Start Woche der Ausbildung Michelin in Homburg

Woche der Ausbildung : Fokus auf Frauen in technischen Berufen

Das Homburger Michelinwerk war Auftaktschauplatz für die „Woche der Ausbildung“ der Bundesagentur für Arbeit.

Seit Montag läuft mit Aktionen an verschiedenen Orten im Saarland die „Woche der Ausbildung“ der Bundesagentur für Arbeit. Auftaktschauplatz in diesem Jahr war diesmal das Homburger Werk des Reifenherstellers Michelin. Dort drehte sich im Gespräch zwischen Vertretern der Bundesagentur und des Unternehmens vieles um das Leitthemen der diesjährigen Aktionswoche: die Ausbildung in den so genannten MINT-Berufen die Abkürzung steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Jürgen Haßdenteufel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Saarland, war sich sicher, mit Michelin ein Unternehmen als Einstieg in die Aktionswoche gewählt zu haben, das genau für dieses Thema stehe. „Michelin ist ein Unternehmen, das in diesen Bereichen ganz stark ausbildet.“ Eine Facette bei der Ausbildung in den MINT-Berufen sei dabei – neben dem Umstand, dass auch hier aktuell Ausbildungsplätze unbesetzt blieben – eine starke Verzerrung bei der Bewerberlage zu Gunsten von männlichen Auszubildenden. „Es gibt nach wie vor relativ wenige jungen Frauen, die sich für technisch-gewerbliche Berufe interessieren“, verdeutlichte Haßdenteufel diesen Aspekt des Ausbildungsmarktes. „Aber auch hier geht Michelin gute und zukunftsgerichtete Wege, indem das Unternehmen bei jungen Frauen für diese Berufsbilder wirbt.“

Quasi als Bestätigung hatte Thomas Hoffmann, Personalleiter von Michelin in Homburg, mit Xenia Kahl und Elaine Wagner zwei weibliche Auszubildende und mit Syra Schäfer eine ausgelernte Facharbeiterin zum Gespräch mitgebracht. Im Schnitt liege die Quote der weiblichen Auszubildenden bei Michelin in Homburg zwischen 20 und 30 Prozent, wie Hoffmann erklärte. Dabei zeigten sich, wie der Personalleiter weiter schilderte, bei der Reaktion junger Frauen auf den technisch-gewerblichen Ausbildungsweg zwei Szenarien: Kämen Kandidatinnen aus dem Bereich des gymnasialen Abschlusses, dann zögen viele beim Thema MINT ein Studium der Ausbildung vor. Bei Schulabschlüssen unterhalb des Abiturs hingegen herrsche bei den jungen Frauen eine gewisse Skepsis diesen Berufsbildern gegenüber. Deswegen gelte es, auch mit Aktionstagen wie dem „Girls’ Day“, Berührungsängste abzubauen. Nichtsdestotrotz, so Hoffmann, schlügen jungen Frauen oft doch den Weg in klassische weibliche Berufsbilder ein. „Ich denke, das Interesse für Technik muss viel früher geweckt werden, vielleicht auch schon im Kindergarten.“

Vor diesem Hintergrund war es spannend zu erfahren, wie Syra Schäfer, ausgelernte Industriemechanikerin und schon unterwegs in die Weiterbildung zur Technikerin, Xenia Kahl, Auszubildende zur Elektronikerin für Betriebstechnik, und Elaine Wagner, Auszubildende zur Industriemechanikerin, den Weg in ihren Wunschberuf gefunden haben. Im Gespräch wurde da schnell klar: Der Weg junger Frauen in eine technisch-gewerbliche Ausbildung führt in den meisten Fällen über eine familiäre „Vorbelastung“, in der Regel dann, wenn Vater oder Bruder einen eher technischen Beruf schon ausüben – so auch bei den drei Michelin-Mitarbeiterinnen. Syra Schäfer, deren Vater selbst als technischer Zeichner aus der Branche kommt: „Ich habe mein Fachabitur im Bereich Technik gemacht, hab’ hier bei Michelin mein Praktikum absolviert – und nach zwei Monaten ist mir klar geworden, dass ich das später machen will. Und dann hab ich die Ausbildung angefangen.“ In ihrem Umfeld hätten alle „völlig normal“ darauf reagiert, dass sich ihren beruflichen Weg in einer noch immer klassischen Männerdomäne suche, so Schäfer, die seit Sommer des vergangenen Jahres ausgelernt ist und nun in der Instandhaltung des Werkes arbeitet. Auf Rückfrage von Gregor Steinmann, Teamleiter Arbeitgeberservice bei der Bundesagentur für Arbeit Saarland, machte Syra Schäfer auch deutlich, dass die körperlichen Anstrengungen, die mit ihrem Berufsbild als Industriemechanikerin verbunden seien, keine Probleme darstellten.

Bei all dem positiven Feedback von Schäfer, Kahl und Wagner: Die Biografien der drei Michelin-Mitarbeiterinnen stehen im Gegensatz zur üblichen Rollenverteilung in der Berufswahl. „Das gesellschaftliche Rollenbild macht schon noch viel aus“, war sich Manuela Kuhn, Leiterin der Ausbildung Michelin Homburg, sicher. Und dieses Rollenbild unterscheide immer noch „zwischen typischen Berufen für Jungen und typischen Berufen für Mädchen“.

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