Nicht kopiert – neu erfunden

Gemeinsam mit Pianist Bernhard Wittmann und Saxophonist Bernd Nickaes gab Pietro Ramaglia ein Konzert in der Gustavsburg in Jägersburg. Das besondere Trio präsentierte bekannte Titel in einem vollkommen neuen Gewand und sorgte damit für Begeisterung.

"Ich bin vor Gesangsauftritten immer ein bisschen nervös, das ist schon so." Denn: Auch wenn er als Schlagzeuger an der Seite von Stars wie Melanie Thornton und Sarah Connor in den vergangenen Jahren viel erlebt habe und über viel Erfahrung verfüge, sei das Singen doch eine ganz andere Sache. "Singen ist auf eine spezielle Weise viel emotionaler."

Doch diese Anspannung merkte man Pietro Ramaglia bei seinem Auftritt im Hof der Jägersburger Gustavsburg nicht wirklich an. Als Teil der Reihe "Kultur im Museum" sollte und wollte Ramaglia an der Seite des Pianisten Bernhard Wittmann und des Saxophonisten Bernd Nickaes im wunderschönen Rund mit seiner Stimme entführen - an die Ufer echter Klassiker des internationalen Rock und Pop. Dabei machte schon die "schmale" Besetzung klar, dass sich Songs wie "Livin' on a prayer" von Bon Jovi deutlich anders anhören würden als im Original. Ein knackiger Rocktitel mit Piano und Saxophon? Das kam an. Wo zu den Hochzeiten der US-Band aus New Jersey Gitarrero Richie Sambora dem eingängigen Gitarrenriff mit einer so genannten Talkbox den unverwechselbaren Sound gab, verwandelten Ramaglia, Nickaes und Wittmann diesen Klassiker in eine wunderbare und unschmalzige Ballade, die ein Maß an Eigenständigkeit gewann, die beeindruckte. Das hatte Konzept und Idee. Und wer die massige Instrumentalisierung des Originals kennt, der kann ermessen, wie sehr man sich buchstäblich arrangieren muss, um der ursprünglichen Version gerecht zu werden.

Und der Bon-Jovi-Klassiker sollte an diesem Abend nicht das einzige Werk sein, dem das Trio ein neues und passende Gewand verpasste. Auf der Setliste auch: "Laura non c'e" von Nek aus der Sparte Italo-Rock, "How deep is your love" aus der Feder der Bee Gees , Michael Bubles "I wanna go home" oder auch das fein gegroovte "Ain't no sunshine" von Bill Withers bewiesen, dass es Sinn machen kann, Altbekanntes nicht einfach nur zu kopieren, sondern mitunter schlicht neu zu erfinden.

Dass dies gelang, lag aber natürlich nicht nur an Pietro Ramaglia und seinem Konzept samt Stimme, sondern auch an seinen beiden kongenialen Co-Musikern Nickaes und Wittmann, die - im besten Sinne der Sache dienend - der Stückauswahl Charakter und musikalische Finesse gaben. So wurde aus drei hervorragenden Einzelmusikern ein echtes Trio, in dem jeder den musikalischen Raum bekam, der ihm zustand.

Apropos Trio: Das war so vor den 120 Gästen im Hof der Gustavsburg gar nicht gedacht. Eigentlich sollten "nur" Bernhard Wittmann und sein Piano den Abend instrumental begleiten. Doch vor einigen Wochen hatten sich Ramaglia und Nickaes bei einer anderen Konzertveranstaltung getroffen.

Pietro Ramaglia hatte gefallen, was er zu hören bekam und er hatte mit dem Saxophonisten kurzerhand das Duo in ein Trio verwandelt. Und falls es beim einen oder anderen beim Namen "Nickaes" nun klingeln sollte: Eben der war vor einigen Wochen spontan beim Auftritt des Pasadena Roof Orchestras bei dessen Jazzfrühschoppen-Konzert eingesprungen - mit kurzfristigen Engagements hat der Wahl-Homburger also bereits beste Erfahrungen.

Zum Thema:

Auf einen BlickWer die Reihe "Kultur im Museum" weiter verfolgen will, der sollte sich den Donnerstag, 3. September, im Kalender rot anstreichen. Dann wird ab 20 Uhr "Daphne Deluxe" im Römermuseum in Schwarzenacker "Comedy in Hülle und Fülle" präsentieren. Auf dem Programm hat die "Barbie in XXL" pures Leben, hautnah und authentisch. Und das Ganze ohne Blatt vor dem Mund. Auch musikalisch soll es an diesem Abend mit Swing, Pop-Songs und Chansons kurvig-rund zugehen. thw