Musikschulgebühren steigen

Die Stadt muss sparen, zahlt aber mehr für ihre Musikschule. Das wirft viele Fragen auf. Durch den Umzug ins umgebaute und neue Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge sei das Areal dort deutlich aufgewertet worden, sagt die Verwaltung.

Wenn es um die Homburger Musikschule geht, dann stehen in den vergangenen Jahren nicht allein die schönen Töne im Mittelpunkt, sondern Zahlen. Wie kürzlich berichtet, unterstützt die Stadt die Einrichtung jährlich mit sechsstelligen Beträgen. Diese sind von rund 600 000 Euro im Jahr auf 800 000 bis 900 000 Euro angewachsen. Das habe aber lediglich mit dem Kosten des Neubaus zu tun, stellte Stadt-Pressesprecher Jürgen Kruthoff auf Anfrage klar.

Die Mehrkosten von rund 300 000 Euro "ergeben sich haushalterisch durch die Abschreibungen und die Finanzierung des Neubaus". Die Stadt zahle von den rund 5,6 Millionen Euro für den Umbau von Gebäuden der ehemaligen Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge samt Neubau und Co. in Erbach abzüglich der Fördermittel rund 3,6 Millionen Euro selbst.

"Dieses Geld wurde ja nicht aus der Schatulle entnommen, sondern wird über einen Kredit finanziert. Diese Kosten kommen natürlich zum bisherigen Betrieb dazu", machte Jürgen Kruthoff klar. Umgezogen an den neuen Standort war die Schule im Frühjahr vergangenen Jahres, zuvor wurde in einem stark sanierungsbedürftigen Gebäude in der Gerberstraße unterrichtet.

Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind hatte die Investitionen in die Musikschule bei verschiedenen Gelegenheiten verteidigt. Er hatte dabei zwischen der Notwendigkeit von Kürzungen im strukturellen Bereich und nötigen Investitionen , um Homburg zukunftsfähig zu halten, unterschieden. Die Stadt wolle nicht an "unser gesellschaftliches Leben gehen". Das dürfe nicht kaputt gespart werden. Er hatte stets herausgestellt, wie wichtig weiche Standortfaktoren seien.

"Bei der Diskussion um die erhöhten Kosten , die sich durch die Neuinvestition ergeben haben, sollte nicht vergessen werden, dass es nicht nur um einen Neubau für die Musikschule ging", brachte Pressesprecher Kruthoff einen weiteren Aspekt ins Spiel. Auch die Entwicklung der ehemaligen Landesaufnahmestelle und die deutliche Aufwertung dieses Areals aus städtebaulicher Sicht habe eine Rolle gespielt. Um- und Neubau seien zudem stets in den Ausschüssen und im Stadtrat diskutiert und mit großen Mehrheiten verabschiedet worden. Aktuell sei im Stadtrat beschlossen worden, die Unterrichtsgebühren zu erhöhen. Dies geschieht ab Oktober (siehe Infobox).

Es werde, so Kruthoff, zudem darüber nachgedacht, die Nutzung der Aula in Teilen auszuweiten, sodass zum Beispiel auch Orchester dort proben könnten, die nicht direkt mit der Musikschule kooperierten. Nicht möglich seien extrerne Veranstaltungen, die weder mit der Musikschule noch mit dem musikalischen Kontext der Stadt zu tun haben. Generell müsse dies noch in den Gremien besprochen werden.

Angesichts der gestiegenen Kosten der Musikschule klang zudem in der Öffentlichkeit die Frage an, ob 19 Lehrerinnen und Lehrer - inklusive der Leiterin, die hauptamtlich tätig ist und auch unterrichtet - im Verhältnis zur Schülerzahl nicht zu viele seien.

Zur Erinnerung: An der Musikschule werden laut Stadt wöchentlich 350 Schülerinnen und Schüler einzeln oder in Gruppen unterrichtet. Zusätzlich erreiche die Musikschule in Kindergärten, Schulen und in Senioreneinrichtungen wöchentlich weitere 300 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Kruthoff dazu: 14 Lehrkräfte würden nach dem Tarifvertrag im öffentlichen Dienst bezahlt. Diese arbeiten aber nicht alle mit einer vollen Wochenstundenzahl. Zwei Lehrer sind mit fünf beziehungsweise neun Wochenstunden aufgelistet, bei weiteren liege man zwischen 10,5 und 21,5 Stunden, eine Lehrkraft wird mit 30 Wochenstunden geführt. Dazu kämen noch einmal vier Honorarkräfte. Es gibt zudem eine Sekretärin und einen Hausmeister.

Meinung:

Zusammenspiel beim Sparen

Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm

Wer in der Musik nicht zählen kann, der bekommt schnell Probleme. Vor allem im Zusammenspiel wird es dann nicht mehr funktionieren. Das weiß jeder, der selbst singt oder ein Instrument spielt. Insofern sollte eigentlich allgemein klar sein, dass auch bei der Kultur in aller Regel finanziell draufgelegt werden muss, ob das bei Konzertreihen ist oder eben bei der Musikschule.

Andererseits wäre ohne Musik und Kunst nicht nur das Leben ärmer, sondern es gingen auch viele weitere positive Aspekte verloren. Es ist mittlerweile anerkannt, dass sich Musik positiv auf die Entwicklung und Förderung von Kindern auswirkt. Vor diesem Hintergrund ist eine Investition in diese Kunst sinnvoll. Schwierig wird es, wenn das Geld knapp wird, wenn zu viele ein Stück vom berühmten Kuchen wollen - und selbst den kann die Stadt Homburg streng genommen ja gar nicht verteilen: Die Kasse ist nicht nur leer, da gibt es noch jede Menge Schulden.

Es geht ums Zusammenspiel: Jeder - nicht nur im künstlerischen Sektor, aber eben auch dort - muss in Zeiten des Sparens sehen, wie er seinen Beitrag leisten kann. Es ist die große Kunst, Dinge, die einem wichtig sind, zu erhalten, ohne sich Vorhaltungen zu machen oder am Ende handlungsunfähig zu werden.

Höhere Gebühren für den Unterricht an der Musikschule sind ein Zeichen des guten Willens, es sollte mehr folgen.

Zum Thema:

Hintergrund Höhere Unterrichtsgebühren gelten laut Stadt in der Homburger Musikschule ab 1. Oktober für die meisten Angebote. Eine Übersicht, was jeweils pro Monat gezahlt werden muss: So bleiben die Gebühren für die musikalische Früherziehung weiter bei 25 Euro monatlich, für die Eltern-Kind-Gruppe fallen dann 25 Euro an, bisher 22 Euro . Instrumentaler und vokaler Einzelunterricht (45 Minuten wöchentlich) kostet künftig 75 Euro , bislang 70 Euro . Unterricht in Zweiergruppen (45 Minuten wöchentlich) steigt von 44 auf 46 Euro , in Dreiergruppen (45 Minuten wöchentlich) zahlt man künftig dafür 37 Euro statt wie bisher 35 Euro . Auch die Instrumentenmiete für Leihinstrumente wird ab Oktober etwas erhöht. ust