Siebenpfeifferpreis in Homburg an Moderatorin Anja Reschke verliehen

Kostenpflichtiger Inhalt: Siebenpfeiffer-Preis für Anja Reschke : Klare Worte sind ihre Stärke

Respekt und Anerkennung für Siebenpfeiffer-Preisträgerin Anja Reschke bei der Preisverleihung in Homburg.

Als am Sonntag die ARD-Journalistin Anja Reschke mit dem Siebenpfeiffer-Preis ausgezeichnet wurde, da gab es viele Reden: Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo als Vorsitzender der Siebenpfeiffer-Stiftung würdigte Reschkes Einsatz für die Demokratie und die Pressefreiheit in Deutschland ebenso wie SR-Intendant Thomas Kleist als Vorsitzender der Siebenpfeiffer-Jury und die frühere WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich als Laudatorin. Doch neben all diesen offiziellen und angekündigten Auftritten ergriff ganz spontan noch ein anderer das Wort: Der vor allem als Mitglied der Band Die Prinzen bekannte Sänger Sebastian Krumbiegel. Er sorgte am Sonntag im großen Sitzungsaal des Homburger Forums für die inhaltlich passende, musikalische Umrahmung – und erinnerte sich ganz persönlich vom Klavier aus an das Jahr 2015, als er zusammen mit Anja Reschke in Dresden an der Verleihung des Sächsischen Förderpreises teilgenommen hatte. „Das war der 9. November 2015. Das war die Hochzeit von Pegida. Und an diesem Abend sind diese Leute in Dresden marschiert.“ Reschke habe sich zurecht darüber aufgeregt, dass das am 9. November, an einem Tag, an dem nicht nur die Mauer gefallen sei, sondern 1938 die Synagogen gebrannt hätten, passiert. „Anja hat den Oberbürgermeister von Dresden da, ich möchte mal sagen, verbal ‚volley genommen‘ und hat ihm klar gemacht, dass das gar nicht geht.“ Mit dem Fußball-Begriff des ‚volley nehmens‘ (der steht für eine sehr unmissverständlich-direkte, kraftvolle Schusstechnik) beschrieb Krumbiegel da sehr plastisch das, was vor ihm vor allem Kleist und Mikich in ihren Reden als Charakterstudie von Anja Reschke gezeichnet hatten: Das Bild einer Journalistin, die sich nicht scheut, auf der Basis von Fakten den Finger in die Wunde zu leben, das Bild einer Überzeugungstäterin mit Haltung, wenn es darum gehe, dem Vorwurf der Lügenpresse, vor allem aus rechten Kreisen, echte journalistische Arbeit entgegen zu setzen – auch vor dem Hintergrund massivster persönlicher Angriffe und auch mit einem kritischen Blick auf die eigene Zunft und den Umgang der Medien gerade mit Rechtsextremismus.

Vielen bekannt sein dürfte Anja Reschke als Moderatorin des ARD-Magazins „Panorama“, bundesweite Schlagzeilen machte sie vor allem 2015, als sie sich mit einem Kommentar in den Tagesthemen deutlich und leidenschaftlich gegen die Hetze gegen Ausländer stemmte. Ihre klare Forderung damals: Mund aufmachen und dagegenhalten, Haltung zeigen! Reschke zeigte nicht nur da Haltung – und wurde selbst das Ziel von übelsten Anfeindungen aus dem Netz und zur Zielscheibe rechter Kreise, bis heute.

Eben die Haltung, die Anja Reschke aber damals zeigte und bis heute klar zeigt, sei der Grund dafür gewesen, sie in diesem Jahr mit dem Siebenpfeiffer-Preis auszuzeichen – das machten alle Redner des Sonntagvormittags deutlich. Landrat Theophil Gallo ordnete das Wirken Reschkes dabei in das Szenario einer Gesellschaft ein, die zunehmend auseinander zu driften scheine. Vor diesem Hintergrund gebe es, das war sich Gallo sicher, eine Verantwortung für Versachlichung, für eine Moderation, für eine unaufgeregte Diskussion – hin zu konstruktiven Lösungen. „Hier haben wir alle Verantwortung, jeder einzelne trägt die ganze Verantwortung, so Willi Graf, Mitglied der Weißen Rose, den die Nazis ermordet haben!“

Laudatorin Sonia Seymour Mikich (links) und die Siebenpfeiffer-Preisträgerin Anja Reschke gut gelaunt im Gespräch. Foto: Thorsten Wolf

Anja Reschke nahm in ihrer Rede, wie nicht anders von ihr zu erwarten, kein Blatt vor den Mund, auch nicht, als sie die Rolle der Medien im digitalen Zeitalter mit deutlichen Worten kritisierte. So gehe es inzwischen oft nur noch um Schnelligkeit, oft gepaart mit verkürzten, zugespitzten und damit teilweise auch verfälschten Schlagzeilen. „Das bedeutet: Wir katapultieren uns in eine permanente Hysterie.“ Medien würden natürlich das präsentieren, was zieht, „also krasse Aussagen von Donald Trump und der AfD, Meldungen über gewalttätige Flüchtlinge, über lügende Journalisten. Das sind Verkaufsschlager, die generieren Klicks. Das bedeutet: Der Extremismus der Rechten ist für Medienhäuser ein wirtschaftlicher Erfolg.“ Dieses Verhalten aber spiele genau denen in die Hände, die die Glaubwürdigkeit von Medien untergraben wollten. Auch führe die Fülle von Informationen und der Umstand, das selbst regionale und lokale Ereignisse heute überregionale Verbreitung fänden, so aus dem Bereich der Kriminalität, zu einer Verzerrung der Wirklichkeit. Vor diesem Hintergrund, so Reschkes Appell, sei es nicht nur nötig, die Medienkompetenz in Schulen zu stärken, „ich glaube ganz ehrlich: Wir alle müssten unsere Medienkompetenz stärken!“

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