Schlaflos rund um den Hauptbahnhof

Schlaflos rund um den Hauptbahnhof

Homburg. "Kennen Sie diese Bohrgeräusche beim Zahnarzt?" So und noch viel unangenehmer klingen die Töne, die derzeit vom Homburger Hauptbahnhof hinüber zu den Anwohnern der nahe gelegenen Straßen schallen. Einer von ihnen ist Richard Legrum aus der Straße Am Wasserturm

Schon von Weitem sichtbar werden am Homburger Hauptbahnhof die Bahnsteigdächer erneuert. Das ist mit viel Lärm verbunden - eine Belastung für die Anwohner. Foto: Thorsten Wolf.

Homburg. "Kennen Sie diese Bohrgeräusche beim Zahnarzt?" So und noch viel unangenehmer klingen die Töne, die derzeit vom Homburger Hauptbahnhof hinüber zu den Anwohnern der nahe gelegenen Straßen schallen. Einer von ihnen ist Richard Legrum aus der Straße Am Wasserturm. Und er ist genervt von dem, was derzeit praktisch rund um die Uhr zu hören ist: das Dröhnen, Rattern, Hämmern und eben das Geräusch, das an den Zahnarzt erinnert, das hier aber von einem Sandstrahler verursacht wird. Genauso wie seine Nachbarn, mit denen er gesprochen habe: "Der Unmut ist groß." Grund für die Dauerbeschallung sind Sanierungsarbeiten der Deutschen Bahn am Homburger Hauptbahnhof. Weil hier Geld aus dem Konjunkturprogramm fließt, wird seit vergangenem Jahr das Empfangsgebäude energetisch saniert. Zudem werden die Wartezonen auf den Bahnsteigen zwei und drei, die Bahnsteigdächer und die -beleuchtung erneuert (wir berichteten). Im Dezember soll alles fertig sein. Derzeit sind die Bahnsteigdächer dran, und diese müssen Stück für Stück abgetragen werden. Dies bedeutet, dass hier gefräst, abgeschlagen, geflext und mit dem Sandstrahler gearbeitet wird, teilte die Pressestelle der Deutschen Bahn in Frankfurt auf Anfrage unserer Zeitung mit. Vor etwa einem Monat hätten diese lauten Rund-um-die-Arbeiten begonnen, und sie sollen auch noch vier Wochen dauern, hieß es weiter. Tagsüber sei das Ganze nicht so problematisch, doch nachts könnten viele nicht schlafen, sagt Anwohner Legrum. "Unser Ziel ist es zu erreichen, dass die Arbeiten gesteuert werden - und zwar so, dass nachts zumindest die weniger lärmintensiven laufen", unterstreicht er. Dies wird wohl nicht möglich sein. Denn immer dann, wenn auf dem Dach oder der Kante an einem Gleis gewerkelt wird, dürfen hier keine Züge fahren, oder sie können es erst gar nicht, weil die Oberleitung stromlos geschaltet werden muss, erläutert die Bahn. In dieser Zeit müssten die Züge auf andere Gleise umgeleitet werden. Dies sei tagsüber aber nur bedingt möglich, da es einfach zu viele seien. Deswegen wird es wohl die nächsten vier Wochen laut bleiben, allerdings nicht ständig, denn es gebe dazwischen Phasen mit leiseren Arbeiten, so die Bahn. Auch bei der Stadt haben sich bereits Betroffene gemeldet, bestätigt der Beigeordnete Rüdiger Schneidewind. "Wir sind hier allerdings nicht zuständig und haben keine Möglichkeiten, in den Ablauf einzugreifen", betont er. Die zuständige Behörde sei das Eisenbahnbundesamt. Einerseits begrüße er natürlich, dass der Bahnhof saniert wird, andererseits könne er die Menschen verstehen. Die ärgern sich nicht nur über den Lärm, sondern auch darüber, dass sie vorher nicht informiert wurden. Es sei eben belastend, "wenn Sie nicht wissen, wie lange das dauert", sagt Legrum. Die Bahn hingegen hatte eine besondere Aufklärung der Anwohner nicht für nötig gehalten. Immerhin sei ein ziemlicher Abstand zu den nächstgelegenen Häusern. Zudem sei ja bekannt gewesen, dass der Hauptbahnhof umgebaut wird, hieß es. Legrum unterstreicht hingegen: "Mit einer anderen Informationspolitik hätte man sich vieles ersparen können."

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