Römerinnen und der Frauentag in Homburg

Römerinnen : Von der Römerin zur Chefsekretärin

Diesmal wird der Internationale Frauentag im Römermuseum begangen. Dabei bietet die Dauerausstellung „Feminae“ über die Frauen im römischen Reich viele Ansatzpunkte, um über die Geschichte der Emanzipation nachzudenken.

Die Geschichte der Frauenrechte ist kein gerader Weg zur Sonne und zur Freiheit, sondern mäandert herum wie ein krummer Fluss: mal hier mal da, mal mehr, mal weniger. Und was noch verblüffender ist: Manche Epochen, die nichts miteinander zu tun haben und sogar Jahrhunderte auseinanderliegen, ähneln sich aufs Haar, wenn es um die Frauen geht.

So wird in römischen Texten naserümpfend angemerkt, dass es nervtötend sei, wenn sich gebildete Frauen in der Öffentlichkeit allzu laut hervortäten, wenn sie sich gegenüber Männern aufspielten und „besser reden wollten als Advokaten“. Das hätte man in einem bürgerlichen Wohnzimmer des 19.­Jahrhunderts nicht anders gesehen: Frauen hatten in erster Linie hübsches Beiwerk zu sein, allzuviel den Mund aufmachen sollten sie bitte nicht. Gebildet sein sollten sie schon, aber es allzusehr zu zeigen, gehörte nicht zum guten Ton.

Und dabei hatten es die Frauen zur Römerzeit noch vergleichsweise gut, sie hatten Rechte und wurden geachtet, sofern sie, wie die verehrte Cornelia, Mutter der Gracchen, ihren mütterlichen und hausfraulichen Pflichten nachkamen. Sie mussten Söhne gebären und einen ordentlichen Haushalt führen, was auch bedeutete, sich um die Sklaven zu kümmern und sie richtig einzuteilen. Genau das erwartete auch ein Südstaaten-Gentleman um 1850 von seiner künftigen Gattin, wie man in dem Buch „Vom Winde verweht“ anschaulich nachlesen kann.

Also nichts Neues unter der Sonne? „Mit der Industrialisierung und der Möglichkeit, dass Frauen selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen konnten, veränderte sich das Leben der Frauen in Europa und USA grundlegend“, sagt Anke Michalsky, die Frauenbeauftragte der Stadt Homburg.

Wenn man liest, wie demütigend sich das Frauenleben in Abhängigkeit von Männern noch bis ans Ende des 19. Jahrhunderts gestaltete, wie es auch in den Romanen von Jane Austen immer wieder anklingt – Heiraten, um versorgt zu sein, benachteiligt werden, weil ein männliches Erbrecht greift, als „alte Jungfer“ der Familie zur Last fallen – dann war das 20. Jahrhundert ein Paukenschlag. „Zur Römerzeit war es völlig undenkbar, dass Frauen sich solidarisierten“, betont Sabine Emser, Archäologin und Mitarbeiterin des Römermuseums in Schwarzenacker, „Frauen verstanden sich immer als Mitglieder ihrer Familie. Sie fühlten sich nicht als Frauen untereinander verbunden.“ Über die Vorstellung eines „internationalen römischen Frauentages“ muss Sabine Emser lachen: „Nein, das ist wirklich abstrus.“

Nicht abstrus ist hingegen die Idee von Anke Michalsky und Sabine Emser, diesmal den Internationalen Frauentag am 8. März im Römermuseum in Schwarzenacker zu begehen. „Es eröffnet ganz neue Perspektiven, diese Zeitreise zu machen“, betont Roswitha Chéret, die seit 18 Jahren Gäste kenntnisreich durchs Edelhaus führt.

Den Anstoß für diese Idee gab die Dauerausstellung „Feminae“ im Dachgeschoss des Edelhauses, die anhand von Originalfunden das Leben der Frauen zur Römerzeit illustriert. Hier lernt man etwas über Schmuck, Bekleidung, Kosmetik, Parfums und Alltagsleben der Römerinnen. Und natürlich auch über die guten Sitten: wie sich eine „anständige Frau“ kleidete und wie sich eine Prostituierte zu erkennen gab. „Sie trug blondes, mit Urin gebleichtes Haar, einen roten Umhang und offene Schuhe, die einen Blick auf die nackten Füße freigaben.“

Was heute aussieht wie ein Paar ganz normaler Sandalen, war also vor 2000 Jahren in Rom und auch in Schwarzenacker eine höchst anrüchige Fußbekleidung. „Das uringebleichte Haar roch natürlich unangenehm, so dass man es mit billigem Parfüm übertünchen musste“, erklärt Sabine Emser. Nicht nur Sklavinnen, auch Römerinnen, die von ihrer Familie verstoßen wurden, fanden sich als Prostituierte wieder. „Und deren Kinder landeten zwangsläufig auch in der Prostitution“, so Emser.

Auch dies war ein Kinderschicksal, das sich mühelos ins 19. Jahrhundert übertragen lässt, wie man in den Romanen von Emile Zola nachlesen kann. Es war ein junger Pariser Priester, der eine erste bescheidene Aufbewahrungsmöglichkeit für Kinder gründete, weil er den vielen verwahrlosten Kindern, die im Montmartre-Viertel alleine herumstreiften oder von ihren Mütten tagsüber einfach zu Hause ans Bett angebunden wurden, eine Heimat geben wollte – zumal die Mütter außer Haus ihr Geld verdienen mussten, auf welche Weise auch immer.

Renate Liefke, Anke Michalsky, Sabine Emser und Roswitha Chéret, die kürzlich im Museum zur Besprechung zusammengekommen sind, waren sich einig, dass der Kampf um mehr Frauenrechte noch nicht zu Ende ist. Anke Michalsky möchte, dass „mehr Frauen in die Parlamente“ kommen müssten. Tatsächlich, so Anke Michalsky, war die Wahlbeteiligung und die Anzahl der ins Parlament gewählten Frauen selten höher als bei den ersten freien und allgemeinen Wahlen im Januar 1919. Es sei also noch viel Luft nach oben.

Einig war man sich, dass Frauen es immerhin auch wollen müssten. Man braucht sich nur bei der Arbeitsagentur über die Vorlieben von Schulabgängerinnen zu erkundigen: Nagelstudio und Friseursalon rangieren da weit vor der Option, sich für neue Stromspeicher oder Wasserstoffantriebe zu engagieren.

Der Internationale Frauentag wird am 8. März begangen. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen und fand erstmals am 19. März 1911 statt. Seit 1921 wird er jährlich am 8. März gefeiert. Die Vereinten Nationen erkoren ihn später als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden aus.