Römermuseum in Schwarzenacker bot am Wochenende ein vielfältiges Programm

Römermuseum in Schwarzenacker : In die Zeit der Römer hineingehorcht

Von der antiken Hochzeit über Legionäre bis zur Musik aus der Römerzeit: In Schwarzenacker gab es bei den Römertagen viel zu erleben. Allerdings litten diese ziemlich unter dem schlechten Wetter, das sich besonders am Samstag auch auf die Besucherzahlen auswirkte.

Gladiatorenkämpfe? Natürlich! Römisches Handwerk? Selbstverständlich! Legionäre! Was für ein Frage! Die „Römertage“ im Römermuseum in Schwarzenacker boten am vergangenen Wochenende natürlich all das, was die geschichtsträchtige schwarze Erde in diesem Flecken Homburgs so hergibt. Aber: So ganz wie in den vergangenen Jahren war es aber dann eben doch nicht. Evolutionäres trug sich in der gallo-römischen Ausgrabungsstätte zu. Denn: Es waren in diesem Jahr „Römertage“ und nicht die gewohnten „Tage der offenen Tür“, die nach Schwarzenacker locken sollten.

Konkret bedeutet dies zum ersten Mal überhaupt, dass Eintritt fällig war. Der fiel allerdings ziemlich moderat aus, bot Chefarchäologin und Organisatorin Sabine Emser aber im Gegenzug die Möglichkeit, ein bisschen mehr zu bieten, als es in den zurückliegenden Jahren so üblich war.

So gab es ganz frisch im Programm die Auftritte der „Gladiatorenschule Trier“, aus dem hohen Norden von der deutsch-dänischen Grenze konnte Emser einen Fischer für ein Gastspiel in Schwarzenacker gewinnen, der mit allerlei Netzwerk anschaulich vermittelte, wie zu Zeiten der Cäsaren der Fisch vom Meer auf den Tisch gelangte.

Zu sehen, wenn es das teils grausame Wochenend-Wetter zuließ, gab es also jede Menge und ein bisschen mehr. „Wir haben unsere ‚Sesterzen‘ super investiert“, lachte Emser am Sonntagmorgen. So habe man eben den römischen Fischer mit seinen antiken Fanggeräten engagiert, „wir haben gegenüber aber auch unseren Münzfälscher. Die beiden werden sich Wortgefechte im Stile von ‚Asterix und Obelix‘ liefern. Wir haben eine römische Hochzeit, eine Tempelweihe, eine Modenschau und eine Gerichtsverhandlung. Wir haben verschiedene Händler vor Ort, die alles anbieten, was das weibliche Herz begeht – von Schmuck bis feinem Zwirn.“ Natürlich sei auch wieder der Haussklave zu erleben, „der genau über das plaudert, was im römischen Alltag so passiert ist“. Ein Besenbinder, ein Bildhauer und ein Töpfer zeigten römisches Handwerk. „Und das absolute Highlight, neben der ‚Legio Prima Germanica‘ aus Waldgirmes, ist unsere Musiker. Der hat antike Musikinstrumente nachgebaut, unter anderem eine Wasserorgel.“

Eben dieser Musiker, mit Namen Justus Willberg aus Weißenburg aus Bayern, bewies nicht nur seine Güte als Tonkünstler, sondern erwies sich im Gespräch mit unserer Zeitung auch als wahres Füllhorn für Fakten und Geschichten rund um römische Instrumente und antikes Liedgut. Gerade zum Thema „Wasserorgel“, im Klang vergleichbar mit den heute bekannten Instrumenten, wusste Willberg Erstaunliches zu berichten. So sei dieses Instrument eingesetzt worden, um Gladiatorenkämpfe musikalisch zu begleiten. Und: Kaiser Nero, selbst ein leidenschaftlicher Wasserorgel-Spieler, habe das Geschrei von mit Feuer hingerichteten Christen mit dem Klang solcher Instrumente zu übertönen versucht. Da drängt sich natürlich die Frage auf, warum heute gerade Orgeln zur Grundausstattung einer jeder christlichen Kirche gehören.

Dies sei, wie Willberg erläuterte, schlicht auf einen „schnöden Übersetzungsfehler“ aus der ersten lateinischen Bibel zurückzuführen. So seien dort alle Instrumente mit dem Begriff „Organum“ bezeichnet worden. „Das heißt so viel wie Gerät.“ Fehlverstanden als „Orgel“ hätten die Christen dann geglaubt, dass es sich um ein ur-christliches Instrument handeln müsse. Erst Papst Gregor der Große habe nach eigenen Recherchen darauf hingewiesen, dass das so wohl nicht stimme, „aber da war es schon zu spät.“

Solche und andere Geschichten zu Geschichte wusste Justus Willberg, von Hause aus Berufsmusiker und auch Dozent an der Musikhochschule in Nürnberg, zu berichten – wenn er nicht gerade mit großer Fertigkeit den getreuen Nachbau einer römischen Wasserorgel spielte oder original römische Lieder sang und sich dabei selbst mit historischen Instrumenten begleitete – die Zeit der Römer zum Anhören, das war am Wochenende in Schwarzenacker wahrlich etwas völlig Neues.

Ohne Zweifel, für den geringen Eintritt gab‘s am Samstag und Sonntag im Schwarzenacker einiges zu erleben. Dass dabei gerade der Samstag allerdings buchstäblich „verschneeregnet“ war, hatte zwar wohl zählbaren Einfluss auch auf die Besucherzahlen, laut Sabine Emser aber nicht auf die Stimmung derer, die die Zeit Roms für zwei Tage wieder auferstehen lassen wollte. Die sei nämlich ungebrochen gut gewesen.

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