1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Rosenmontag in Homburg, Bexbach, Kirkel

Kostenpflichtiger Inhalt: Rosenmontag in Homburg : Die Narren feiern nur in den Kneipen

Vom Treiben an Rosenmontag wie in Nachbarstädten kann in Homburg seit Jahren keine Rede mehr sein. Schon an Weiberfastnacht waren die Straßen wie leer gefegt.

Es gab mal Zeiten, da hat man sich auf den Rosenmontag in Homburg richtig vorbereiten müssen – zumindest wenn man in Diensten von Stadt, Polizei und Rettungsdienst stand. Damals glich die Talstraße einer echten Kampftrinker-Zone, mit all den Auswüchsen, die ein solches Marathon-Besäufnis eben mit sich bringt. Irgendwann wurde es der Stadt dann zu bunt. Der Außenauschank wurde untersagt, der Rosenmontag zog sich damit in die Kneipen zurück, weg von der Straße. Damit verschwanden auch die Großaufgebote von Polizei und Rettungsdienst aus der Innenstadt.

Doch wie es oft so ist, das Pendel schlägt immer von einem Ende zum anderen. Und so wurde aus den Rosenmontags-Chaostag ein Rosenmontag, von dem man mit den Jahren öffentlich so gar nichts mehr mitbekam. Klar: Im „Brauhaus“, in „Silvios Bistro“, später das „Jank’s“, und in einigen anderen Kneipen wurde weiterhin gefeiert, und das auch ausgiebig. Aber es ging immer später los. War es früher an den Tresen schon um 10 Uhr richtig eng, rückte der Feierhöhepunkt immer weiter nach hinten. Und auch die Kneipen-Landschaft hat sich verändert. Das „Janks“ in der Talstraße ist dicht, die Nachfolge-Lokalität konnte sich nicht wirklich lang halten. Damit fehlt den Narren ein über Jahre gewachsener Anziehungspunkt. Geblieben ist das Rosenmontagstreiben im „Brauhaus“ als wahrscheinlich größtes Angebot, zuammen mit ein paar anderen bunten Sprenklern in der City.

Die Stadt selbst wirkte mit den Jahren und so auch gestern wie ausgestorben. Rosenmontag auf den Straßen? Absolute Fehlanzeige. Bis gegen Mittag war das einzig Bunte in der Innenstadt die Farbe der zahlreichen Regenschirme, die durch eine zunehmend leerer werdende City getragen wurden. Bis dahin wirkte Homburg wie an einem schwach besuchten, verkaufsoffenen Sonntag: Kleinere Geschäfte machten gar nicht erst auf, andere spätestens am Mittag zu. Lediglich größere Ketten trotzten dem Rosenmontag.

In den Kneipen hingegegen wurde es gegen Mittag immer voller. Im „Stehschoppen“ an der Talstraße war es schon vorher echt gemütlich voll, davon kündete zumindest ein Blick durch die Scheibe. Auf der anderen Seite der Innenstadt öffnete das Brauhaus hingegen erst um elf Uhr. Eine Dreiviertelstunde später war noch nicht so richtig viel los, aber die Tendenz steigend. Und die Stimmung war gut. „Denn wenn et Trömmelche jeht, dann stonn mer all parat. Un mer trecke durch die Stadt, un jeder hätt jesaat Kölle Alaaf, Alaaf, Kölle Alaaf“ dröhnte es aus den Boxen durchs Saarpfalz-Center. Mitten drin zu diesem Zeitpunkt schon Silke Meyer und ihre Schwägerin Nadine. Die beiden waren aus Mörsbach nach Homburg gekommen. Pfälzer feiern im Saarland? „Wir wohnen nur dort, eigentlich komme ich aus Bliesmengen-Bolchen“, lachte Silke. Ohne Zweifel: In den Kneipen war die Stimmung gut, draußen, auf den Straßen glich die Stadt allerdings eher einer aufgegebenen Goldgräber-Siedlung. Nun gut, letztlich kommt es nur darauf an, dass die Faasebooze, die Spaß haben wollen, in der Stadt genau den Spaß auch finden können. Und mit dem „Brauhaus“, dem „Stehschoppe“, dem „Vinoh“ und dem „Marktgässje“ am Marktplatz und der Faasenachtsparty im „Homburger Hof“ am Rondell gab es zumindest ein namhaftes Quintett der Feiermöglichkeiten.

Nun ist Homburg aber nicht irgendein Ort im Saarland, sondern Kreis- und Universitätsstadt, drittgrößte Stadt im Saarland und zweitgrößter Wirtschaftsstand an der Saar. Und da mag man durchaus die Frage stellen, ob – bei allem Engagement der Gastronomie – am Rosenmontag nicht ein bisschen mehr geboten werden könnte. Vielleicht ein eigener Homburger Rosenmontagsumzug oder eine Art von zentraler Veranstaltung, die dem Tag mehr und angemessenere Kontur geben könnte.

Sicher, die Konkurrenz ist groß, läuft doch in Neunkirchen nicht weit entfernt der große Traditionsumzug. Und in der Vergangenheit wurde als Begründung gegen einen eigenen Umzug in Homburg immer wieder angeführt, dass viele Vereine an diesem Tag schon andernorts gebunden seien. Aber muss man hier gar nicht so groß denken, vielleicht könnten es, wie beim Bexbacher Umzug, auch viele private Gruppen sein, die sich engagieren. Die nahe Zukunft wird es zeigen.

Altstadt machts dem großen Homburg vor, dort steigt am Fastnachtsdienstag wieder der „kleinste größte Umzug der Welt“, wie er in Altstadt genannt wird. Foto: Thorsten Wolf
Viele Geschäfte machten am Rosenmontag gar nicht erst auf oder schlossen frühzeitig. Foto: Thorsten Wolf

Dass so etwas klappen kann, das wird Kirkels kleinster Ortsteil Altstadt auch an diesem Fastnachtsdienstag ab 14.11 Uhr wieder beweisen. Dort ist es am Ende der Wille und das Engagement der Bürger selbst, die dafür sorgen, dass es dort seit vielen Jahren den „größten kleinen Umzug der Welt“ zu sehen gibt.