Nicht alleine nach dem Unfall

Homburg. Als Dominik Lagall auf einer Landstraße auf seinem Motorrad ein anderes überholen will, schert dieses plötzlich aus. Lagall weicht aus und landet im Graben. Becken, Beine und Hüftgelenk sind gebrochen. Lagall liegt monatelang im Krankenhaus, sitzt danach im Rollstuhl und lernt erst mühsam wieder zu gehen. Das war vor über 15 Jahren

Homburg. Als Dominik Lagall auf einer Landstraße auf seinem Motorrad ein anderes überholen will, schert dieses plötzlich aus. Lagall weicht aus und landet im Graben. Becken, Beine und Hüftgelenk sind gebrochen. Lagall liegt monatelang im Krankenhaus, sitzt danach im Rollstuhl und lernt erst mühsam wieder zu gehen. Das war vor über 15 Jahren. Seitdem ist der gelernte Elektriker gehbehindert und nicht mehr voll einsatzfähig. Ein Sozialarbeiter war es, der ihn damals auf die IVU, die Interessengemeinschaft für Unfallverletzte, aufmerksam machte. Zuerst dachte Lagall noch: "Eine Selbsthilfegruppe, was soll ich da?". Bei der IVU erfuhr er unter anderem, wo er einen Antrag für eine Kfz-Steuerermäßigung beantragen und dass er Kosten für Rezepte, für Fahrten ins Krankenhaus oder zur Physiotherapie von der Versicherung einfordern kann. "Alles Dinge, die man nicht mitkriegt, wenn es einem keiner sagt", so Lagall. Mit der gegnerischen Versicherung musste der Elektriker dann auch zahlreiche Kämpfe ausfechten. "Versicherungen zahlen grundsätzlich nicht freiwillig", meint Lagall, vor allem dann nicht, wenn bei dem Unfall eine Teilschuld festgestellt worden sei. Schließlich hatte Lagall so viel Erfahrung gesammelt, dass er selbst die Selbsthilfegruppe leitete. Heute berät er Unfallopfer vor allem telefonisch, manchmal besucht er sie auch im Krankenhaus. In der Uniklinik in Homburg gehen zudem zwei "grüne Damen" auf Unfallopfer zu und weisen auf die Beratung des Vereins hin. Denn oft stellen sich die Probleme erst nach der Entlassung. Die Beratung sei vor allem Hilfe zur Selbsthilfe. "Die meisten kennen ihre Rechte nicht, weil sie vorher noch keinen Unfall hatten", sagt Lagall. Wie der extreme Fall eines Mannes, dessen Arm seit Jahren gelähmt war und der nicht wusste, dass ihm ein Schwerbehinderten-Ausweis zusteht. Die meisten Anrufer berichten über Autounfälle, aber auch über Abstürze vom Gerüst oder in Maschinen verletzte oder abgetrennte Körperteile. Sie stellen Fragen über die Höhe des Schmerzensgeldes, den Kündigungsschutz, über Pflegegeld und Rente oder wo man welchen Antrag stellen muss. Auch Anwälte, die nicht genügend Druck machen, sind Thema oder Versicherungen, die nur einen medizinischen Gutachter vorschlagen, obwohl es drei sein müssten. Diese Informationen sind auch als Leitfaden auf der Internetseite des Vereins zu finden. Dominik Lagall ist über das Infotelefon der IVU, Tel. (01 78) 5 55 01 78, erreichbar.

Auf einen BlickDie Interessengemeinschaft für Unfallverletzte (IVU) hat derzeit rund 70 Mitglieder. Der derzeitige Vorsitzende ist der Unfallchirurg Dr. Werner Knopp. Gegründet wurde der Verein 1991 von Dr. Gerfried Giebel, einem Unfallchirurgen, in Homburg. Die IVU bietet Beratung, Information, Prävention. mwi