Reizvolle, aber seltene Besetzung

Homburg. Ein Duo mit Violine und Harfe ist eine reizvolle, doch seltene Besetzung. Die Geigerin Jenny Abel und die Harfenistin Alice Giles (Fotos: SZ) fanden am Donnerstagabend für ihren Auftritt beim zweiten Homburger Meisterkonzert im schmalen Originalangebot Stücke von Spohr, Saint-Saëns und Dinescu. Die Sonata Concertante op

Homburg. Ein Duo mit Violine und Harfe ist eine reizvolle, doch seltene Besetzung. Die Geigerin Jenny Abel und die Harfenistin Alice Giles (Fotos: SZ) fanden am Donnerstagabend für ihren Auftritt beim zweiten Homburger Meisterkonzert im schmalen Originalangebot Stücke von Spohr, Saint-Saëns und Dinescu. Die Sonata Concertante op. 114 von Louis Spohr entstand um 1815 und diente für Auftritte mit seiner Frau Dorette Scheidler, hier in einer umfänglichen Opernparaphrase nach Mozarts "Zauberflöte". Während Alice Giles ihre Harfe mit üppiger Dynamik und flinken Läufen zu orchestraler Pracht entfaltete, antwortete Jenny Abel in der Introduktion und im Arien-Potpourri mit viel zu großem Bogenaufwand. Der verhinderte den sicher angestrebten homogenen Zusammenklang der unterschiedlichen Instrumente, die kantable Durchgestaltung der Arienvariationen und setzte dem Bogen arg zu, der an diesem Abend noch viele Haare opfern musste. In der 1907 entstandenen Fantasie Opus 124 von Camille Saint-Saëns fanden beide Künstlerinnen besser zusammen, so dass die Episoden zwischen Introduktion und andalusischer Malaguea ihren musikalischen Reichtum entfalten konnten. Originalstücke für Violine und Harfe sind auch die dem Duo zugeeigneten "Augenblicke" der rumänischen Komponistin Violeta Dinescu, die in das Programm eingestreut waren. Aus dem von der Harfe abgesteckten frei- bis atonalen Klangraum intonierte die Violine aphoristische Erinnerungen an melodische Gesten von Mozart, an polyphon geführte Stimmen von Schumann, an Sentenzen der Bedrohungen und des Bedrohtseins im Werk von Schostakowisch und an rhapsodische Traditionen, denen Bartók in Ungarn nachspürte. Es waren kurze, "augenblickliche" Erinnerungen und Momente, die in ihrer Verdichtung aufhorchen ließen. Original waren auch die Solostücke für beide Instrumente. Jenny Abel ließ mit musikalischem Witz den rumänischen "Dorfmusikanten" von George Enescu schluchzen und kokettieren, dass es hier eine Lust war, ihr zuzuhören. Das Harfendivertissement "À l'espagnole" von André Caplet glitzerte im spanischen Kolorit, verriet aber auch die Nähe zu französischen Zeitgenossen wie Dukas oder Ravel. Unter den Bearbeitungen für Violine und Harfe atmeten die "Vier deutschen Tänze" von Beethoven als Gegenentwürfe zum höfischen Menuett ländliche Behaglichkeit. In Bartóks "Rumänischen Volkstänzen" störte wieder die ausladende, zuweilen pfeifende Bogenführung der Geigerin. Und auch die Tangos von Piazzolla müssten noch mal auf mehr Raffinesse im Klang und in der musikalischen Gestik überarbeitet werden. So konnte selbst die anrührende Meditation aus Massenets "Thaïs" als Zugabe nicht über die kleine Enttäuschung hinweg helfen.