Nach der offenen Kirchen in Homburg und Bexbach an Pfingstsonntag

Nacht der offenen Kirchen : Neues Format als Chance für die Kirche

An Pfingstsonntag beteiligten sich auch in Homburg und Bexbach Gotteshäuser an der „Nacht der Kirchen“. Dekan Holtmann wertet dieses Angebot als einen Baustein von vielen, um Menschen zu erreichen.

Der Pfingstsonntag stand in diesem Jahr saarlandweit wieder im Zeichen der „Nacht der Kirchen“, auch in Homburg. Als ökumenisches Projekt der evangelischen und katholischen Innenstadtkirchen waren die protestantische Stadtkirche und das nahe gelegene Siebenpfeiffer-Haus Schauplatz einer „Kulturnacht … einfach himmlisch“. Ab 18 Uhr ließen der Posaunenchor der Stadtkirche Homburg und die Jungbläser unter der Leitung von Bezirkskantor Stefan Ulrich das göttlichste aller Instrumente erklingen. Eine im besten Sinne gute Stunde lang gab es moderne Bläsermusik und auch die Gelegenheit für die zahlreichen Besucher, mit der eigenen Stimme an diesem berührenden Konzert teilzuhaben. Musik stand dann auch ganz im Mittelpunkt der Nacht, auf dem Programm fanden sich zu späteren Stunden auch die Homburger Kantorei mit einem Repertoire der Beatles, Chormusik mit dem Homburger Vokalensemble und französische Chansons mit den Schoenen, benannt nach Sängerin Anne Schoenen.

Stimmig ergänzt wurde diese musikalische Programm mit der Ausstellung „Himmelsgewölbe“, einer Reihe von ausgewählten Fotografien von Deckengewölben saarländischer Kirchen, eingefangen von Werner Richner.

Für Dekan Thomas Holtmann hat die Nacht der Kirchen gleich eine ganze Vielzahl von Bedeutungsebenen. „Das ist ein tolle Chance, in einem anderen Kontext und ganz niedrigschwellig einfach mal die Tür aufzumachen. Die Kirche ist in einer anderen Stimmung und lädt einfach dazu ein, sie auch mal anders zu erleben.“

Dabei gehe es darum, solche alternativen Formate wie die Nacht der Kirchen in den Kontext der Beständigkeit zu setzen, war sich Holtmann im Gespräch mit unserer Zeitung sicher. „Kirche braucht eine Begegnungsstruktur, eine Beziehungspflege mit den Menschen vor Ort. Das bedeutet: Wir als Vertreter der Kirche müssen zu den Leuten hingehen. Die Nacht der Kirchen ist ein Format, bei dem wir mit unserem Gebäude, der Kirche einladen.“ So sei es wichtig, die Vielfalt von Kirche zu zeigen, eine Vielfalt, die ja da sei. Trotzdem stehe man im Zeichen eines Traditionsabbruchs vor großen Herausforderungen, „auf jeden Fall“. Bietet da eine Veranstaltung wie die Nacht der Kirchen eine alternative Form von Kirche, abseits der üblichen Gottesdienst-Regularien? Dekan Thomas Holtmann machte hier klar, dass beides seine Berechtigung haben müsse. „Ich würde das nicht gegeneinander ausspielen. Beim Ritus spielt Vertrauen eine große Rolle, man kann sich einfinden. Wenn ich ein Stück weit weiß, was ich bekommen, vertraute Musik, einen festen Rhythmus, dann gibt das ja auch ein Stück weit Halt in einer Welt, die zunehmend unübersichtlicher wird. Da kann dieses Ritual auch etwas Orientierendes haben. Von daher möchte ich das nicht preisgeben.“ Andere Formate brauche man daneben aber auch. „Kirche hat immer wieder Aufbrüche gehabt. Wir brauchen die beständige Veränderung und probieren auch andere Formen von Kirchlichkeit aus. Wir müssen auch experimentieren.“

Wie bringt man aber die von Holtmann beschriebene Vielfalt und das Wissen darum zu den Menschen – in einer Zeit, in der sich eben die immer stärker und messbar von Kirche abwenden? Geht man zu wenig mit der Botschaft nach außen? Da sieht er vor allem im Bereich Social Media „noch Luft nach oben, da müssen wir ran“. Dabei gehe es vor allem, darum, die Jugend dort abzuholen, wo sie mit WhatsApp und Instagram zu finden seien. „Und da sind wir einfach nicht präsent. Da sehe ich Handlungsbedarf.“

Keinen solchen Handlunsgbedarf gab es bei der Homburger Ausgabe der saarlandweiten Nacht der Kirchen. Ganz gleich, ob man die Stadtkirche für sich selbst als einen spirituellen Ort erleben wollte oder sich zum Ziel gesetzt hatte, einfach „nur“ wirklich gute Musik zu hören – unberührt ließ die Nacht in der protestantischen Stadtkirche wohl niemanden. Ein Pfund dabei, mit dem die Kirche nicht zum ersten Mal glänzen konnte, das war die stimmungsvolle Beleuchtung. Am Ende war die Nacht damit vor allem eines: Ein ganzheitliches Erleben von Kirche.

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