Spinat und Fisch vor dem Fest

An Karfreitag fastet man. Oder man isst Fisch. An Gründonnerstag gibt's grünen Spinat mit Ei. Eine Tradition, die auf einem Missverständnis beruht, denn das Wort „Grün“ kommt in diesem Fall von „greinen“, ein bis ins 18 Jahrhundert gebräuchliches Wort für Weinen.

. An Gründonnerstag gab es früher in vielen Familien lange Gesichter bei den Kindern, denn Spinat stand auf dem Speiseplan. Nicht der zarte Spinat mit dem Sahneblubb, den heute eigentlich fast alle Kinder mögen, sondern das damals übliche bittere, dunkelgrüne Gestrüpp.

Dazu werden Kartoffeln und Eier gereicht. Man folgte damit dem Vorsatz, an Gründonnerstag müsse es etwas Grünes geben - und da bot sich Spinat förmlich an. Doch das ist ein sprachliches Missverständnis, denn grün kommt nicht von der Farbe, sondern von greinen - ein altes Wort für weinen. Der Donnerstag ist also nicht der Spinat-Tag, sondern der Tag, an dem man um Christi Schicksal weint.

Kirchliche Rituale, die seit Jahrhunderten in Europa gepflegt werden, überstehen, wie man an Karfreitag sieht, auch moderne Zeiten. Derzeit sichert der eher weltliche Gesundheitsaspekt den alten Traditionen das Überleben. Die 40-tägige Fasten-Zeit bis Ostern wird zu einer willkommenen Gelegenheit der Gewichtsreduktion umfunktioniert, der Karfreitag, ein traditioneller Fastentag der Katholiken, wird in den "gesunden Fischtag" verwandelt.

Nun kann man einerseits beklagen, dass diese einst so wichtigen Tage im Kirchenjahr auf diese Weise ihre Spiritualität eingebüßt haben, andererseits ist es aber doch erstaunlich, wie flexibel sich uralte Rituale erweisenDoch schon im Mittelalter gab es in den Klöstern ausgefeilte Lösungen, die religiösen Essens-Regeln zu verbiegen: man sündigte zwar nicht, musste sich aber auch nicht in Verzicht üben. Ein Beispiel dafür war der Biber, der in Europa auch deshalb getötet wurde, weil er wegen seiner schuppigen Schwanz-flosse als Wassertier definiert wurde, wie der Neunkircher Zoodirektor Norbert Fritsch erläuterte: "Und deshalb galt der Biber als eine Art Fisch und durfte in der Fastenzeit verspeist werden, obwohl die Menschen in Wahrheit einen handfesten Braten auf dem Tisch stehen hatten."

Wem es ein Bedürfnis ist, am Karfreitag des Leidens und Sterbens Jesu zu gedenken, fastet den ganzen Tag über. Denn bis heute gilt der Karfreitag in der katholischen Kirche als strenger Fastentag.

In der Nacht zum Ostersonntag wird dann aber mit der Morgensonne der Sieg des Lebens über den Tod gefeiert.

So leitet sich das Wort Ostern auch von Eos, der griechischen Göttin der Morgenröte, ab. Sobald die Sonne aufgeht, dürfen die pflichtbewussten Christen, die vorher gefastet haben, dann endlich so viel essen, wie sie wollen.

Spinat an Gründonnerstag hat Tradition, weil er nun mal grün ist. Doch das ist ein sprachlicher Fehlschluss. Foto: Simmet/SZ. Foto: Simmet/SZ
Fisch an Karfreitag hat Tradition. Allerdings gilt er inzwischen als delikater denn ein Fleischgericht. Foto: T. Reinhard. Foto: T. Reinhard

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Auf einen BlickEs gibt neben dem Fastengebot noch einen weiteren Grund, an Karfreitag Fisch zu essen, denn der Fisch ist eines der ältesten Symbole, mit dem sich schon die frühen Christen zu erkennen gaben: Fisch heißt auf griechisch "Ichthys". Das sind die Anfangsbuchstaben von "Iesos Christos Theou Yios Soter" (Jesus Christus , Gottes Sohn, Retter).Mit dem Abend vor dem Karfreitag beginnt das höchste Fest des Christentums, das Triduum Sacrum, die österlichen drei Tage. Der Begriff "Kar" leitet sich von "kara", althochdeutsch für Klage, ab. Am Karsamstag herrscht in der Kirche Ruhe - Grabesstille. Es ist der einzige Tag im Kirchenjahr , an dem es keine Eucharistiefeier gibt. red