Notfallpläne liegen der Feuerwehr Homburg für Spezialbrände vor

Einsatzpläne für Spezialunternehmen liegen vor : Feuerwehr wäre für Notfall gerüstet

Etwa bei einem Einsatz im mit PVC-Granulaten arbeitenden Wörschweiler Unternehmen Begra wäre die Feuerwehr durch einen aktuellen Einsatzplan vorbereitet. 49 solcher Pläne gibt es laut Stadtverwaltung für Firmen, 16 fürs Uniklinikum, weitere seien in Planung.

Im Zuge des Brandeinsatzes bei der Firma Mobius Technologies mit in Feuer geratenem Polyurethan-Granulat am 19. März in Erbach haben die Homburger Grünen die Frage aufgeworfen, ob für Unternehmen in Homburg, die mit gefährlichen Gütern hantieren, realistische Katastrophenpläne vorliegen. Als Beispiel führte Grünen-Fraktions-Vize Winfried Anslinger das Wörschweiler Unternehmen Begra Granulate GmbH & Co.KG an, das laut seiner Website mit Hart- und Weich-PVC-Granulaten arbeitet. Laut Anslinger könnte daraus im Brandfalle Salzsäure entstehen.

Wörschweilers nun abgewählter Ortsvorsteher Reinhold Nesselberger, der Ex-SPD’ler war am 26. Mai für die neue Freie Liste Homburg angetreten, hatte noch vor der Wahl einen Bericht zum Thema in unserer Zeitung zum Anlass genommen, einen Offenen Brief an Bürgermeister Michael Forster (CDU) zu schicken. Darin drückt er seine Sorge aus, dass im Schadensfall bei Begra gefährliche Stoffe ins angrenzende Wohngebiet von Wörschweiler, Schwarzenbach und Schwarzenacker gelangen könnte. Auch er fragt nach Notfallplänen, Informationen über die Gefährlichkeit verarbeiteter Stoffe im Brandfall oder Feuerwehrübungen mit dem Material.

Für einen größeren Einsatz dort, der sich in Richtung einer Katastrophe entwickeln könnte, sei die für die Feuerwehr übergeordnete Stelle, die Untere Katastrophenschutzbehörde im Saarpfalz-Kreis zuständig, erläutert Stadtsprecher Jürgen Kruthoff auf Anfrage. Der Saarpfalz-Kreis erklärt, seinem Katastrophenschutz lägen „keine Informationen von Firmen zum jeweiligen Materialbestand, mit dem gearbeitet wird, bzw. dessen Zusammensetzung vor“, so Sprecherin Sabine Brettar. Kruthoff teilt zu dieser Frage mit, dass der Betrieb vom Landesumweltamt beaufsichtigt werde, das wiederum die Stadtfeuerwehr darüber nicht informiert habe.

Der Kreis-Katastrophenschutz hält indes laut Brettar generell allgemeingültige Notfallpläne vor, die nicht auf einzelne Firmen abzielten. Betroffene Firmen müssten über Stoffe informieren, die sich zu einer Gefahr entwickeln können. Bei Ereignissen mit Säureaustritt käme der ABC-Zug, bestehend aus Angehörigen der kommunalen Feuerwehren, der vom Gefahrstoffzugführer des Saarpfalz-Kreises und seinem Stellvertreter geleitet wird, zum Einsatz, erläutert Brettar. Diese Feuerwehrangehörigen seien speziell ausgebildet und verfügten über das entsprechende Equipment für den Umgang mit Gefahrstoffen.

Die Stadt Homburg verweist für Begra auf einen Feuerwehreinsatzplatz nach DIN-Norm mit „aktuellstem Datum“. Die Feuerwehren im Stadtgebiet seien in diesem Objekt unterwiesen. „Bei wichtigen Änderungen bezüglich Brandschutz oder vorbeugender Brandschutz erfolgen weitere Unterweisungen. Die letzte fand im Juli 2018 statt. Dabei wurden den Löschbezirksführern und dessen Stellvertreter der Löschbezirke Wörschweiler und Einöd die wichtigsten Neuerungen vermittelt“, so Kruthoff. Um die laufende Produktion nicht zu behindern, seien die Löschbezirke anhand von Planübungen trainiert worden.

Und wie sieht es mit Risikobewertungen für sonstige Unternehmen in Homburg aus? Kruthoff erklärt: „In der Feuerwehr existieren bis dato 49 Feuerwehreinsatzpläne. Sechs weitere sind in der Bearbeitung sowie 16 über die Universität des Saarlandes.“ Industriebetriebe mit eigener Werkfeuerwehr hielten ihre eigenen Einsatzpläne vor. Dort sei die Feuerwehr Homburg nur unterstützend im Rahmen der nachbarschaftlichen Löschhilfe tätig. Was in den jeweiligen Unternehmen die Gefahrstoffe seien, kann die Stadt pauschal nicht sagen. Kruthoff: „In jedem Betrieb, Krankenhaus, Altenheim, Einkaufscenter gibt es spezielle Gefahrenpotenziale.“