1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Nun übernehmen die Studenten wieder

Nun übernehmen die Studenten wieder

Für Dr. Kurt Becker, langjähriger Organisator von „Kunst in der Mensa“, ist diese Schau die letzte, die er federführend verantwortet.

In dem kleinen Zimmer ist es mäßig hell, ein Beamer wirft Video-Aufnahmen einer Tanz-Performance auf eine Leinwand. Mal davor, mal daneben: Viola Klostermann, Medizinstudentin in Homburg. Sie ist es auch, die im Video Industriebrachen in Homburg "ertanzt" - in schwarz-weiß, raumgreifend, ausdrucksstark und mit einem tieferen Sinn, der weit über die Kunst des Tanzens hinausgeht. Alles zusammen ist Teil der 17. Ausstellung "Kunst in der Mensa". Doch was sehen die Gäste der Vernissage am Donnerstagabend im Angesicht der Arbeit von Viola Klostermann? "Der Tanz stellt die Fusion von Mensch und Maschine dar", erklärt die gelernte Bühnentänzerin, die im siebten Semester auf dem Weg zur Ärztin ist. "Wir Menschen sind alle Maschinen, wir sind alle aufgebaut aus den gleichen Teilen. Und trotzdem haben wir etwas, das uns menschlich macht." Die Botschaft, dass Menschen durch Bewegung zu einem Bewusstsein über die Welt kämen, kleidet Klostermann auch in ein Gedicht, das als Tonschleife die Video-Performance nicht nur akustisch unterlegt. Und auch die Vergänglichkeit des "Jetzt" vor dem Hintergrund des anhaltenden "immer neu" fasst Klostermann in ihren Tanz. Auf die Frage, wie viel von einer zukünftigen Ärztin Klostermann in der Performance der Tänzerin Klostermann steckt, sagt sie: "Im Tanz tatsächlich sehr wenig, aber im Gedicht sehr, sehr viel."

Viola Klostermanns Kunst ist eine von vielen Facetten einer wie immer vielseitigen "Kunst in der Mensa", die auch mit ihrer neuesten Auflage das Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg und den Campus der Medizinischen Fakultät aus einem anderen Blickwinkel erlebbar macht: Jenseits des medizinischen Alltags und dem Leben als Student präsentieren sich Ärzte, Pfleger und viele andere Berufsgruppen des UKS zusammen mit der Studentenschaft von ihrer künstlerisch-kreativen Seite. Der Grundsatz "Alles geht" führt auch 2017 wieder zu einem Querschnitt dessen, was Menschen an Gemälden, Fotografien, Skulpturen und Installationen zu erschaffen in der Lage sind - die Bandbreite reicht dabei von Kitsch bis Kunst, das ist gewollt, eine Auswahl der eingereichten Arbeiten gibt es nicht, für jeden wird ein Plätzchen im Bau der Mensa geschaffen.

Der, der dafür seit der zweiten "Kunst in der Mensa" verantwortlich ist, hatte am Donnerstag seinen letzten Auftritt als Organisator der Gemeinschaftsausstellung: Dr. Kurt Becker vom Anatomischen Institut des Uniklinikums. Im September geht Becker in den Ruhestand - und nicht wenige fragen sich am Donnerstagabend recht besorgt, was denn dann mit der Ausstellungsreihe passieren soll. Die kurze Antwort auf diese Frage: Es geht zurück zu den Wurzeln, die Studenten selbst übernehmen, so wie bei der ersten "Kunst in der Mensa" im Jahr 2000, wieder die Organisation. Becker selbst will aber als "Berater" weiterhin zur Verfügung stehen. "Denn das muss schon weitergehen - weil es zu einer so tollen Sache geworden ist", macht Becker klar. Mit den Jahren habe sich "Kunst in der Mensa" verändert, ist sich Becker sicher. Habe man am Anfang noch mit eher einfachen Portfolios und Techniken ausgestellt, so gebe es jetzt eine wesentlich größere Auswahl an unterschiedlichen Ausdrucksformen. Auch er selbst habe sich als ausstellender Künstler - Beckers Schwarz-Weiß-Fotografien gehören zum guten Ton der Gemeinschaftsausstellung - verändert, spreche heute eine mehr dokumentarische Sprache.

Zum Thema:

Auf einen Blick Vielfalt Bis Freitag, 17. Februar, zeigen 62 Künstler (im Wesentlichen am UKS oder auf dem Campus zu Hause) im Mensagebäude ihre Werke. Die aktuelle "Kunst in der Mensa" präsentiert eine große Bandbreite an unterschiedlichen Ausdrucksformen und Techniken.