Nett gespielte Sommergeschichte

Homburg. Eine "kleine Liebesgeschichte" solle er schreiben, weist sein Verleger Ernst Rowohlt Kurt Tucholsky an und der liefert ihm eine "Sommergeschichte", leicht und heiter. Nur die böse Leiterin des benachbarten Kinderheims, die Zucht und Ordnung zum obersten Prinzip auserkoren hat, stört die sonnendurchflutete Idylle des schwedischen Sommers auf Schloss Gripsholm

Homburg. Eine "kleine Liebesgeschichte" solle er schreiben, weist sein Verleger Ernst Rowohlt Kurt Tucholsky an und der liefert ihm eine "Sommergeschichte", leicht und heiter. Nur die böse Leiterin des benachbarten Kinderheims, die Zucht und Ordnung zum obersten Prinzip auserkoren hat, stört die sonnendurchflutete Idylle des schwedischen Sommers auf Schloss Gripsholm. Martin Trautwein hat Tucholskys Roman für die Bühne nacherzählt, die Landesbühne Sachsen-Anhalt aus Eisleben gastierte mit dieser Version jetzt zum Auftakt der Homburger Theatersaison im Kulturzentrum Saalbau. Schon zu Beginn wird klar, dass die Bearbeitung für das Theater sich stark an die Vorlage hält. Einen wesentlichen Part spielt der "Erzähler", der nicht nur die Übergänge zwischen den Szenen füllt, sondern sie auch teilweise unterbricht. So bleibt das Produkt ein Zwitter: halb Roman, halb Theaterstück. Was hat die Inszenierung von Martina Bode nun daraus gemacht? Im Bühnenbild wird die sommerliche Leichtigkeit mit mehreren durchsichtigen hellgrünen Vorhängen, die immer wieder auf und zugezogen werden, betont. Dazwischen tummeln sich "die Prinzessin" Lydia (Friederike Butzengeiger) und ihr "Daddy" Peter (Manuel Kressin) in heiterer Urlaubslaune, die von Freund Karlchen und später Freundin Billie geteilt wird. Ohne Pfiff und eigene IdeenMan liebt sich, man küsst sich und kauft "Knöpfchen". Die Nicht-Handlung plätschert vor sich hin, recht nett gespielt (vor allem die "Prinzessin", Karlchen und der Erzähler sind herauszuheben) mit jeder Menge Vorhanggeraschel, aber belanglos, ohne Pfiff und eigene Ideen. Schließlich findet das Idyll Anfang der 30er Jahre statt. Da hätte es einige Möglichkeiten gegeben, die politische und gesellschaftliche Realität der Zeit in die Inszenierung mit einzubringen und die Sommergeschichte als das darzustellen, was sie ist: eine Flucht vor der Wirklichkeit. Die böse Heimleiterin Adriani (Claudia Lüftenegger) mit ihren drakonischen Erziehungsmaßnahmen, von denen man auf der Bühne auch nur spricht, sie aber nicht darstellt, reicht als Kontrapunkt nicht aus. Es ist Mode geworden, Romane auf die Bühne zu bringen. Ob das die Bühnenlandschaft bereichert, sei dahingestellt. Auf jeden Fall hätte etwas mehr Mut zur eigenen Interpretation dieser Inszenierung gut getan.

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