Schwärmerische, meisterliche Klänge

Schwärmerische, meisterliche Klänge

Homburg. Faszinierende Bilderwelten von Hermann Theophil Juncker im Erdgeschoss, mitreißende Kammermusik des Vogler-Quartetts im großen Saal oben: Der ehrwürdige Homburger Saalbau machte seinem Namen Kulturzentrum am Montagabend alle Ehre. Derweil sich Dr

Homburg. Faszinierende Bilderwelten von Hermann Theophil Juncker im Erdgeschoss, mitreißende Kammermusik des Vogler-Quartetts im großen Saal oben: Der ehrwürdige Homburger Saalbau machte seinem Namen Kulturzentrum am Montagabend alle Ehre. Derweil sich Dr. Jürgen Ecker und Professor Bernhard Kramann als Laudatoren um Zugänge in das Werk Junckers bemühten, stimmten sich ein Stockwerk höher die Herren des Quartetts mit der vertrackten Rhythmik aus Schumanns Finalsatz aus dem A-Dur-Quartett ein. Bruchstückhaftes, Fragmentarisches unten und oben; von Wrackteilen, verletzten Planeten war die Rede, überlagert von unfertigen Musikfetzen. Aber alles fügte sich zu einem gültigen Ganzen, die Malerei in "Rouge et noir" und die Klangwelten von Haydn und Schumann. Tim Vogler (Primarius), Frank Reinecke (zweite Geige), Stefan Fehland (Viola) und Stephan Forck (Cello) begannen ihr Eröffnungskonzert zu den 14. Homburger Kammermusiktagen mit dem Streichquartett C-Dur aus opus 74 von Joseph Haydn. Der hatte das Werk 1794 in den berühmten Salomon-Konzerten in London vor großem Publikum erprobt. Zahlreiche Zuhörer waren am Montag auch im Saalbau zugegen und sie bewunderten mit großem Applaus den konzertanten Schwung des Primgeigers im Kopfsatz, die grazile Ausführung des Andantinos, den beherzten Schwung des Menuetts mit seinem merkwürdig verhaltenen Trio, zuletzt den atemlos dahin flirrenden Finalsatz, wo sich fugierte Polyphonie und tänzerischer Schwung über dudelsackartigen Bordunbässen in ausgelassener Musizierfreude vereinigten. Nach den Dank- und Grußadressen an die unentbehrlichen Sponsoren, Förderer und Mitglieder der Kammermusikfreunde Saar-Pfalz überraschte das Vogler-Quartett einmal mehr mit einer meisterlichen Interpretation des A-Dur-Quartetts opus 41/3 von Robert Schumann. Der schwärmerische Tonfall sollte den befreundeten Widmungsträger Mendelssohn überzeugen, gerichtet war er jedoch an Schumanns junge Gattin Clara. Sie stand den Quartetten ihres Mannes zunächst skeptisch gegenüber. Doch dann vertraute sie ihrem Tagebuch an: "...dass sie mich entzücken bis ins Kleinste. Da ist alles neu, klar, fein durchgearbeitet und immer quartettmäßig!" Das liest sich, als hätte sie das Vogler-Quartett im Eröffnungskonzert miterlebt: Sein "fein durchgearbeitetes" Einfädeln über die Doppeldominante mit dem allgegenwärtigen Quintfall, seine feine Charakterisierung der Variationen im zweiten Satz "bis ins Kleinste", sein choralartig angelegtes Adagio molto mit dem Zug ins Unerbittliche im Mittelteil, nicht zuletzt seine rhythmische Prägnanz im Rondothema des Finalsatzes, der sich vorher bereits mit den Juncker-Bildern unterhielt.

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