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Alles abgesagt: Schluss, Aus, keine Klassenfahrten mehr

Kostenpflichtiger Inhalt: Alles abgesagt : Schluss, Aus, keine Klassenfahrten mehr

Die Schüler machten lange Gesichter, aber die Gesundheit geht vor. Die Situation um Corona hat sich so sehr zugespitzt, dass alle Klassenfahrten abgesagt wurden.

Vor zwei Wochen sah alles noch ganz anders aus. Da hatten sich Familien aus Homburg schon auf junge Leute aus Georgien gefreut, denn der alljährliche Besuch der Partnerschule aus Tbilissi am Saarpfalz-Gymnasium stand an. Außerdem hatten sich die Zehnerklassen auf eine Fahrt nach Barcelona vorbereitet, die in einer Woche stattfinden sollte. Doch daraus wird nichts.

Selbstverständlich auch nichts aus der traditionellen Rom-Fahrt des Gymnasiums Johanneum, noch aus der Frankreich-Fahrt des Homburger Mannlich-Gymnasiums. „Die Eltern haben gestern Abend entschieden, dass die geplanten Klassenfahrten nicht stattfinden sollen“, betont der Schulleiter des Saarpfalz-Gymnasiums, Jürgen Mathieu, „es ist ein zu großes Risiko“.

Natürlich wurde auch erwogen, dass man mit der Buchung und der Bezahlung schon in Vorleistung getreten war und womöglich Regressforderungen drohen, „aber als wir hörten, dass sich das saarländische Bildungsministerium großzügig zeigen wird, was die Erstattung der Reisekosten für Klassenfahrten angeht, waren wir zusätzlich erleichtert.“ Natürlich gab es lange Gesichter, vor allem bei den Zehnerklassen, die schon auf gepackten Koffern saßen und sich auf eine Fahrt nach Barcelona gefreut hatten. „Aber angesichts der derzeit sprunghaft ansteigenden Fallzahlen in Spanien und der rasanten Ausbreitung der Krankheit, habe ich sofort vorgeschlagen, dass wir hier zurücktreten müssen“, so Mathieu. Auch bei den Georgiern war die Enttäuschung groß, denn der Austausch mit der Partnerschule in Tbilissi hat eine über zehnjährige Tradition und gehört für die jungen Leute zum Höhepunkt des Schuljahres. „Aber es hat keinen Sinn. Es wäre unverantwortlich, ein Besuchsprogramm mit den georgischen Gästen zu machen, bei dem sie sich womöglich anstecken und dann noch die Krankheit nach Hause schleppen“, so Mathieu, „zumal das nahe Frankreich jetzt auch noch Risikogebiet ist.“

Ansonsten steht noch eine Fahrt der Fünferklassen nach Tholey an, „da sind wir jetzt noch am Überlegen, aber wenn sich die Situation im Saarland mit Schulschließungen weiter zuspitzen sollte, sehen wir davon auch ab“, so Mathieu, „obwohl es eigentlich nur ein Katzensprung entfernt ist, ist es in der derzeitigen Situation trotzdem ein Risiko.“ Er tendiere wohl eher zu einer Absage.

Am Mannlich-Gymnasium ist die Sache klar: „Wir haben eine Partnerschule in St. Martin en Bresse in Burgund. Den Franzosen wurde schon vor zwei Wochen verboten, auf Klassenfahrt zu gehen, und uns machte man auch klar, dass ein Besuch wegen des Virus’ nicht erwünscht sei“, erklärt Schulleiter Wolfram Peters. Nun hätten sich die Ereignisse überschlagen mit der sich rasant ausbreitenden Krankheit, so dass für Frankreich inzwischen ein generelles Verbot gelte für jede Art von Austausch im schulischen Bereich. „Da haben es die Franzosen einfach. Es gibt einen Erlass von ganz oben, der fürs ganze Land gilt. Und da gibt es keine Diskussion“, so Peters. Was ihm mehr Sorge bereite als die Absage der Klassenfahrt, seien drohende Schulschließungen, „das wirkt sich fatal auf die Abi-Vorbereitungen aus“. Immerhin winkt auch hier ein Trost: Wegen der Ausbreitung des Coronavirus’ wollen sich die Kultusminister der Bundesländer auf eine bundesweite Notfallstrategie für die Abiturprüfungen verständigen, sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Stefanie Hubig. Gleiche Überlegungen müssten für die Prüfungen an beruflichen Schulen, für die Fristen zur Zulassung zum Studium sowie für anstehende Staatsexamina und zentrale Prüfungen an den Universitäten angestellt werden, hatte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin ebenfalls betont.

Am Gymnasium Johanneum wird man darüber erleichtert sein, denn Schulleiter Oliver Schales hatte auch befürchtet, mit den Abitur-Zeitplänen womöglich in Schwierigkeiten zu kommen. Die traditionelle Fahrt nach Rom ist längst abgesagt, zunächst waren die Eltern befragt worden, aber die italienische Regierung hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Maßnahmen getroffen, die einen Rom-Besuch ohnehin unmöglich gemacht hätten. Außerdem wäre man noch nicht einmal hingekommen: „Der Hinflug wurde von der Fluggesellschaft storniert, öffentliche Einrichtungen, deren Besuch geplant war, wurden in Rom geschlossen“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung der Schule.

Auch die geplanten Fahrten der EU-Klasse in die Normandie, nach Münster und nach München sind abgesagt worden. Denn sie finden traditionell zusammen mit französischen Schülern aus der Partnerschule statt, „aber die in Frankreich zuständigen Stellen haben die Teilnahme französischer Schüler untersagt. Damit ist der didaktisch-pädagogische Sinn der Fahrten nicht zu erfüllen“, so Schales weiter. Auch hier griff also das zentralistische französische Schulsystem – auch zu einer gewissen Erleichterung der deutschen Seite, denn die Zuspitzung der Situation zeigte sich prompt am Mittwoch, als die angrenzenden Gebiete Elsass und Lothringen (Grand Est) zum Risikogebiet erklärt wurden.

Wie großzügig ist das saarländische Bildungsministerium wirklich?

Werden Klassenfahrten, Studienfahrten und Schüleraustausche abgesagt, werden die vom Vertragspartner (zum Beispiel Reiseveranstalter, Transportunternehmen) eventuell in Rechnung gestellten Stornierungskosten, sofern diese nachgewiesen sind, vom Saarland auf Antrag erstattet, soweit die Buchung vor dem 1. März 2020 erfolgt war, heißt es in der Mitteilung. Dies beziehe sich auf Fahrten in Risikogebiete (also derzeit Grand Est und Italien) als auch auf Fahrten in Nicht-Risikogebiete, wobei dies im Einzelfall mit dem Ministerium zu klären sei. „Diese Regelung ist zunächst auf Fahrten und Austausche bis zum Ende des laufenden Schuljahres beschränkt“, heißt es weiter. Da komme wohl noch einiges auf das Saarland zu, vermutet Schulleiter Jürgen Mathieu: „finanziell und organisatorisch“.