Sondersitzung zur B 423-Umgehung

Eigentlich sollte der Stadtrat gestern über die Planfeststellung der neuen Umgehungsstraße beraten. Das Thema wurde aber von der Tagesordnung genommen. Bis August liegen die Unterlagen im Rathaus öffentlich aus.

Eigentlich sollte sich der Homburger Stadtrat gestern Abend mit einem aktuellen Reizthema befassen: Dem geplanten Neubau der B 423 als Umfahrung der Ortslagen Schwarzenbach, Schwarzenacker und Einöd. Konkret stand ein "Ja" oder "Nein" zur Planfeststellung für das Großprojekt auf der Tagesordnung. Doch zwischenzeitlich formiert sich Widerstand entlang der geplanten, neue Trasse gegen die zunehmend konkreten Pläne (wir berichteten). Diese sehen vor, dass die neue Strecke von einem ebenfalls neuen Autobahnanschluss an der A 8 in Höhe der Mastau entlang von Beeden in Richtung Innenstadt führen soll - die entsprechenden Unterlagen zu diesem Projekt liegen seit gestern im Homburger Rathaus zur Einsichtnahme öffentlich aus, auch um Einsprüche gegen das Bauvorhaben zu ermöglichen.

Eben aufgrund dieser Offenlage, in der sich auch die Stadt als betroffene Kommune äußern kann, wurde das Thema gestern von der Tagesordnung genommen. In einer Pressekonferenz am Morgen begründete Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind diesen Schritt so: "Wir könnten natürlich keine Stellungnahme abgeben, das wäre dann wie ein Zustimmung. Wir können auch proaktiv unsere Zustimmung bekunden oder auch entsprechende Änderungswünsche äußern." Man überlege aber, um auch die Bürger noch eingehender über das Bauprojekt in Kenntnis zu setzen, eine weitere Informationsveranstaltung zu veranstalten, "weil wir mitbekommen, dass bei der Bürgerinitiative, die sich gegen diese neue Straße wendet, das eine oder andere an Fehlinformation entweder vorhanden ist - oder vom einen oder anderen absichtlich so in Umlauf gebracht wird", so Schneidewind. "Hier wollen wir Klarheit haben. Und erst nach einer klaren, offenen Diskussion wollen wir eine Stellungnahme abgeben." Er rechne hier nicht damit, dass der Stadtrat in seinem grundsätzlichen und in der Vergangenheit mehrfach bekundeten Ja zur Schwarzenbach-Umgehung "umfällt. Wir hatten in den zurückliegenden Jahren immer deutliche Mehrheiten, wir kämpfen seit 40 Jahren für diese Straße." Es sei zudem immer klar gewesen, wie die Straße ungefähr verlaufen werde. Das Ansinnen derer, denen der Umweltschutz am Herzen liege, halte er für völlig legitim.

Um vor diesem Hintergrund nun "alles richtig zu machen", werde man für den Juli eine Sondersitzung des Stadtrates einberufen - um vor Ablauf der Offenlage im August die Stellungnahme der Stadt zu den aktuellen Plänen fristgerecht einreichen zu können. Denn: Er, so Schneidewind, halte es bei einem so großen und wichtigen Projekt für nötig, eine Stellungnahme abzugeben, so Schneidewind. "Alles andere wäre ein falsches Signal."

Auch die Bürgerinitiative gegen den Neubau der Bundesstraße kam gestern Abend zu einem Treffen an der Beeder Fischerhütte zusammen. Konkret ging es hier ebenfalls um die "Möglichkeiten des Einspruchs gegen die vom 21. Juni bis 20. Juli offen gelegten Planungsunterlagen des Neubaus der B 423 als Autobahnzubringer vom brachliegenden Gewerbegelände der DSD bis zur geplanten neuen Auf- und Abfahrt auf die A 8 in Höhe der Mastau", so Bernhard Kuntz, der Sprecher der Bürgerinitiative.

Es wird sich nun also in den kommenden Wochen und bis zum Ende der Offenlage entscheiden, wer im Detail welche Einwände gegen das Projekt hat. Die Positionen sind dabei klar definiert: Die Gegner des Großbauprojektes gehen davon aus, dass der Neubau die Natur im Bereich der Mastau, aber auch darüber hinaus, massiv schädigen werde. Die Befürworter führen eine deutliche Verkehrsentlastung im Bereich der "alten" B 423 ins Feld.