Narren erobern Kreis und Stadt

Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind und der saarpfälzische Landrat Theophil Gallo wehrten sich am Fetten Donnerstag verzweifelt gegen die närrische Übermacht. Das Heer der Narren übernahm schließlich die Macht.

Manchmal kann es ja schon schön sein, für ein paar Tage die Verantwortung einfach hinter sich zu lassen. Zum Beispiel, wenn man Oberbürgermeister von Homburg ist und Rüdiger Schneidewind heißt. Oder wenn man als Theophil Gallo der Landrat des Saarpfalz-Kreises ist. Ersterer steuert sein Schiff noch immer durch eine politisch stürmische See, die zerrenden Winde in den Segeln hören auch auf die Namen "Teure Überwachungs-Affaire Baubetriebshof" und "Nicht korrekte Ausschreibung bei Gaslieferungen an die Stadt". Der andere wird sich in den kommenden Wochen und bei den anstehenden Haushaltssitzungen der Kommunen anhören müssen, dass der Saarpfalz-Kreis viel zu viel Kreisumlage erhebt. Da kam, natürlich nicht laut ausgesprochen, die Weiberfaasenacht gestern vielleicht doch ganz recht. Warum nicht einfach mal den Narren das Kommando überlassen? Sollen die doch bis Aschermittwoch schauen, wie sich eine Stadt oder ein Landkreis so regiert.

Doch so einfach wollten es die beiden Herren des Homburger Forums den närrischen Angreifern dann doch nicht machen - Politiker kleben halt schon gerne an Stühlen, egal wie unbequem die auch manchmal sind. So wehrten sich der Schneidewind und der Gallo erneut mit aller Macht gegen die lachend-feindliche Übernahme. Im Foyer des Rathauses stellten die beiden die Eindringlinge. Glücklicherweise wurde nur aus Worthülsen geschossen, gleichwohl Oberhexe Sabine Blatt-Engel mit Gardisten der Homburger Narrenzunft, einem ganzen Heer von Mit-Hexen und gar einer Abordnung des Patenbootes Homburg genug hätte aufbieten können, um die beiden Verwaltungschefs dekorativ aus den Schuhen zu hauen.

 Wenn man(n) sich ergeben muss, dann wenigstens so prächtigen Hexen wie Gime Zejnullahi (links) und Margot Ecker. Foto: Thorsten Wolf
Wenn man(n) sich ergeben muss, dann wenigstens so prächtigen Hexen wie Gime Zejnullahi (links) und Margot Ecker. Foto: Thorsten Wolf Foto: Thorsten Wolf

Doch wer Blatt-Engel kennt, der weiß, dass die mit ihrem losen Mundwerk mehr ausrichten kann als eine beliebige Auswahl der biblischen Plagen. Und genau diesem Ruf wurde die Anführerin des Narrenheeres gestern ohne Mühe gerecht. "Ab heit herrsche mir, die Narre, wieder in Deinem Haus. Wir ham Dich e ganzes Jahr verschont, konnscht Monate die Unwese treibe - ab jetzt kannsche dahemm bleiwe!" Sprach's - und blies noch ein bisschen mehr Wind in des Schneidewinds eh schon vom Sturm geblähte Segel. "Mir sinn jetzt am Steuer von dem marode Homburg-Schiff unn erspare der Stadt jede weitere finanzielle Fehlgriff!" Und nicht nur in diese Wunde legte Blatt-Engel mit teuflischem Genuss ihren Finger. "Das Nixtun macht uns wie Dir en riese Spaß. Mol mit de Saubolle rinhaue, de Detektive blind vertraue, das ist doch alles Hexezeich. Und hoffentlich find ma do am End im Keller do ke Leich! Schneidewind bisch jetzt alleen zu Haus, geb' net nomol unsere Steuergelder unnütz aus!" Vielmehr, so der nachdrückliche Rat von Hexe Blatt-Engel, die gestern alles andere als ein Engel war, müsse der OB zügig die 300 000 Euro für die Detektive wieder besorgen. "Pump die Verwandtschaft an, nimm a Kredit uff - awer geb Gas!" Oder besser noch: Er solle sich doch in den kommenden Tagen einen Nebenjob suchen. "Geh doch zum Bohlen - awer mit Deiner Stimme is jo do nix zu hole." Ein Supertalent habe er ja auch nicht, attestierte eine zunehmend an Drehzahl gewinnende Blatt-Engel dem sich immer noch heftig wehrenden OB - der an der Seite eines eher im Hintergrund wirkenden Landrates. Immerhin beim Bachelor könnte Schneidewind ja noch antreten, "hasch awer do debei mehr Masse als Klasse." So und so weiter kämpfte sich die Oberhexe gestern Wort für Wort immer näher an den Verwaltungschef heran. Und der musste, wie sollte es auch anders sein, unter diesem Buchstaben-Trommelfeuer am Ende den Schlüssel zum Rathaus rausrücken. Und wer weiß: Viellicht ja gar nicht so ungerne.