Dann wird aus „Herr Kuntz“ einfach „de Stefan“. Und natürlich spricht der international bekannte Trainer dann auch nicht hochdeutsch, sondern saarländisch Platt.

Dieser Tage hatte Kuntz quasi ein Heimspiel, als er in der Sporthalle des SV Beeden über seine Arbeit beim DFB referierte. Die Besucher kamen dabei aus dem gesamten Saarland und auch teilweise aus Rheinland-Pfalz – wie die Kennzeichen der geparkten Autos verrieten. Vor Ort war auch eine größere Delegation der Mädchen- und Frauenabteilung des SV Göttelborn/SV Elversberg. Am Ende des Abends sprach auch noch dessen bekannte Spielerin Selina Wagner über ihre größten Erfolge.

Stefan Kuntz war einer Einladung seines früheren Weggefährten bei Borussia Neunkirchen, Uwe Grub, gefolgt. Er trainiert mittlerweile den Bezirksligisten SV Beeden. In seiner Eröffnungsrede erinnerte Grub noch einmal daran, dass Kuntz 1991 Fußballer des Jahres wurde. „Er war Deutschlands erster Fußballer des Jahres, der zuvor noch kein A-Länderspiel bestritten hatte“, sagte Grub. Daraufhin gab es in der Beeder Sporthalle den ersten lang anhaltenden Applaus des Abends. 1996 feierte Kuntz dann mit der Nationalmannschaft den EM-Titelgewinn in England. Grub begrüßte auch Günter Kuntz, den Vater des erfolgreichen U21-Nationaltrainers. „Er hat die goldenen Zeiten von Borussia Neunkirchen mitgeprägt. Ich bin unheimlich froh darüber, Günter heute Abend bei bester Gesundheit herzlich willkommen zu heißen“, freute sich Grub.

Während es beim Vortrag von Kuntz hauptsächlich um die Vorbereitung auf ein Turnier (die U 21-EM) ging, plauderte Wagner in Sachen Einstellung auf ein Champions-League-Finale aus dem Nähkästchen. Kuntz verdeutlichte noch einmal sein Hauptziel: Spieler für die A-Nationalmannschaft ausbilden. „Ganz wichtig ist dabei die Persönlichkeitsentwicklung“, betonte der U 21-Nationaltrainer. Dennoch wäre Kuntz nicht Kuntz, wenn er nicht auch großen Wert auf gute Ergebnisse legen würde. Die Erfolge geben ihm Recht: 2017 wurde der Titelgewinn bei der EM gefeiert, in diesem Jahr folgte bei der gleichen Veranstaltung Rang zwei. Immer wieder sorgte der Nationaltrainer für Lacher im Publikum, wenn er als „alter Hase“ auf seinen Umgang mit den Nachwuchsakteuren einging. Als Kuntz als Spieler seine größten Erfolge feierte, herrschte noch eine andere Zeitrechnung, die nicht von den „neuen Medien“ bestimmt war. Die heutigen U 21-Nationalspieler sind dagegen bei Instagram und Co. omnipräsent.

Dies wurde auch bei seinem Besuch in Beeden deutlich, als eine Nachwuchsspielerin aus Elversberg „im Auftrag meiner Mitspielerinnen“ nach der Handynummer von Nationalspieler Luca Waldschmidt fragte, was bei Kuntz und sämtlichen Beteiligten für einen großen Lacher sorgte. Der Trainer verdeutlichte aber noch einmal, dass man auch von Seiten des DFB in Sachen Social-Media-Reichweite sehr viel getan habe.

Uwe Grub, Stefan Kuntz und Selina Wagner (von links) waren in der Sporthalle des SV Beeden angesichts des Besuchs des prominenten Fußballtrainers bestens gelaunt. Foto: Stefan Holzhauser

In der anschließenden Diskussionsrunde durfte natürlich die Frage aller Fragen nicht fehlen: Wird Stefan Kuntz der kommende A-Nationaltrainer? Der Saarländer verwies in diesem Zusammenhang noch einmal darauf, dass er großen Respekt vor dem aktuellen Amtsinhaber Joachim Löw habe und sich daher diese Frage nicht stelle. Beide Trainer würden auch eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Auch diese Haltung brachte dem U 21-Nationalcoach in Beeden viele Sympathien ein. Kuntz hatte auch ein Geschenk für den Gastgeber SV Beeden mitgebracht: Ein Trikot der DFB-Elf mit den Unterschriften seiner Spieler. Ein zweites Trikot von Florian Neuhaus wurde zugunsten des SV Beeden meistbietend zur Versteigerung freigegeben. Den Zuschlag erhielt Guiseppe Nardi für 500 Euro, der das Trikot dem SV Beeden überließ.