Raumnot bedroht Volkshochschule

273 Kurse mit rund 2700 Teilnehmern hat die Homburger Volkshochschule im vergangenen Geschäftsjahr erfolgreich abgewickelt. Neben dieser erfreulichen Bilanz stand auf der Mitgliederversammlung die Forderung, nun auch mal in die Räume zu investieren.

In der Mitgliederversammlung der Volkshochschule Homburg am Montagabend gab es viel Positives zu hören, was das Thema Bildung betrifft. Allerdings wurde auch Kritik laut an der finanziellen und räumlichen Ausstattung der Einrichtung.

VHS-Leiter Willi-Günther Haßdenteufel begrüßte 28 Anwesende in einem Tagungssaal des Hotels Stadt Homburg , insbesondere Ehrenmitglied Reiner Ulmcke und die Beigeordnete Christine Becker als Vertreterin des Oberbürgermeisters. Das Geschäftsjahr 2015 wurde von Haßdenteufel überaus positiv bewertet: "Ich bin stolz auf das Geleistete meiner Dozentinnen und Dozenten ."

273 Kurse seien mit etwa 2700 Teilnehmern durchgeführt worden. Gerade das Sprachenangebot sei sehr vielfältig, neue Kurse zum Thema Gesundheitsprävention oder PC-Kenntnisse seien sehr gut besucht gewesen. "Wir bewegen uns damit gegen den Saarland-Trend", freute sich der VHS-Leiter über die hohe Resonanz in Homburg . Allerdings befürchtete er, dass man diese Ergebnisse nur schwer halten könne aufgrund steigender Konkurrenz. In Bezug auf die Räumlichkeiten sei man "am Ende der Fahnenstange angelangt". Es müssten bereits ganze Kurse abgesagt werden. "Die Stadt muss sich ihrer Fürsorgepflicht gegenüber der VHS bewusst sein", mahnte Haßdenteufel, denn: "Bildung kostet Geld . Nicht-Bildung kostet mehr Geld ". Fürs neue Semester stellte er neue Kurse in Innenarchitektur und Stepptanz in Aussicht.

Nach diesen Ausführungen bedankte sich Dozentensprecherin Erika Beck bei Haßdenteufel für die "großartige Organisation" und für seinen Einsatz für die VHS. "Er kämpft für uns. Wenn er nicht kämpft, haben wir keine Arbeit", gab sie den Dozenten zu denken.

Kassenprüferin Sigrid Kasper vom Rechnungsprüfungsamt des Saarpfalz-Kreises zog ebenfalls eine positive Bilanz. So habe die VHS im Jahr 2015 einen Überschuss von nahezu 4000 Euro erzielt und somit ihr Vermögen auf über 20 000 Euro angehoben. Die Prüfung habe ansonsten keine Beanstandungen erbracht. Daraufhin wurde der Vorstand der VHS, die ja als eingetragener Verein fungiert, einstimmig entlastet.

Dann kam das Thema der knappen Räume wieder aufs Tapet. Insbesondere wurde der Status der Hohenburgschule diskutiert. Haßdenteufel wies darauf hin, dass im zweiten Stock des Gebäudes viele Räume lägen, die die VHS gerne nutzen würde. Das Problem dabei sei aber der Brandschutz . Dafür müsse man eben investieren, so der VHS-Leiter.

Ex-Oberbürgermeister Ulmcke gab zu bedenken, dass im Gebäude lange Zeit eine Schule gewesen sei - ob die denn nicht auch einen ausreichenden Brandschutz besessen habe? Er meinte, mit etwas gutem Willen könne die Stadt mehr für die VHS tun. Seiner Meinung nach seien die anvisierten Sanierungskosten maßlos übertrieben; mit einem Bruchteil dessen könne der Brandschutz gewährleistet werden. Gegen einen Abriss, der immer mal wieder diskutiert wurde, wehre er sich mit Händen und Füßen. Zu all diesen Spekulationen sagte Haßdenteufel: "Wir schweben da im luftleeren Raum." "Uns wird immer versprochen und es passiert nichts - das ist Tatsache", so kommentierte Christine Becker die Situation der Hohenburgschule.

Meinung:

Endlich handeln statt reden

Von SZ-Redakteur Peter Neuheisel

Die Zahlen beeindrucken: 273 Kurse im Jahr, 2700 Teilnehmer, positive Einnahmensituation. Das Team der Volkshochschule mit Willi Haßdenteufel an der Spitze kann mehr als stolz auf das Erreichte sein. Andere Einrichtungen könnten sich glücklich schätzen über eine ähnliche Erfolgsbilanz. Doch wird man den Verdacht nicht los, dass die öffentliche Wertschätzung der VHS eine bessere sein könnte.

Seit Jahren mahnt Haßdenteufel, der sein Amt übrigens ehrenamtlich ausübt, an, dass die finanzielle und vor allem räumliche Ausstattung der Einrichtung zu wünschen übrig lasse. Die Stadt sagt zwar regelmäßig ihre Unterstützung zu, doch erlaubt der Sanierungshaushalt einfach keine großen Sprünge. Es bleibt deshalb zumeist bei Ankündigungen. Oder werden einfach andere Schwerpunkte gesetzt?!

Die Volkshochschule bleibt zumeist fünftes Rad am Wagen. Außerdem nimmt die Konkurrenz im Bildungssektor zu. Aber auch die kostet Geld . Die Verantwortlichen in der Stadtspitze und dem Stadtrat müssen entscheiden: Was ist uns die Bildung, was ist uns die Volkshochschule wert? Sonntagsreden reichen da nicht mehr aus.