Reduse-Projekt: Schüler denken kritisch über ihr Konsumverhalten nach

Reduse-Projekt : Schüler denken kritisch über ihr Konsumverhalten nach

Muss es immer das neueste Smartphone sein? Woher stammen eigentlich die ganzen preisgünstigen Kleider? Und unter welchen Umständen werden sie hergestellt? Weshalb sollte man Recycling-Papier verwenden? Solchen Fragen wurde am Montag an der Robert-Bosch-Gemeinschaftsschule auf den Grund gegangen. Gekommen war Holger Krohn vom Verein „Die Multivision“, der sich in der Jugend- und Erwachsenenbildung engagiert und das Projekt „Reduse“ durchführt.

In dem Kunstwort stecken sowohl das englische Wort für reduzieren (reduce) als auch jenes für wiederverwenden (reuse). Darum ging es auch im Großen und Ganzen bei dem Vortrag, im Film und auf den Info-Stellwänden: Wie können wir Bewohner der Industrienationen unseren Konsum verringern und welche Wertstoffe können wir recyceln? Die einzelnen Jahrgangsstufen wurden nacheinander in die Cafeteria der Schule bestellt, wo sie durch einen halbstündigen Film mit anschließendem Vortrag informiert wurden.

„Wenn jeder auf der Welt so konsumieren würde wie wir, müsste es unseren Planeten dreimal geben“, lautete eine der Botschaften der Dokumentation. Nebenbei wies sie noch auf den miserablen Umweltschutz und die schlechten Arbeitsbedingungen in armen Ländern hin. Ziel der Info-Veranstaltung sei es, so Holger Krohn, bei den Schülern mehr Bewusstsein fürs eigene Konsumverhalten zu schaffen. Er selbst zeigte, was er in dieser Hinsicht tut. Sein Smartphone stamme von einem holländischen Hersteller, der es aus fair gehandelten Materialien zusammengebaut habe. Die Komponenten seien auch von Laien problemlos einzeln auszutauschen. Den Schülern erzählte er, wie er das Handy einst im Regen vergessen hatte und nur eine Komponente ersetzen musste, um es weiter verwenden zu können. Auch zeigte Krohn eine aus Kaffeesatz und Holz hergestellte Espressotasse – das sei doch auch eine Alternative zu den vielfach verwendeten Plastikbechern. „Wer glaubt, dass das nicht so weitergehen kann, dass wir etwas verändern müssen?“, fragte er die Schüler. Da meldeten sich fast alle.

Auf die anschließende Frage „Wer von denen, die die Finger oben haben, hat eine eigene Idee, was er in seinem Leben ändern kann?“ fiel aber keinem auf Anhieb etwas ein. Das sei aber überall so, meinte Krohn. Die stellvertretende Schulleiterin Anne Preisinger sagte: „Wir wollen bei den Kindern ein Bewusstsein schaffen. Da gab es auch gleich Impulse bei den Siebtklässlern: Die wollen eine Tauschbörse für Kleider durchführen.“ Die Neunt- und Zehntklässler blieben da zurückhaltender. Der 14-jährige Loris meinte: „Es war am Ende dann doch ganz interessant. Dass sich etwas ändern muss, ist ja klar. Aber jetzt wird es einem genauer bewusst, man hat auch einige Tipps bekommen, wie man was ändert.“ Dass sich einige Schüler während des Filmes über manche Aussagen lustig gemacht hatten, fand Anna aus der neunten Klasse doof: Sie selbst hat sich für die Zukunft vorgenommen, vielleicht nicht mehr so oft auf Einkaufstour zu gehen. Der 15-jährige Can fand die Veranstaltung interessant, „obwohl es auch einige langweilig fanden“. Für ihn war es „besser als Unterricht“, man habe trotzdem etwas gelernt und Holger Krohn habe auch gut erklärt. Aber viel ändern werde er bei seinem Konsumverhalten nicht, auch wenn er zugab: „Es wäre wahrscheinlich schon besser.“