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Schaum auf Erbach: Homburger Grüne wenden sich an Umweltminister Reinhold Jost

Umweltproblem : Der Schaum erreicht die Landespolitik

Wegen des verschmutzten Erbachs wenden sich die Homburger Grünen jetzt an Umweltminister Jost. Die Stadt will in Kürze den Auslöser benennen. Heute trifft man sich mit Landesuntersuchungsamt und EVS.

Der schäumende Erbach bleibt ein ungelöstes Rätsel. „Wir sind weiter an der Thematik dran und haben in Abstimmung mit dem Entsorgungsverband Saar weitere Untersuchungen und Wasserproben vorgenommen. Insofern verfügen wir derzeit über weitere Erkenntnisse als noch zur Zeit der Stadtratssitzung“, schildert Stadtpressesprecher Jürgen Kruthoff auf Nachfrage. Bei besagter Sitzung am 21. Februar erklärten Vertreter des Anlagenbetreibers EVS zwar, dass der Schaum weder von der Anlage komme, noch dass der Erbach giftig sei – weder vor noch nach der Kläranlage. Doch was der Auslöser ist, wusste man nicht. Man vermute den Verursacher im Bereich gewerblicher Unternehmen.

Wie  Kruthoff jetzt schildert, benötige man „weiterhin etwas Zeit, um auf Basis der Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, nicht nur einen begründeten Verdacht gegenüber einem oder mehreren potenziellen Verursachern zu äußern, sondern diese möglichen Vorwürfe auch konkret belegen zu können“. In Kürze werde man „in der Lage sein, konkreter zum Sachverhalt Stellung zu nehmen“, so der Pressesprecher.

Den Grünen, die seit Jahresbeginn immer wieder auf Aufklärung gepocht haben, geht das alles zu langsam.  Weil sie einen „dringenden Handlungsbedarf“ sehen, haben sie am 7. März  Umweltminister Reinhold Jost (SPD) in einem offenen Brief um Hilfe ersucht.  Grünen-Stadtratsmitglied Carola Piazolo schreibt: „Zwei Dinge wissen wir inzwischen: Erstens werden seit Januar 2019 Tenside in weit über den haushaltsüblichen Mengen in den Erbach eingeleitet, und zweitens wird laut EVS der Erbach nicht akut toxisch verschmutzt.“ Eine chronische Verschmutzung indes könne nicht ausgeschlossen werden. „Somit besteht die Gefahr, dass der Erbach über längere Zeit kontinuierlich mit Giften verschmutzt wird, die nicht in ein fließendes Gewässer gehören“, so Piazolo. „Es sind bis heute weder die oder der Verursacher bekannt, noch wurden wirksame Gegenmaßnahmen unternommen.“

In dem Schreiben geht Piazolo auch auf die Aussage der Stadt ein, es gebe so viele Einleiter, und das Kanalsystem des Erbachs sei so verzweigt, dass die Ursachensuche schwierig verlaufe. „Das ist für uns unverständlich.“ Auch moniert sie, dass „weder dem Stadtrat noch der Öffentlichkeit bis heute detaillierte Daten zur Verschmutzung vorgelegt wurden“. Die Grünen erhoffen sich von Jost eine „Beschleunigung der Untersuchung“ und wollen etwa von ihm wissen, ob das Landesumweltamt (Lua) inzwischen die Störungen im Erbach analysiert hat, biologische Untersuchungen etwa hinsichtlich der Fische durchgeführt wurden. Auch für die allgemeine Wasserqualität, den Gehalt etwa antibiotikaresistenter Bakterien und anderer Gift- und Fremdstoffe interessieren sich die Grünen. Und sie wollen wissen, viele Hersteller beziehungsweise Abfüller es im Einzugsgebiet der Kläranlage gibt, bei denen Schaumstabilisatoren zum Einsatz kommen.

Umweltminister Jost habe die Mail der Grünen am vergangenen Donnerstag erhalten, sei aber schon dort auf einer noch andauernden Dienstreise gewesen, erklärt seine Sprecherin Sabine Schorr am Montag. Das Lua habe aber ungeachtet der Mail schon einiges getan. So habe man am 24. Januar am Auslauf der Kläranlange mehrere Tests durchgeführt, etwa bezüglich Fischeiern und Leuchtbakterien – keine akute Toxizität sei festgestellt worden. Der EVS habe auf Nachfrage dort auch Proben gezogen und keine Überschreitung der Ablaufwerte registriert, dafür hohe Tensidwerte als Schaumursache ermittelt. Die Stadt Homburg habe ihre Kanäle begangen, um den ordnungsgemäßen Betrieb ihres Kanalnetzes sicherzustellen. Dabei habe man Auffälligkeiten festgestellt und am 29. Januar weitere Proben gezogen, um den Verursacher weiter einzugrenzen. Am Mittwoch, 13. März, 13.30 Uhr, soll es einen gemeinsamen Besprechungstermin zwischen EVS, Stadt und Lua bei der Stadt geben, bei dem die aktuellen Ergebnisse und Erkenntnisse auf den Tisch kommen und das weiteren Vorgehen geklärt wird.

Aufklärung über den schäumenden Erbach erhoffen sich die Grünen von Umweltminister Jost. Foto: Ministerium/ Bauer/S. Bauer

Letztmalig habe das Lua am Freitag Proben im Bereich des Ablaufs der KA (unter- und oberhalb des Ablaufs) gezogen, die sowohl biologisch als auch chemisch untersucht werden. Von einer Toxizität ist bisher nicht auszugehen, teils Schorr weiter mit. Bei einer Überprüfung am Sonntag habe man kaum Schaum im Ablauf gesehen. Allerdings könne Regen ihn verdünnt haben.