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Neue Schulsozialberaterin in den Gesundheitsfachschulen am UKS

Guter Rat bei der Ausbildung : Auch Azubis brauchen mal Hilfe

Seit kurzem unterstützt Christine Klein als Schulsozialberaterin alle Schüler in den Gesundheitsfachschulen am Uniklinikum. Die Probleme sind vielfältig und zuweilen schnell lösbar – dank ihrer Hilfe.

Die Schule ist Vergangenheit, man hat seinen Abschluss gefeiert, danach eine Zusage für eine tolle Ausbildung an einer der Gesundheitsfachschulen am Uniklinikum in Homburg bekommen – und schon bald kommt das erste beachtliche Azubi-Gehalt von über 1000 Euro ins Haus geflattert. Alles gut, könnte man meinen. Jetzt kann die berufliche Zukunft beginnen.

Wozu braucht man da noch eine Schulsozialberaterin am Uniklinikum? Christine Klein, Diplom-Sozialpädagogin und Diplom-Sozial­arbeiterin, ist seit diesem Herbst genau in dieser Position an den Gesundheitsschulen am Universitätsklinikum tätig. Sechs von 36 Unikliniken in Deutschland haben diesen Posten geschaffen, Homburg ist also eine Vorreiterin. „Es wird immer wichtiger, jungen Leuten Hilfestellung für diese anspruchsvollen Gesundheitsberufe zu geben“, sagt Christine Klein.

Denn was oft vergessen wird: Neben Krankenhaus, Forschungseinrichtungen und medizinischer Fakultät ist das Uniklinikum auch einer der größten Ausbildungsbetriebe in der Region. Elf verschiedene anerkannte Ausbildungsstätten für medizinische Gesundheitsfachberufe sowie das Referat für Fort- und Weiterbildung sind hier angesiedelt – mit über 750 Ausbildungsplätzen sowie 142 Weiterbildungsplätzen.

Das Einzugsgebiet, aus dem die jungen Leute kommen, reicht von Bitche und Saint Avold in Frankreich bis nach Landau, Kusel und Hermeskeil. Und da ist schon ein Problem benannt. „Es sind oft junge Frauen, manche erst 16 oder 17 Jahre alt, die sind zum ersten Mal auf sich gestellt und wohnen im Wohnheim. Das ist ganz schön hart“, sagt Christine Klein.

Es sei keineswegs so, dass mit dem Eintritt in die neue Pflege-Ausbildung alles rosig sei. „Arbeit mit Patienten ist ein sehr anspruchsvoller Beruf. Die Mädchen und Jungen kommen mit vielen guten Vorsätzen in die Ausbildung, aber oft ist die Wirklichkeit dann nicht so, wie sie sich das vorgestellt haben.“

Es gebe sehr viel Lernstoff zu verarbeiten, auf den Stationen gehe es zuweilen hektisch zu, Überforderung und Prüfungsangst kämen hinzu. „Manche Azubis kommen dann einfach nicht mehr in die Schule, igeln sich zu Hause ein und rufen auch nicht mehr an.“ Christine Kleins Aufgabe ist es, schon im Vorfeld diese Überforderungen abzufangen, Probleme anzusprechen, Hilfestellung zu geben.

Dazu ist ihr die langjährige Erfahrung aus ihrer vorherigen Tätigkeit als Arbeitsvermittlerin im Jobcenter des Saarpfalz-Kreises sehr nützlich: „Junge Menschen bei ihrer Berufswahl zu unterstützen, ihre Talente und Stärken zu fördern, war schon immer mein Hauptanliegen.“ An ihrer jetzigen Arbeit gefalle ihr gut, „dass da auch noch der pädagogische Aspekt dabei ist. Die jungen Leute können sich jederzeit an mich wenden. Ich unterliege der Schweigepflicht, und mein Büro ist nicht im Schulgebäude untergebracht. Es sieht also niemand, wer zu mir kommt.“

Was sind die Hauptprobleme? Das sei ganz verschieden, sagt Christine Klein, „wir haben zum Beispiel auch große Altersunterschiede. Da ist auf der einen Seite die 17-jährige Realschulabsolventin und auf der anderen Seite die 40-jährige Mutter von drei Kindern, die nach 15-jähriger Auszeit wieder in den Beruf einsteigen möchte.“

Während man der 40-Jährigen im praktischen Bereich nichts mehr vormachen muss, hat sie aber eher Prüfungsangst, weil sie schon so lange aus der Schule raus ist. Die 17-Jährige ist Schulstress und Prüfungen gewohnt, hat aber Probleme mit der praktischen Arbeit und muss sich erst ans „Anpacken“ gewöhnen. Hinzu kommen Heimweh, Einsamkeit, eine unverhoffte Schwangerschaft, Konfliktsituationen auf der Station, „alles, was das Leben so hergibt“, sagt Christine Klein.

Seit sie tätig ist, hat sie schon so manches Problem beseitigen können, „manches ist einfach ein Missverständnis, ein hausgemachtes Problem, das in der Realität gar nicht existiert.“ Ihr wichtigstes Anliegen: „Dass wir keinen verlieren. Wir wollen, dass unsere Azubis, egal welches Alter, ihre Ausbildung erfolgreich beenden und Freude am Beruf haben. Dass wir sie stark machen können, die tägliche Arbeit gut zu bewältigen.“

Ulrich Wirth, Leiter des Schulzentrums für Gesundheitsfachberufe am Uniklinikum, hat für die neue Stelle gekämpft: „Jede weiterführende Schule im Saarland verfügt inzwischen über Schulsozialarbeiter, die bei Themen unterstützen, die über den reinen Lehrauftrag hinausgehen und von den Lehrkräften nicht abgedeckt werden können. Allerdings fehlt diese Beratung an den meisten Berufsfachschulen“, erklärt er, „gerade hier wäre sie von großer Bedeutung. Denn es handelt sich um junge Menschen, die plötzlich auf sich allein gestellt sind. Viele verlassen das familiäre Umfeld, um in der Nähe ihrer Ausbildungsstätte zu wohnen. Die Berufsausbildung ist Neuland für sie.“

Übergeordnetes Ziel sei es, so Wirth, „dem Fachkräftemangel, der gerade im Gesundheitssektor gravierende Folgen für die Gesellschaft hat, entgegenzuwirken.“ Ausbildungsabbrüche und langwierige berufliche Umorientierungen sollten vermieden werden, „stattdessen wollen wir unsere Azubis zu gestandenen Persönlichkeiten ausbilden.“

Christine Klein hat auch eine „Aktivstunde“ eingeführt: In der Krankenpflegeschule wird das Schutzkonzept zur Gewaltprävention vorgestellt und diskutiert. Im Januar plant sie einen Workshop zum „Umgang mit schwierigen Menschen“. Dabei geht es darum, in emotionalen Stresssituationen souverän zu reagieren.

 Berufe im Gesundheitswesen sind interessante Tätigkeiten, man hat ein vielfältiges und verantwortungsvolles Aufgabengebiet. 
Berufe im Gesundheitswesen sind interessante Tätigkeiten, man hat ein vielfältiges und verantwortungsvolles Aufgabengebiet.  Foto: dpa/Danny Gohlke

Kontakt: Schulzentrum Schulsozialberatung, Gebäude 24, Zimmer 1.01, Christine Klein, Telefon (0 68 41) 1 61 37 50. E-Mail: christine.klein2@uks.eu