Jazzfrühschoppen: Sieben Jungs boten Jazz vom Feinsten

Jazzfrühschoppen : Sieben Jungs boten Jazz vom Feinsten

Die Musiker der New Orleans Jazzband of Cologne ließen sich vom Dauerregen auf dem historischen Marktplatz nicht beeindrucken.

Wer ein echter Jazz-Musiker ist, der lässt sich von wenig beeindrucken, schon gar nicht vom schlechten Wetter. Und so wurde am vergangenen Samstagmorgen schnell klar: Die Jungs der New Orleans Jazzband of Cologne sind wahrlich echte Jazzer, der zeitweise Dauerregen beim Jazzfrühschoppen auf dem historischen Marktplatz ließ die Musiker völlig kalt – stattdessen gab‘s wärmenden Südstaaten-Jazz in bester Tradition. Mindestens genauso spannend und original wie das Konzert selbst waren auch die Musiker. Gut aufgelegt und zu mehr als einem coolen Spruch bereit erzählten Bruno van Acoleyen (Trompete), John Defferary (Klarinette), Bart Brouwer (Posaune), Hans-Martin „Büli“ Schöning (Gitarre/Banjo), Georg „Schroeder“ Derks (Piano), Markus „Benny“ Daniels (Bass) und Reinhard Küpper (Schlagzeug) aus dem Leben einer Jazzband, die viele noch unter ihrem Namen „Maryland Jazzband of Cologne“ kennen dürften.

„Nach dem Tod des ursprünglichen Bandleaders Gerhard ‚Doggy‘ Hund haben wir einen neuen Namen für die Band kreiert, das war der Wunsch von Gerhard Hund. Wir wollten aber auf jeden Fall die Begriffe ‚Jazzband‘ und ‚of Cologne‘ beibehalten. Wir haben dann einfach den Begriff ‚Maryland‘ gegen ‚New Orleans‘ ausgetauscht“, erzählt der „rhythmische Organisator“ Reinhard Küppers vor Beginn des Jazzfrühschoppens. „Wir treffen so mit dem neuen Bandnamen noch einmal ganz genau unsere musikalische Richtung.“ Und die stehe für den alten, traditionellen New-Orleans-Jazz, „das ist unsere musikalische Marke“. Auf die Frage, ob dieser traditionelle Jazz noch in die heutige Zeit passe, war Küppers Antwort klar: „Für uns schon. Aber es gibt natürlich nicht mehr so viele Anhänger dieser Musik, wie wir uns das wünschen würden.“ Das bedeute, dass man heute Idealist und Liebhaber dieser Musik sein müsse, „Leidenschaft. Bei uns ist das auch geprägt durch die vielen Reisen, die wir auch nach New Orleans gemacht haben, insgesamt waren wir elf oder zwölf mal dort, haben dort an authentischen Orten Konzerte gegeben, so zum Beispiel in der Preservation Hall.“

Seit 1994 sei man auch Ehrenbürger der Stadt im Süden der Vereinigten Staaten, „das ist schon eine ganz besondere Würdigung unserer musikalischen Leidenschaft“. Bei so viel Erfolg und Wahrnehmung in Vergangenheit und Gegenwart musste man natürlich auch fragen, wie es mit der Zukunft des Jazz allgemein aussieht. Hier fand Basser Markus „Benny“ Daniels klare Worte: „Das Schlimme ist, dass Jazz an den Schulen in Deutschland wenig gefördert wird.“ Dabei gab es, wie Daniels zugestand, im Jazz immer wieder ein Auf und Ab. Doch mit der Zeit habe sich der Jazz immer weiter in unterschiedliche Untergenres aufgespaltet. „Natürlich ist es gut, wenn sich eine Musik weiterentwickelt. Das Dumme ist nur, dass sich zum einen das Publikum an sich verändert, zum anderen der Anteil am Kuchen, der jeweilige Anteil am Gesamtpublikum, für jede einzelne Musikrichtung im Jazz immer kleiner wird.“

Dieser Entwicklung setzt die New Orleans Jazzband of Cologne aber etwas entgegen, was an Lebendigkeit und Spielfreude nur schwer zu toppen ist, so auch am vergangenen Samstag.

Abseits von hoch-akademischem Jazz mit wilden Kompositions-Kapriolen lieferten die sieben Musiker den guten alten Sound der Südstaaten-Metropole mit einer Leidenschaft und einem Spielgefühl, die so vielen kopfgesteuerten Neu-Jazz-Formationen schlicht fehle.

Sowohl als kompletter Klangkörper als auch in den Solopassagen waren es im besten Sinne „good old times“, die da auf dem Marktplatz Einzug hielten – und die einen fast vergessen ließen, dass man nicht im quirligen French Quarter, sondern auf dem verregneten Homburger Marktplatz saß.