„Schwere Kost“ perfekt serviert

„Schwere Kost“ perfekt serviert

Besonders Brahms habe die Musiker vor große Herausforderungen gestellt, meinte Dirigent Jonathan Kaell. Die wurden mit Bravour gemeistert: Das Konzert des Homburger Sinfonieorchesters war ein voller Erfolg.

Besser hätte Jonathan Kaells Urteil über die Leistung seines Homburger Sinfonieorchesters aus Sicht des Dirigenten kaum ausfallen können: "Ich denke, wir haben am Sonntagabend wirklich ein Statement abgegeben, dass dieses Orchester dem großen sinfonischen Repertoire gewachsen ist." Doch nicht nur das begeisterte den Dirigenten einen Tag nach dem großen Abend im Homburger Saalbau. "Nach dem Konzert wurde mir im lockeren Gespräch mit den Musikern noch einmal klar, wie viel Zeit und Herzblut in die Vorbereitung geflossen sind. Insofern gilt: ,Auftrag erfüllt'! Und jetzt geht es darum, diese Qualität zu halten und die Leute trotzdem nicht zu überfordern."

Kaell wählte das Wort "überfordern" nicht grundlos, hatte er sich für den Sonntag durchaus "schwere Kost" ausgesucht: Mussorgskys "Eine Nacht auf dem kahlen Berge" in der Bearbeitung von Rimsky-Korsakov, Mozarts Klavierkonzert A-Dur mit Thomas Duis am Flügel und Brahms Sinfonie Nr. 4 in e-moll. Doch so sehr Kaell auch wusste, dass dies alles andere als ein leichtes Programm für sein Orchester war, so tiefenentspannt zeigte er sich vor dem ersten Ton. Nervös und angespannt? "Nö", war da Kaells augenzwinkernde Reaktion im Garderoben-Gespräch, während aus den anderen Zimmern hinter der großen Bühne immer wieder Instrumente auf dem Weg zum richtigen Ton erklangen. Dabei hätte Kaell durchaus ein bisschen aufgeregt sein können - immerhin schilderte er die Probenwochen für den sinfonischen Dreiklang des Sonntags als durchaus fordernd für seine Musiker . "Es war für das Orchester schon sehr schwer. Im vergangenen Herbst hatte ich mit Rimsky-Korsakov 'Scheherazade' die Latte schon richtig hoch gelegt. Und das Programm heute ist meiner Meinung nach nochmal eine Nummer schwerer."

Gerade Brahms habe dabei die Musikerinnen und Musiker vor unerwartete Herausforderungen gestellt, Kaell: "Wir dachten, dass wir Brahms kennen, weil wir ihn auch schon vor eineinhalb Jahren gespielt haben. Und das lief gut. Wir waren also der Meinung, dass wir die Art seiner Komposition und seiner Orchestrierung kennen. Pustekuchen! Dieses Werk ist unglaublich dicht und komplex." Und es brachte, wie Kaell schilderte, gerade für Instrumenten-Gruppen wie Bratsche, oft nicht dominant, die Herausforderung mit sich, auf einmal klar und deutlich abgegrenzt hörbar zu sein. "Und Fagotte haben es bei Brahms immer schwer. Gerade diese Gruppen mussten richtig ran und haben das auch gut gemacht." Und: Bei aller Mühe habe er die Rückmeldung aus dem Orchester erhalten, dass die Herausforderung wirklich Spaß gemacht habe.

Spaß hatten dann auch die Gäste im Saalbau am Sonntagabend. Dabei mit Sicherheit ein Publikumshöhepunkt: Das Gastspiel von Thomas Duis - im Saarland als früherer Rektor der Hochschule für Musik wahrlich kein Unbekannter. Ihn ehrten die begeisterten Zuhörer mit lautstarkem Applaus und trampelnden Füßen. Duis revanchierte sich mit einer feinen Zugabe als Entrée zur Pause und zu Brahms Sinfonie als zweitem Teil des Abends.

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