Per Fahrrad auf den Spuren der Inka

Homburg · Anstrengend, aber absolut überwältigend: Die sportliche Reise eines Rentners aus dem Saarland nach Südamerika

Mit knapp 70 Jahren zum Mountainbiken nach Peru? Hoch droben, wo die Luft am dünnsten ist? Albert Kohlei macht das offenbar wenig aus. Der Mann ist ungeheuer fit, ein Fahrrad-Ass mit jahrzehntelangem Training. Da haut ihn Höhenluft kaum noch um.

Der Ruheständler wollte es mal wieder wissen, hat beim Spezial-Reiseveranstalter gebucht und ist via Madrid nach Peru geflogen. Insgesamt hatten er und seine sportlichen Mitstreiter 19 Tage Zeit, abzüglich des Hin- und Rückflugs, um das spannende Land in Südamerika zu erobern. Ums Gepäck mussten sich die Mountainbiker nicht kümmern, die Reise war voll durchorganisiert. Da hat man den Kopf frei für so manches Ereignis.

In der Hauptstadt Lima angekommen, stand erst mal die Besichtigung der touristischen Höhepunkte auf dem Programm. Abseits sportlicher Betätigung interessierte sich der Mann aus Dudweiler natürlich auch in der Zehn-Millionen-Metropole für die Kultur der Inka. Ansonsten staunte der ehemalige Elektromeister über den chaotischen Verkehr: ,,Alles sieht ungeregelt aus, aber es klappt. Und niemand regt sich auf." Nach dem Lima-Aufenthalt ging es nach den Schilderungen Kohleis per Flug weiter nach Arequipa, denn dort startete das Mountainbike-Abenteuer 2335 Meter über dem Meeresspiegel. ,,Dort musste man sehr vorsichtig fahren", sagt der Rentner, Rücksichtnahme sei unter den motorisierten Verkehrsteilnehmern nicht unbedingt die vornehmste Eigenschaft. Und so wurde ein Sportskollege auch vom Rad gerissen, als ein Motorradfahrer ihn voll erwischte. Das Unfallopfer, ,,ein harter Kerl", war drei Tage lang außer Gefecht gesetzt.

Auf der insgesamt 800 Kilometer langen und bergigen Radtour gab es viel zu entdecken: Ruinen, Tempel, Museen und anderes mehr. Und dann die Herausforderungen im Sattel: teils tropische Hitze und Abertausende von Moskitos, stramme Kälte morgens und abends, elende Schotterpisten rauf und wieder runter, ein Steinschlag, dem Albert Kohlei gerade noch entrinnen konnte, Anstieg auf knapp 5000 Meter Höhe.

Bei der dort oben herrschenden dünnen Luft, sagt der durchtrainierte Mann, der hier große Anstrengung verspürte, müsse man sich seine Kräfte einteilen. Herrliche Panoramablicke, Lamas und Alpaka-Herden, Flamingos und Kondore - all das hat er ausgiebig bestaunt und mit der Kamera festgehalten. ,,Absoluter Höhepunkt ist Machu Piccu" sagt Kohlei und schwärmt in den höchsten Tönen von der gut erhaltenen Ruinenstadt sowie von der ,,überragenden Aussicht". Indio-Märkte mit allem, was der Mensch so braucht, farbenfrohe Prozessionen zu Ehren der Mutter Gottes, Unterkünfte ,,von sehr gut bis gewöhnungsbedürftig" es ist so viel, was im Detail noch zu erzählen wäre. Wobei nur eines dem Freizeitsportler aus Dudweiler nicht sonderlich gefiel: das gegrillte Meerschweinchen auf dem Teller.

"Das war nicht so meins", sagt der fitte Ruheständler, der es aber wenigstens mal probierte. Eine kribbelige Unruhe verspürt er schon wieder. Das liegt daran, dass er das nächste Ziel schon vor Augen hat: ,,Indien oder Äthiopien, mal sehen", sagt Kohlei und lächelt. Die Vorfreude ist ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.

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