Pioniere der Demokratie

Die Geschichts-AG am Saarpfalz-Gymnasium begab sich auf eine ungewöhnliche Spurensuche. Die Schüler untersuchten das Wirken von Philipp Jakob Siebenpfeiffer, Johann Georg August Wirth und dem fast unbekannten Friedrich Schüler.

Philipp Jakob Siebenpfeiffer, Johann Georg August Wirth und Friedrich Schüler werden in unserer AG Geschichte des Saarpfalz-Gymnasiums in Homburg hoch geschätzt als Dreigespann verdienstvoller Frühdemokraten im Raum Homburg-Zweibrücken. Sie haben sich mit Leib und Seele eingesetzt für Menschenrechte und Aussöhnung zwischen den Völkern, kritisierten dabei zeitgenössische Missstände und stellten sich mit bewundernswerter Zivilcourage in Opposition zu den Herrschenden. Bei ihrem Kampf zum Wohl der Allgemeinheit nahmen sie sogar persönliche Nachteile in Kauf und riskierten Gefängnis- und Todesstrafen.

Gerade in Zeiten der Orientierungslosigkeit und des Werteverfalls sind sie es wert, in Erinnerung zu bleiben und geehrt zu werden. Siebenpfeiffers Geburtstag am 12. November des Revolutionsjahres 1789 bietet Anlass, sich näher mit dem ersten Homburger Landcommissär (Landrat) in bayerischen Diensten (1818-1830) zu beschäftigen. Wegen seiner kritischen Haltung fiel er bei seinen Vorgesetzten in Ungnade, musste fliehen und starb im Schweizer Exil 1845. Er war ein engagierter Jurist, politischer Journalist und zusammen mit seinen Weggefährten Initiator des Hambacher Festes 1832, der bis dahin größten demokratischen Massenveranstaltung auf deutschem Boden. Alle drei sehnten sich nach besseren Lebensbedingungen, kritisierten jegliche Formen der Unterdrückung und kämpften energisch für demokratische Grundrechte wie Presse-, Meinungs- und Religionsfreiheit.

Gemeinsam mit Lehrer Eberhard Jung nahmen einige Schülerinnen und Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums, teilweise in Begleitung ihrer Eltern, kürzlich an einem Stadtrundgang auf den Spuren dieses frühdemokratischen Trios teil, der von der Siebenpfeiffer-Stiftung regelmäßig kostenlos angeboten wird. Die Zweibrücker Schauspielerin Monika Link schlüpft dabei in die Rolle von Regina Wirth, der Ehefrau des mutigen Freiheitskämpfers Johann Georg August Wirth, der am 20. November 1798 in Hof an der Saale geboren wurde, 1831/32 die oppositionelle Tageszeitung "Deutsche Tribüne" herausgab und 1848 zum Mitglied der gesamtdeutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche gewählt wurde. Er starb jedoch bereits aufgrund seines strapazenreichen Lebens am 26. Juli 1848, die Grabrede auf dem Frankfurter Hauptfriedholf hielt sein Parlamentskollege Robert Blum. Beim Aufenthalt im Siebenpfeifferhaus, ihrer ersten Station, zeigt sie ihren Gästen Wandbilder von Wirth und Siebenpfeiffer, aber auch von Friedrich Schüler , der in unserer Erinnerungskultur jedoch immer noch im Schatten seiner beiden prominenten Mitstreiter steht. Geboren wurde der leidenschaftliche Freiheitskämpfer am 19. August 1791 in Bergzabern am Rande des Pfälzerwaldes. Früh verlor er Vater und Mutter und wurde als Waisenkind in die Familie seines Onkels Abraham aufgenommen, der ein glühender Anhänger der Französischen Revolution war. Sein Jurastudium absolvierte Schüler in Straßburg und Göttingen. Um 1820 zog er erstmals nach Zweibrücken, wo er eine Stelle als Advokat am Appellationsgericht einnahm. Mit seiner reichen Heirat 1824 erlangte er wirtschaftliche Unabhängigkeit. Von da an führte er ein Leben in Wohlstand mit seiner Frau Anatholie Salmon und seinen drei Töchtern. Er besaß mehrere Immobilien, sowohl in Frankreich als auch in Deutschland, zu denen ein beeindruckendes Landhaus mit einigen großen Ländereien (Weinberg, Obstwiesen, Gärten) in dem lothringischen Dorf Sainte Ruffine gehörte, das er 1824 erwarb. Bis 1894 blieb es im Familienbesitz der Familie Schüler . Im Umfeld des Hambacher Festes 1832 gehörte Friedrich Schüler zu den Wortführern der demokratischen Opposition, agierte beim Hambacher Fest jedoch nur als stiller Beobachter. Er war Mitglied des bayerischen Landtags, und die Anhänger aus seinem Wahlkreis richteten für ihn in Zweibrücken-Bubenhausen am 29. Januar 1832 das sogenannte "Erste Schülerfest" aus. Das Festbankett ermöglichte, das Verbot von politischen Zusammenkünften zu umgehen.

Ihre als revolutionär empfundenen patriotischen Aktivitäten im Jahr 1832 wurden von der bayerischen Obrigkeit verurteilt und bestraft. Schüler floh nach Frankreich, hielt aber Kontakte zu seinen demokratischen Mitstreitern. Im Revolutionsjahr 1848 wurde er, wie Wirth, zum Abgeordneten in der Frankfurter Paulskirche gewählt, war sogar kurzzeitig deutscher Innenminister. Doch als die Revolution 1849 zerschlagen wurde, verkündete man sein Todesurteil. Er flüchtete ein zweites und letztes Mal nach Frankreich und starb am 26. Juni 1873 nahezu 82-jährig in seinem Stadthaus in Metz.

Mehr über den Vorkämpfer von Freiheit und Demokratie bietet die zweisprachige Broschüre "Friedrich Schüler (1791-1873)" von Martin Baus, die vor wenigen Wochen vom Freundeskreis der Siebenpfeiffer-Stiftung herausgegeben wurde. Sie betont Schülers Appell: "Deutsche und Franzosen: Lernt euch also kennen, und ihr werdet nicht anders können, als euch zu respektieren."

Das Familiengrab von Friedrich Schüler auf dem kleinen Friedhof in Sainte Ruffine, das 2015 vom Freundeskreis der Siebenpfeiffer-Stiftung renoviert wurde. Foto: Eberhard Jung. Foto: Eberhard Jung
Gedenktafel neben dem Grab von Friedrich Schüler mit Angaben zu seiner Person in deutscher und französischer Sprache. Foto: Eberhard Jung. Foto: Eberhard Jung
Friedrich Schülers repräsentatives Landhaus in dem lothringischen Dorf Sainte Ruffine im September 2016, vom Garten aus gesehen. Foto: Eberhard Jung. Foto: Eberhard Jung

Cecilia Klein (9d) und die AG Geschichte des Saarpfalz-Gymnasiums in Homburg

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