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Nicht traurig sein, vereint feiern

Nicht traurig sein, vereint feiern

Sie haben vielleicht ihren Partner verloren oder niemanden, mit dem sie feiern können: Für diese und andere einsame Frauen bietet Sabine Ullrich mittlerweile zum zwölften Mal einen besonderen Heiligabend an. Und der ist alles andere als traurig, berichtet sie, sondern jedes Mal wieder schön.

Es ist der Abend im Jahr, an dem die Traurigkeit noch größer, noch dunkler wird, wenn das überhaupt geht. Denn während sich die einen zwischen "Stille Nacht" und Geschenken dem mehr oder wenig besinnlichen Weihnachtszauber in der Familie hingeben, gibt es Menschen, die jenseits der Bilderbuchwelt leben. Sie trauern vielleicht um ihren Partner, der vor kurzem verstorben ist, oder sie sind krank und weit entfernt von Freunden, andere sind bereits älter und scheuen den weiten Weg zur Familie, wieder andere müssen mit einer Trennung fertig werden. Gründe, warum Frauen am 24. Dezember einsam sind, gibt es viele. An sie richtet sich das Angebot von Sabine Ullrich im Café Frauenzimmer des Saarpfalz-Kreises am Scheffelplatz. Im zwölften Jahr wird sie hier mit einer zufällig zusammengewürfelten Gruppe Heiligabend verbringen. Sie wird mit den Frauen essen, Geschichten lesen und hören, singen, lachen. Am Ende werden alle mit kleinen Geschenken nach Hause gehen - und sich in der Regel nicht wiedersehen. Manche kommen vielleicht ein Jahr später wieder zu diesem besonderen Heiligabend gegen die Einsamkeit. Natürlich gebe es auch Männer, die an diesem Tag allein seien, aber das Angebot sei so konzipiert und so gewachsen, an andern Stellen werde auch etwas für gemischte Gruppen angeboten, sagt Ullrich.

Sie mache das jetzt seit der erste Idee jedes Jahr, ohne Unterbrechung, erzählt sie. Und es entstehe immer wieder diese Stimmung, es werde für jede, die kommt, zu einem besonderen Abend, der seinen eigenen Fluss habe. "Es ist so schön, weil es ganz unterschiedliche Frauen sind", die kommen, sagt Ullrich. Sie bringen alle ihre besondere Lebensgeschichte mit, verarbeiten bestimmte Erlebnisse, jede habe ihre Art, mit Trauer umzugehen und jede ihre ganz eigene Motivation zu kommen, wie etwa Mutter und Tochter, die stets gemeinsam arbeiteten, seit sie zusammen feiern können, aber immer das Gefühl haben, sich vielleicht nicht zu vertragen.

Um die zwölf Frauen verbringen den Heiligabend hier zusammen, mal mehr, mal weniger. Es waren auch schon 15, berichtet Ullrich. Es soll aber ein intimer Kreis bleiben. "Essen für 20 Leute vorzubereiten, das schaffe ich nicht", sagt sie. Auch vom Alter sind die Frauen gemischt, die jüngste, die im vergangenen Jahr mitfeierte, war 32, die älteste Frau, die regelmäßig dabei sei, 75. Fünf solcher "Stammkundinnen" habe sie, berichtet Ullrich, die aber auch nur an Heiligabend kommen, "dann wird geredet". Es sei ein Abend ohne Verpflichtung, ohne Nachtreffen. "Wir sind keine Selbsthilfe- oder Ratgebergruppe", betont sie.

Der Ablauf sei dabei immer ähnlich, mal bringe eine der Frauen eine Flöte mit, eine Geschichte, jede dürfe sich entfalten, so wie sie es will. Es gibt einen gemeinsamen Beginn mit einem Cocktail oder einem Sekt, dann wird gesungen, seit einiger Zeit spiele eine Freundin auf dem Keyboard Weihnachtslieder. Danach wird gegessen, immer auf dem "heißen Stein", sie kaufe dafür ein, Salate bringe sie mit, auch ihre 83-jährige Mutter steuere etwas bei. Den Tisch decken jeweils Mitarbeiterinnen des Frauenbüros festlich. "Eine fantastische Tafel", freut sich Ullrich. "Wir legen Wert darauf, dass es eine schöne Atmosphäre ist", erklärt Birgit Rudolf vom Frauenbüro. Nach dem Essen wird gewichtelt, um Päckchen gewürfelt. Als Geschenke bringe jede etwas von zu Hause mit, das sie übrig hat. Die Frauen, das ist Ullrich wichtig, müssen gar nichts tun, dürfen sich einfach verwöhnen lassen, helfen hinterher nur beim Aufräumen - und stecken fünf Euro in eine Kasse, beziehungsweise gebe jede das, was sie kann.

Und was ist mit Sabine Ullrich selbst? Manchmal, wenn es im Jahr stressig werde, dann denke sie schon ans Aufhören, an einen klassischen Heiligabend zu Hause, gesteht sie. Außerdem hat sich ihr eigener Lebensweg verändert. Als die Idee geboren wurde, gemeinsam mit einer Kollegin, war sie frisch geschieden, heute hat sie einen Partner. Doch der habe Verständnis, ihr Heiligabend gegen die Einsamkeit sei schließlich zuerst da gewesen. Und wenn es dann Richtung Weihnachten geht, sie jemand darauf anspricht, ob es das Fest gegen das Alleinsein wieder geben wird, dann ist sie doch dabei - und feiert ihren besondern 24. Dezember.

Nicht traurig sein, vereint feiern
Nicht traurig sein, vereint feiern

Kontakt: Sabine Ullrich, Telefon (0 68 48) 7 01 98 51.