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So gehen Schüler, Schulen, Eltern mit Schul- und Kitaschließungen um

Kostenpflichtiger Inhalt: Coronavirus : Plötzlich schulfrei, aber keine Ferien

„Schule ist zu“ klingt erstmal gut. Doch auch die Schüler merken, dass die Schließung wegen der Corona-Krise nichts mit Ferien zu tun hat. Vieles ist unklar, gerade für die Abiturienten. Und Eltern von Kindergartenkindern haben damit zu kämpfen, die Betreuung der Kleinen zu organisieren.

Am frühen Morgen kurz mal aufs Handy zu schauen, ist nichts Besonderes. Am Freitagmorgen war nach dem schnellen Blick in die Whats-App-Stufengruppe aber alles anders: „Saarland schließt alle Schulen und Kitas“ stand da ganz oben. „Es war ein totaler Schock.“ So fasst es eine 17-Jährige zusammen, die kurz vor dem Abitur steht. Eigentlich wäre ihre Unterrichtszeit am St. Ingberter Albertus-Magnus-Gymnasium ohnehin in zwei Wochen beendet gewesen, trotzdem fühlt sie sich „total überfahren“. Sie hätte gerne noch die Restzeit in der Schule geregelt wiederholt und gelernt. Jetzt müsse man es eben früher komplett selbst in die Hand nehmen. Allerdings sollen über E-Mails Arbeitsaufträge verschickt werden. Es soll Möglichkeiten der Kommunikation geben. Bei den Arbeiten sei aber alles gelaufen, am 27. März sollten die Zeugnisse überreicht werden, am 8. April stehe für sie eigentlich die erste Prüfung an, weitere dann Ende April.

Sollte das Abi nicht stattfinden, wäre das „total blöd“, sagt sie. Und da ist noch etwas, jetzt ist plötzlich die Unterrichtszeit schneller vorbei als gedacht, Freunde, mit denen sie bisher selbstverständlich zusammentraf, sieht sie jetzt nicht mehr. Und wie kam die Schulschließung bei den anderen an? Gemischt, berichtet sie. Die einen hätten es wie sie gesehen, die anderen hätten sich gefreut. Jubel über vermeintlich lange Ferien habe sie aber an der Schule nur einmal gehört. Etliche sahen es neutral, viele fehlten ohnehin schon. Es sei eine „seltsame Situation“, die meisten könnten sie nicht einschätzen.

Das hat auch Oliver Schales, Schulleiter des Johanneums, beobachtet. Es waren eher nicht flapsig-witzige Sprüchen wie „Ist doch super, die machen endlich dicht“, die man hörte, die Stimmung war am Freitagmorgen eher aufgeregt. Die Kinder hätten auf Infos gewartet. Schon um 8 Uhr hätten Schulleitung und Elternvertretung zusammengesessen, einen Plan erstmal für den Tag entwickelt. Die zehn wichtigsten Infos wurden zusammengestellt, in den Klassen kommuniziert. Darunter auch simple Dinge wie die Vorgabe, dass die Schließfächer ausgeräumt werden müssen, der Klassensaal aufgeräumt werden soll. Zugleich wurde die Schul-Cloud für alle Schüler so aktualisiert, dass die Kommunikation zwischen Lehrer und Schülern möglich ist. Denn für Schales heißt das Gebot der Stunde: Die Kinder müssen wissen: Es geht weiter, auch zu Hause.

Wolfram Peters, Schulleiter des Mannlich-Gymnasiums betont: „Wir haben den Beschluss am Freitag sehr kurzfristig erfahren. Zum einen haben wir den Schülern sofort zu verstehen gegeben, dass es sich hier nicht um eine Urlaubszeit handelt.“ Die Elfer- und Zwölferklassen wollten das auch gar nicht, „zumal sie ja von der Schließung überhaupt keine Vorteile haben, ganz im Gegenteil“. Die Zwölferklassen stünden kurz vor dem Abitur und müssten jetzt zusehen, wie sie „sich den Stoff draufschaffen, denn alles, was noch in den letzten Tagen drankommt, ist Abitur-Stoff“. Am Abitur sei nichts mehr zu rütteln, „die Aufgaben stehen längst fest und sind schon in den Umschlägen. Ich finde, man hätte bei diesen durchaus berechtigten Maßnahmen wenigstens an die Abiturklassen denken können, soviel Ansteckungsgefahr wäre davon nicht ausgegangen“. Die jüngeren Schüler hätte man natürlich alle draußen gehalten. Am Freitag seien die Fach- und Klassenlehrer damit betraut worden, alle Schüler nach ihren Kommunikationsmitteln abzufragen und Listen zu erstellen, wer wie per E-Mail zu erreichen ist. „Wir werden den Schülern auf diesem Weg Aufgaben schicken, die sie lösen und Kapitel in Schulbüchern, die sie lernen müssen. Und diejenigen, die keine Internet-Verbindung haben, sind angehalten, ihre Klassenkameraden zu kontaktieren, um an den Aufgabenstellungen zu arbeiten.“ Es sollen so wenig Lücken entstehen wie möglich, obwohl ein richtiger Unterricht natürlich nicht zu ersetzen sei. „Es ist keine einfache Situation.“

Für Jürgen Mathieu, Schulleiter des Saarpfalz-Gymnasiums kam der Beschluss der Schulschließungen „nicht wirklich überraschend. Deshalb habe ich schon gleich am Freitagmorgen die Eltern kontaktiert und die Schüler angehalten, ihre Spinde mit den Schulbüchern zu leeren, damit sie das Material zu Hause verfügbar haben. Wir haben eine Website, die zugleich eine Lernplattform ist, auf die haben Lehrer, Eltern und Schüler Zugriff, die ist jetzt sehr hilfreich.“

Mathieu hofft nun nur, dass sie den Ansturm aushält, „sonst muss unser Rechenzentrum noch mal nachlegen. Wir haben Mailinglisten erstellt und den Schülern deutlich gesagt, dass sie von uns Nachricht bekommen werden und jetzt keine Ferien anbrechen. Aber es ist natürlich kein Ersatz für einen regulären Unterricht .“
Für die Abiturklassen sieht er kein allzu großes Problem: „Es wären jetzt noch genau neun Schultage gewesen, da verlieren die Abiturienten nicht so viel. Die Abi-Prüfungen werden ganz normal durchgezogen.

„Was die übrigen Schulklassen an Unterricht verlieren, seien zusammengezählt sechs Wochen, „das entspricht den großen Ferien und ist schon eine Menge Zeit“, so Mathieu, „deshalb haben wir schon mal für den Herbst vorgeplant. Es werden keine Projektwochen veranstaltet und auch sonst werden Aktivitäten, die nicht unmittelbar mit dem Lernstoff zu tun haben, auf ein Minimum begrenzt“. Die Schüler würden das auch einsehen, „die Stimmung ist zwar nicht gedrückt, hat aber mit der normalen Freude bei Schulferien nichts zu tun. Den Schülerinnen und Schülern ist durchaus bewusst, dass wir im Moment keine guten Zeiten haben.“

In den Kindergärten herrschte Freitagmorgen ebenfalls viel Verunsicherung, auch weil niemand so genau wusste, wie alles weitergeht, wie es etwa mit einer Notfallbetreuung aussieht.

Dazu hat sich das Land mittlerweile geäußert. Es habe Verständnis für die Entscheidung der Schließung gegeben, „aber es ist schwierig“, sagt Ulrike Jäger-Borr, stellvertretende Leiterin der Kita Arche Noah in Homburg. Manche seien zunächst noch ungläubig gewesen. So gut wie alle stünden vor dem Problem, wie sie die Kinderbetreuung nun hinbekommen, es gebe viele Eltern, die im Uniklinikum arbeiten. Wer die Kleinen zu Hause beschäftigen muss, dem rät sie, die Kinder ruhig auch in Alltagstätigkeiten einzubeziehen, etwa bei Hausarbeiten wie dem Kochen helfen zu lassen. Natürlich hänge das vom Alter ab.

Auch Sabine Fuhrmeister von der Kita St. Josef in Jägersburg berichtet von den Schwierigkeiten, die Eltern nun haben werden. „Einige werden Probleme bekommen“, dennoch hätten eigentlich alle ruhig und vernünftig reagiert. Ihr Appell: Jetzt bloß nicht die Großeltern einsetzen. Der Hintergrund: Älteren Menschen drohen bei einer Infektion mit dem Corona-Virus größere Risiken, viel schwerere Krankheitsverläufe.

Das Uniklinikum (UKS) hat als einen Schritt eine interne Kinderbetreuungsbörse eingerichtet, um die Mitarbeiter mit Kindern besser miteinander in Kontakt zu bringen – „wir hoffen, dass sich dadurch auch gegenseitige Unterstützung ergibt und die Hürden in der Betreuung der Kinder gemeinsam gemeistert werden können“, sagte Professor Wolfgang Reith, ärztlicher Direktor und UKS-Vorstandsvorsitzender. Er hoffe, dass „bei der geplanten Notversorgung die Bedeutung von Klinikpersonal bedacht wird“.

Geändert hat sich schlagartig nun übrigens auch der Abschiedsgruß statt „bis bald“ heißt es jetzt oft „Bleib gesund!“.