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Oku sang in Homburg per Screenshot

Künstler aus Homburg via Internet : Auf Live-Publikum und Applaus musste verzichtet werden

Der Homburger Künstler Markus Okuesa, besser bekannt als Oku, und Daniel Krüger gaben in der Corona-Krise ein Konzert via Internet.

Der Sänger gibt sein Innerstes preis, legt all seine Kraft in die Interpretation, versucht alles, um sein Publikum zu gewinnen – und was passiert nach dem Song? Nichts als Stille. Diese völlig ungewohnte Erfahrung musste am Wochenende Markus Okuesa durchleiden, besser bekannt als Oku. Ausgerechnet er, auf den der liebevoll gemeinte Begriff Rampensau so gut passt. Der Kirrberger und Frontmann von Oku & the Reggaerockers pflegt ja seit Jahren das etwas stillere Projekt OQmanSolo, bei dem er dann auf Deutsch textet und singt. Normalerweise hat er da bis zu sechs Mitmusiker dabei. Aber in Corona-Zeiten sind solch große Zusammenkünfte ja nicht möglich, und so begleitete nur der aus Homburg stammende Pianist Daniel Krüger den Sänger.

Aufs Live-Publikum musste bei der Übertragung über verschiedene Internet-Plattformen natürlich auch verzichtet werden. Und da des auftretenden Künstlers Nahrung der Applaus ist, mussten sich die beiden Musiker „hungrig“ durch den gesamten Auftritt spielen – bis sie hinterher in den Kommentaren lesen konnten, dass die Darbietung sehr gut ankam.

„Normalerweise mache ich das nicht, mir alle Kommentare durchzulesen, aber in dieser besonderen Situation konnte ich nicht anders“, gestand Oku hinterher im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es war sehr schön zu lesen, wie viele Leute das als richtiges Konzert annehmen konnten.“ Dafür hatte sich der 42-Jährige auch alle Mühe gegeben: Wie im „richtigen“ Livekonzert forderte er sein Publikum zum Mitsingen auf und meinte, er spüre es, wenn die Zuschauer an den Endgeräten mitmachten. „Eine total verrückte neue Erfahrung“ sei das, meinte auch Pianist Krüger.

Zum Online-Konzert war es recht spontan gekommen, weil Björn del Togno, DJ und Clubbetreiber im Saarbrücker Osthafen, auf die Schnelle das Livestream-Portal saveyourculture.com eingerichtet hat, um den derzeit engagementlosen Musikern unter die Arme zu greifen. Jeden Freitag- und Samstagabend werden jetzt Online-Livekonzerte ins Netz gestellt, die Zuhörer dürfen, ähnlich wie bei einer Hutsammlung, mit Bezahldiensten an die Künstler spenden. Ganz im Zeichen der Corona:Krise begann Oku das Konzert mit Atemschutzmaske – er trug sie allerdings nur symbolisch, denn auf die Dauer hätte er keine Luft mehr bekommen. Noch ein weiteres Problem wurde ihm schnell bewusst: „Ich muss aufpassen, was ich sage: dass nichts unter der Gürtellinie ist.“ Denn schließlich konnte er sein Publikum ja nicht sehen, auch nicht, ob etwa Kinder dabei sind.

Jedenfalls sang er, der zur Hälfte aus Nigeria abstammt, in die ganze Welt hinaus: Nicht nur in Afrika gab es Zuschauer, sondern auch in England, Teneriffa und Tschechien, wo Daniel Krüger wiederum Wurzeln besitzt. Über kleine Aussetzer wischte Oku charmant hinweg: „Ein Konzert von mir ohne Texthänger gibt’s einfach nicht. Ich mache das absichtlich, weil das zu meinem Image gehört.“ Oder er meinte an anderer Stelle: „Ich bin sehr emotional. Die Leute die mich kennen, wissen das, das ist mir wichtiger als Perfektion.“

Den Hit „Hobby-Casanova“ spielte das Duo schon an dritter Stelle, danach fühlten sich die beiden Musiker immer besser in die ungewohnte Situation ein. Nicht nur, dass sie vor einem unsichtbaren Publikum spielen mussten, auch die Besetzung nur mit Keyboard und Gesang war für beide ungewohnt. Bisweilen setzte Oku sich aufs Cajon und gab eine fundierte rhythmische Begleitung für die astreinen Soli Krügers, der sich dabei selbst mit der linken Hand begleitete. Gegen Ende entwickelten beide eine solche Spielfreude, dass es ihnen schwerfiel, das auf eine Stunde begrenzte Repertoire zu kürzen.

Ein ganz neues Stück, „Über den Berg“, musste dann aber doch noch sein: Thematisch passte das gut in diese Corona-Zeit, wo sich alle Kulturschaffende wünschen, über den Berg beziehungsweise durch das tiefe Tal zu kommen.