Silvesterknaller : Nicht alle lieben Silvester-Feuerwerk

Für manche gehören bunte Funken dazu, für andere ist es rausgeworfenes Geld. Die Ansichten über Böller gehen weit auseinander.

Während bei einem großen deutschen Anbieter für Feuerwerksartikel schon in den gestrigen Nachtstunden die Käufer Schlange standen, hielt sich die Nachfrage in den ersten Stunden des ersten von drei Verkaufstagen in Homburg noch in Grenzen. „Die meisten Leute kaufen frühstens am Samstag ihre Raketen und Böller für den Silvesterabend“, meinte man bei einem großen Discounter in Homburg.

Auch für Silvester 2019 haben sich die Anbieter fürs Feuerwerk einiges ausgedacht. Raketen in allen Größen, Farben und Fontänen gibt es in großer Sortimentsbreite. Gleiches gilt es auch für Böller und Kanonenschläge. Es gibt auch Kombi-Packungen mit einem ganzen Arsenal an Raketen, Böllern und Leuchtfontänen. Manche Anbieter haben sich teilweise auch auf Lärm spezialisiert, etwa heulende Sirenen, die 15 Sekunden lang ihr Getöse erklingen lassen. Oder ganze Batterien mit Böllern und Raketen, die gleich in Serie gezündet werden, können gekauft werden.

Kein preiswertes Vergnügen übrigens: 49 Euro kann man beispielsweise in die Luft ballern, wenn man sich für eine Batterie mit 15 lauten Kanonenschlägen entscheidet. Grüne und Silberfontänen in einer Zweierpackung gibt es für knapp zehn Euro. „Das ist sicherlich kein billiger Spaß, aber Silvester ist nur einmal im Jahr, und der Spaß am Feuerwerk und Knallerei gehört einfach dazu“, meint der Homburger Bernd Schneider und schaut sich bei einem Discounter an den aufgebauten acht Tischen mit großem Sortiment um.

Peter Ganter ist nicht nur für den Einkauf von Lebensmitteln mit seiner Familie gekommen, sondern auch für den Kauf von Silvesterraketen mit buntem Funkenregen. „Wir feiern mit der Familie und Freunden. Um Mitternacht gehören Raketen und Funken einfach dazu.“ Die Ausgaben dazu hielten sich aber in Grenzen, meint Ganter aus Brücken.

Indessen suchen die Geschwister Isolde und Peter nach großen Wunderkerzen. Natürlich geht der Wunsch der Kinder auch nach Raketen, aber es soll beim Kauf von Wunderkerzen bleiben: „Zuviel Geld wollen wir nicht ausgeben“, bestimmt die Mutter.

Ein Budget von 30 bis maximal 40 Euro hat sich Patrick Sycha aus Bexbach zum Kauf von Feuerwerksartikel für seine Silvesterparty gesetzt: „Mal sehen, was es diesmal so alles dafür gibt“, sagt er und schaut sich um. „Feuerwerk gehört zum Jahreswechsel dazu“, er wolle keinesfalls auf Raketen, Funken und Böller verzichten.

Dies gilt auch für Viktor Giss. Zunächst will sich der Schöneberger mit Feuerwerksmaterial eindecken, bevor er in die anderen Abteilungen des Discounters geht, um auch für das passende Essen und die Getränke für die Feier am 31. Dezember zu sorgen. „Silvester ohne Feuerwerk gibt es bei uns nicht“, sagt er – und gehört damit auch zu denjenigen, die ihren Spaß am bunten Funkenregen am Himmel haben.

Doch nicht jeder Kunde bleibt an den aufgebauten Ständen stehen. „Für mich ist jeder Cent für diese Artikel rausgeschmissenes Geld. Das muss nicht sein“, findet Brigitte Schneider. Man könne sich ja am Raketenwirbel der anderen erfreuen. „Die Knallerei ist nichts für mich“, sagt sie, ehe sie sich an der Fleischtheke des Discounters anstellt, um für Silvester und den Neujahrstag einzukaufen. „Mein Geld gebe ich dann lieber schon für Essen aus als für teure Knallerei und Feuerwerk.“ Die Knallerei und das Anzünden von Raketen ist übrigens gesetzlich erst am 31. Dezember erlaubt. In nicht wenigen Städten in Deutschland gibt es sogar ein ,,Knallverbot“ für bestimmte Gebiete in der Innenstadt.

In Homburg und den umliegenden Städten ist es noch nicht soweit, aber Vorsicht beim Hantieren mit Feuerwerk ist auf jeden Fall angesagt. Auf die Hinweise auf den Verpackungen sei unbedingt zu achten, betonen auch Ärzte und Mitarbeiter des Universitätsklinikums in Homburg, die gerade in der Silvesternacht mit Verletzungen bei Unfällen mit Feuerwerk ihre Erfahrungen gemacht haben.

Der Verkauf von Raketen und Böllern an Jugendliche ist untersagt. Man muss mindestens 18 Jahre alt sein, um sich noch bis Montagnachmittag an den Verkaufsstellen mit Feuerwerk eindecken zu können.

„Die fröhliche Stimmung bei der Silvesterknallerei darf aber nicht zu Unvorsichtigkeit beim Umgang mit Feuerwerkskörpern führen“, mahnt auch Verbraucherschutzminister Reinhold Jost. Egal ob zischende Rakete, Chinaböller oder Rauchfackel, immer wieder komme es zu Unfällen in der Neujahrsnacht. Tausende Menschen in Deutschland erlitten beim Jahreswechsel akute Gesundheitsschäden, insbesondere Hörschäden oder Verbrennungen. Jost: „In der Vorfreude auf das neue Jahr werden häufig riskante Abschussstellen verwendet, zu wenig Abstand gehalten oder versucht, verunglückte Blindgänger erneut zu zünden. Meine Bitte: Gehen Sie nicht leichtsinnig mit Silvesterknallern um.“ Schon beim Kauf sollten Verbraucher darauf achten, dass auf der Verpackung die Kennzeichnung mit CE-Zeichen und Registriernummer (zum Beispiel 0589-F2-1234) aufgedruckt ist und die Gebrauchsanleitung beiliegt. So ist gewährleistet, dass nur geprüfte Feuerwerkskörper gekauft werden. Zuhause ist auf eine sichere Lagerung zu achten: Auf dem warmen Ofen, neben Kerzen und Weihnachtsbaum sind keine geeigneten Lagerplätze.

Zu Kirchen, Krankenhäusern, Kindergärten und Altersheimen sowie brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen müsse beim Abfeuern von Raketen oder Böllern genügend Abstand eingehalten werden. Schließlich können die Funken von Feuerwerksraketen eine Höhe von 90 Metern erreichen.

Feuerwerk ist nach dem Sprengstoffrecht in Kategorien eingeteilt: Unter Kleinfeuerwerk Kategorie 1 fallen Tischfeuerwerk und Wunderkerzen. Diese dürfen Kinder ab 12 Jahren besitzen und abbrennen. Für den Erwerb und Umgang mit Kleinfeuerwerk Kategorie 2 (Raketen, Sonnenräder und Chinaböller) muss man mindestens 18 Jahre alt sein.

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