Orgel : Traditionelle Orgelwerke in tadelloser Spieltechnik

Der Organist Christoph Jacobi überzeugte seine Zuhörer in protestantische Christuskirche in Schwarzenacker mit Werken an der Rensch-Orgel.

„Seit dreißig Jahren birgt die protestantische Christuskirche in Schwarzenacker mit der dreimanualigen Rensch-Orgel ein musikalisches Kleinod, das den Gottesdienst- und Konzertbesuchern schon viel Freude bereitet hat“, so schwärmte Ute Fischer vom Presbyterium bei ihrer Begrüßung am vergangenen Wochenende. Da durfte das großartig disponierte und herrlich klingende Orgelwerk der Firma Rensch in einem Jubiläumskonzert vor einer stattlichen Zuhörergemeinde seine Vielseitigkeit demonstrieren als Soloinstrument, als Begleitinstrument von Querflöte, Sopran- und Tenorsaxophon und nicht zuletzt als Medium für Latin und Jazz.

Christoph Jacobi war mit überzeugend gewählten Klangfarben und
tadelloser Spieltechnik für die traditionellen Orgelwerke von Michael
Praetorius, Georg Böhm oder auch Domenico Zipoli zuständig. Eine
besondere Herausforderung war für ihn sicher die Toccata d-Moll von
Johann Pachelbel, die mit ihren Pedalstudien denen in Bachs gefürchteter F-Dur-Toccata in nichts nachsteht. Mit feinen, gedackten Registern begleitete er die Flötistin Jessica Weißenauer in Sonatensätzen von Georg Friedrich Händel, Charles Wesley, Louis Drouet oder John Rutter. Ein rechter Ohrwurm war darunter das bekannte „Andante“ C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart mit seinen verspielten Rokoko-Verzierungen und Läufen in beiden Instrumenten. Der begeisterte Applaus vor der Pause galt aber auch den „Folies d‘Espagne“, einer seit dem 17. Jahrhundert in Spanien verbreiteten ostinaten Bassfolge, zu der der französische Komponist Marin Marais im Frühbarock die Flöte immer wieder neue Variationen spielen ließ.

Danach verwandelte sich die Rensch-Orgel unter den flinken Händen und tanzenden Füßen des Homburger Bezirkskantors Stefan Ulrich in ein vielseitig taugliches Jazz-Instrument. Der Einstieg in den zweiten Programmteil war eine mit allen harmonischen Raffinessen glänzende Komposition des Organisten „Scherzo Latino“. Das Tenorsaxophon von Thomas Girard swingte dabei mit den Orgelpfeifen um die Wette. Altehrwürdige Barock-Choräle von Joachim Neander wie „Gott ist gegenwärtig“ oder „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehre“ wurden über mitreißenden Walking-Bässen im Orgelpedal, mit gegenrhythmischen Akkord-Riffs in den Manualen und mit fein dosierter Dynamik auf Saxophon oder Querflöte in eine ganz andere, moderne Klangsprache übersetzt, die einfach begeisterte. Titel wie „Winter in Paris“ von Thomas Girard, „The Wedding“ von Abdullah Ibrahim oder der von Stefan Ulrich und seinem Partner gemeinsam bearbeitete Hit „Tears in Haven“ von Eric Clapton musizierten auf dem winterlichen Heimweg noch lange weiter und ließen vereiste Autoscheiben und klirrende Kälte vergessen.