Saarpfalz-Jahrbuch: Schatzkästchen für lokale Geschichte

Saarpfalz-Jahrbuch : Schatzkästchen für lokale Geschichte

Auf 200 Seiten stellt der Saarpfalz-Kreis im Jahrbuch 2018 Erstaunliches und Hintergründiges aus der Saarpfalz vor.

Was kommt heraus, wenn man einen Preußen die Laudatio auf ein Saarpfalz-Jahrbuch 2018 halten lässt, das auch im Zeichen von „200 Jahre bayerische Saarpfalz“ steht? Was ziemlich Feines! Genau das bewies der Preuße Willi-Günther Haßdenteufel am Mittwochvormittag bei der Vorstellung eben der neusten Ausgabe des Jahrbuchs in einer Rede, die jede Geschichte und jeden Autor des rund 200 Seiten starken Werkes würdigte. Ohne Zweifel: Haßdenteufel hatte sich auf seinen Auftritt gut vorbereitet und servierte mit kurzen Auszügen und Einblicken in die mehr als 30 Beiträge von 28 Autorinnen und Autoren eine feine Abfolge leckerer Appetithäppchen.

Bevor sich der Leiter der Volkshochschule Homburg dieser Aufgabe verschrieb, war es an Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo aus Sicht des Herausgebers die nunmehr 14. Auflage des Saarpfalz-Jahrbuchs vor zahlreichen Gästen im großen Sitzungssaal des Homburger Forums in einen größeren Kontext zu setzen. So sei das Werk in jedem Jahr ein „Schatzkästlein“, in dem Geschichten erzählt würden, die sonst mit der Zeit drohten, verloren zu gehen. An dieser Stelle dankte Gallo dem zuständigen Team des Fachbereichs Kultur und Heimatpflege des Saarpfalz-Kreises mit Bernhard Becker und Martin Baus an der Spitze, die für die Verwirklichung der Buchreihe verantwortlich zeichneten. Dabei, so Gallo, entstehe etwas Werthaltiges, „weil es einfach ein Buch ist“. Damit stelle man sich ganz bewusst auch gegen den Trend, alles elektronisch anzubieten.

Danach war es an Willi-Günther Haßdenteufel, einen ersten Einblick in genau die Geschichten des Saarpfalz-Kreises zu gewähren, die diesmal den Weg ins Jahrbuch gefunden haben. „Es ist erstaunlich, was die Autoren auf rund 200 Seiten zusammengestellt haben – und somit einen wesentlichen Beitrag zur Regionalgeschichte, zur Geschichte vor Ort, zur Heimatkunde leisten. Dass ein solch vielfältiges, reich bebildertes, informatives und unterhaltsames Lesebuch erscheinen kann, das bedarf vieler Antriebsmotoren.“

So lobte auch Haßdenteufel das Redaktionsteam des Saarpfalz-Kreises, die Autoren und die Fotografen. Durch deren Arbeit erfahre der Leser des Buches „Wesentliches aus der pfalz-bayerischen Vergangenheit des Saarpfalz-Kreises, aus der Zeit der Industrialisierung und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aber auch lokale und regionale Eigenheiten, persönliche Geschichten und Gedichte, Dramatisches, Nachdenkliches kommen nicht zu kurz.“ Haßdenteufels Einschätzung: „Dieses Büchlein müsste eigentlich in Teilen Pflichtlektüre für Geschichtskurse im Saarpfalz-Kreis sein.“ Sprach‘s – und lieferte dann im Anschluss den Beweis, als er aus allen 33 Beiträgen kurz zitierte und das Zitierte mit kleinen Anmerkungen versah.

Wie Redaktionsleiter Martin Baus schon vorab vermutete, könnte unter all den lesenswerten Geschichten nicht zum ersten Mal eine aus der Feder von Doris Grieben für Aufsehen sorgen, denn: In ihrem Beitrag „Die Marienstele für den Naziverbrecher“ lüftet sie „ein Geheimnis“ um die Marienstele im Kirrberger Lambsbachtal. So schildert Grieben, dass die besagte Marienstatue im Jahr 1964 eigentlich als Mahnmal zur Erinnerung an den 1948 als Nazi-Kriegsverbrecher hingerichteten Walter Sonntag, KZ-Arzt unter anderem im Konzentrationslager Ravensbrück, geschaffen worden sei - auf Betreiben des damaligen katholischen Dorfspfarrers Alfons Gebhart. Der, so Grieben in ihrem Beitrag, habe auf diesem Weg in den 1960er Jahren Anna Sonntag helfen wollen, die mit Depressionen unter dem Tod ihres Neffen Walter Sonntag gelitten habe. Der Impuls für die Stele sei aber sowohl von Gebhardt als auch von Anna Sonntag über vier Jahrzehnte im Geheimen gehalten worden. „Die Kirrberger Katholiken hielten also mehr als 40 Jahre ihre Maiandacht in gutem Glauben an einer ‚zu Ehren’ des Naziverbrechers Walter Sonntag errichteten Stele“, schreibt Grieben und greift dabei auf ein Manuskript des früheren Dorfpfarrers Alfons Gebhardt zurück.

Für die Gäste der Vorstellung des neuen Saarpfalz-Jahrbuches gab es viel über die Ausgabe 2018 zu erfahren. Foto: Thorsten Wolf

Doch nicht nur Geheimnisse werden im Saarpfalz-Jahrbuch 2018 gelüftet. Auf den 200 Seiten zeichnen die Autorinnen und Autoren aus unserer Region auch mit viel Liebe zur eigenen Heimat ein vielfarbiges und vielschichtiges Bild der Saarpfalz im Wandel der Zeiten.