Jazzfrühschoppen: Rock-Klassiker im Bigband-Sound

Jazzfrühschoppen : Rock-Klassiker im Bigband-Sound

Beim Jazzfrühschoppen auf dem historischen Marktplatz spielten sich Straight ahead in die Herzen der Musik-Fans.

Wenn sich eine Jazz-Formation Straight ahead, sprich „geradeaus“, nennt, dann erwartet man auch schnörkellose Musik. Und genau die bot die Bigband mit besagtem Namen am vergangenen Samstagmorgen beim Jazzfrühschoppen auf dem historischen Homburger Marktplatz. Unter der Leitung von Bernd Jörg gab es jede Menge klassische Jazz-Standards, immer wieder gespickt mit Solo-Passagen, immer wieder auch mit Gesang.

Beim Namen Bernd Jörg wird jetzt so mancher Kenner der Szene und des Homburger Musiksommers aufhorchen – genau: Mit seiner Formation Blech pur war der Musiker schon am vorvergangenen Wochenende und als „Vorgruppe“ von Joy Fleming zu Gast in Homburg. Nun also ein zweites Gastspiel, unter ganz anderen Vorzeichen. Mit Straight ahead, der Bigband der Kreismusikschule Südwestpfalz, war Jörg dabei erneut Teil eines ganz besonderen Wochenendes des Homburger Musiksommers, stimmte die Formation die Stadt doch schon am frühen Morgen auf das Klassik-Open-Air am Abend ein.

Und das gelang ganz geradeaus, mit purem Jazz auf wirklich hohem Niveau. Und auch so manche Überraschung hatten die Musikerinnen um Jörg im Programm. So kommt es ja nicht wirklich oft vor, dass eine Jazz-Formation den Rock-Klassiker „Welcome to the Jungle“ von Guns n’ Roses im Repertoire hat. Und tatsächlich hörte sich dieser Meilenstein aus den 1980ern auch im Gewand von Posaune und Trompete fein an, im ersten Moment vielleicht etwas ungewohnt, aber fein. Was bei dieser Interpretation besonders gefiel: Bernd Jörgs Bigband erlag nicht der Versuchung, den Klassiker einfach zu imitieren, vielmehr gelang es der Bigband wirklich, daraus eine echte Jazz-Nummer zu zaubern. Die hatte natürlich auch ihre rockigen Elemente, so als „Straight ahead“-Gitarrist Peter Schieler in die Fußstapfen von Gitarren-Legende Slash schlüpfte – das konnte sich hören lassen. Oder, um es mit den Worten von Bandleader Bernd Jörg zu sagen: „Da hat der Peter Schieler einiges zu tun.“

Aber auch alle anderen Musiker von Straight ahead mussten sich am Samstagmorgen nicht über mangelnde Arbeit beklagen. Von den rockigen Achtzigern ging es geradeaus zurück in die 1950er Jahre. Auf dem Programm: „Blues in the Closet“ aus der Feder von Oscar Pettiford. 1953 im Original und mit der Quintett-Besetzung mit zwei Celli, Piano, Bass und Schlagzeug eingespielt, verwandelte sich das wohl bekannteste Stück des Komponisten unter den Fingern der Musikerinnen und Musiker von Straight ahead zu einem voluminösen und vielschichtigen Stück Jazzgeschichte. Und das wurde mit lautstarkem Applaus des Publikums honoriert.

Danach war es an Claudia Hoffmann, dem Auftritt des vielköpfigen Orchesters zum ersten Mal an diesem Vormittag eine Stimme zu geben. Mit Cole Porters „I’ve got you under my skin“ ging es dann für Hoffmann gleich in die Vollen, denn der 1936 für den Film „Zum Tanzen geboren“ geschriebene Titel ist ein echtes „Schwergewicht“ — immerhin landete dieser Song auch in der Repertoires von Größen wie Frank Sinatra. Mit eigenem Charakter und einer wunderbar klaren und akzentuierten Stimme meisterte Hoffmann ihr Entree beim Jazzfrühschoppen. Nicht weniger gekonnt widmete sie sich auch Titeln von Gershwin („Somebody loves me“) und auch Jimmy McHughs Klassiker „On the sunny side of the street“ aus den 30er Jahren, auch der, später von Frank Sinatra gesungen, mit den Jahrzehnten zu einem der beliebtesten Jazz-Standards überhaupt wurde.

Ohne Zweifel, mit ihrer Songauswahl und ihrer Song-Präsentation lieferte die Bigband der Kreismusikschule Südwestpfalz einen rundherum gelungenen Auftritt beim Homburger Musiksommer – einen zum Genießen, zum Mitfeiern und zum Mitswingen, ganz „straight ahead“,  ganz geradeaus eben.

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