Schnuppertag für junge Leute

Das Michelin-Werk in Homburg feierte eine Premiere: Die Lehrwerkstatt des Betriebs stand interessierten Besuchern offen. Ziel war es, mit potenziellen Bewerbern in Kontakt zu treten und zu zeigen, was eine Ausbildung bei Michelin ausmacht.

Am vergangenen Samstag feierte das Homburger Michelin-Werk eine Premiere: Zum ersten Mal, seit man mit dem Tüv Nord eine Ausbildungskooperation eingegangen ist, öffnete die Lehrwerkstatt des Werkes für einen Informationstag ihre Pforten. Neben Lehrlingen des Unternehmens standen auch Michael Metzen, Ausbildungsleiter von Michelin in Homburg , und Corinna Mörsdorf vom Tüv Nord den interessierten Gästen Rede und Antwort. Doch wie kam es überhaupt zu dieser Premiere? Metzen: "Wir möchten auf diesem Weg potenzielle Bewerber direkt ansprechen, vor Ort mit ihnen in Kontakt zu treten und ihnen an praktischen Beispielen zeigen, was eine Ausbildung bei Michelin ausmacht." Konkret biete man in Homburg die Ausbildungsfelder Maschinen- und Anlagenführer, Betriebstechnik/Industriemechanik, Elektronik, Zerspanungstechnik und auch kaufmännische Ausbildung an. In der Wissensvermittlung kooperiere man mit dem Tüv Nord als Partner in der Verbundausbildung. "In den ersten zwei Jahren gibt es eine kombinierte theoretisch-praktische Ausbildung hier in der Lehrwerkstatt, danach geht es für ein Jahr für die Auszubildenden ins eigentliche Werk."

Was sollte nun ein junger Mensch mitbringen, wenn er erfolgreich bei Michelin eine Ausbildung absolvieren will? "Ganz wichtig ist hier das Teamverhalten, man muss miteinander umgehen können." Rein schulisch reiche, erläuterte Metzen, formal der Hauptschulabschluss, tatsächlich drängten aber viele Bewerber mit Mittlerer Reife und Abitur ins Berufsfeld der Facharbeiter.

Partner von Michelin ist seit 2013 der Tüv Nord. Eigentlich am Stammsitz in Völklingen-Fenne zu Hause, ist man bei Michelin Gast im "fremden Haus". Mörsdorf: "Für uns ist es die Situation, dass wir direkt bei einem Kunden ausbilden." Dabei sei es durchaus angenehm, dass es sich bei Michelin um einen französischen Konzern handele, da man, so Mörsdorf, seit Jahren auch für Unternehmen in Frankreich, sprich aus dem Elsass und Lothringen, ausbilde, "wir haben Frankreich-Kompetenz". Die könne man auch direkt in Homburg zur Geltung bringen, gebe es doch aktuell auch drei Lehrlinge aus dem Nachbarland, die hier ihre Ausbildung absolvierten. Dass es "nur" drei seien, sei auch den nicht ganz einfachen Rahmenbedingungen einer grenzüberschreitenden Ausbildung geschuldet, verdeutlichten Metzen und Mörsdorf. Vor allem die Sprache stelle ein Hindernis dar, aber auch der Umstand, dass eine gewerbliche Ausbildung in dualer Form in Frankreich so nicht flächendeckend bekannt sei - und im Gegensatz zum Studium eine solche Ausbildung auch eine geringe gesellschaftliche Akzeptanz habe. Für eine Ausbildung in Deutschland hat sich Charles Brastenhofer entschieden, er kann auf seinem Weg sowohl einen deutschen als als auch einen französischen Abschluss erwerben - für den jungen Franzosen eine tolle Sache: "Am Anfang war es schwierig mit der Sprache. Aber es ist mein Ziel, beide Abschlüsse zu absolvieren." Und wo möchte Charles dann am liebsten arbeiten? "Wenn es geht, dann hier in Deutschland."

Zum Thema:

Auf einen Blick Das Homburger Michelin-Werk ist derzeit der einzige Industriebetrieb im Saarland, der in der beschriebenen Form jungen Franzosen die Möglichkeit einer grenzüberschreitenden Ausbildung ermöglicht. Partner der gesamten Ausbildung aller 45 Lehrlinge ist Tüv Nord als Kooperationspartner in der Verbundausbildung. thw