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Musiker und Gitarrist Manu Meyer betreibt in Altstadt ein Tonstudio

Musikerporträt : Vom Gitarristen zum Musikproduzenten 

Manu Meyer aus Altstadt ist mit seinem Musikvideo „Little Monster“ derzeit auf Youtube zu sehen. Er sprach mit uns über seinen musikalischen Werdegang.

Im Radio wird von einem vermissten Mädchen berichtet, danach rennt ein Mann durch den Wald und steigt in einen Sumpf, während er in Zwischenschnitten ein Vollbad nimmt, offenbar auf das Geschehen zurückblickend. Am Rande des Sumpfes findet er einen Damenschuh, im Gewässer Kleidungsstücke, doch der wahre Gruseleffekt kommt erst am Ende des Videos.

Der auf Youtube veröffentliche Film des Altstadters Manu Meyer ist das Musikvideo zu seiner Single „Little Monster“, einem Song, in dem es laut eigener Aussage um die Versuchungen geht, denen man manchmal nicht widerstehen kann. Aber Frauenleichen habe er natürlich noch nie in einem Sumpf versenkt, wehrt er lachend ab. Dass das Video so gruselig geraten ist, komme eventuell daher, dass der 34-Jährige großer Fan von Horror-Schriftsteller Steven King ist. Die Bildsprache passt allerdings auch gut zu der sehr energetischen und aggressiven Musik.

Meyer ist in der Homburger Musikszene kein Unbekannter. Schon lange spielt er Gitarre und singt in Coverbands wie Bruise oder Sugar. Außerdem betreibt er in Altstadt ein Tonstudio namens Millstone Lab. Die Musikalität wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt: Vater Jürgen Meyer war lange Bassist der Saarbrücker Band Benefit, hörte der Familie wegen aber zwischenzeitlich mit der Musik auf. „Er hat dann zu Weihnachten eine Gitarre geschenkt bekommen, als ich fünf, sechs Jahre alt war. Er hat sie aber nicht lange gehabt, die habe ich in Beschlag genommen. Ein Jahr später bekam er von meiner Mutter ein Schlagzeug. Das hat er auch nicht lange gehabt, da hat sich meine kleine Schwester dahintergesetzt.“

Der kleine Manu wächst mit der Musik seines Vater auf, Pink Floyd und Rolling Stones, und übernimmt sogar dessen musikalisches Vorbild: David Bowie. Später gehören Audioslave und Nirvana zu seinen Helden. Es dauert nicht lange, da baut Meyer senior die Garage des Hauses in Altstadt zum Proberaum aus. Heute befindet sich dort das Millstone Lab. Manu Meyer macht Abitur auf dem Mannlich-Gymnasium in Homburg und studiert erst einmal Bioverfahrenstechnik in Birkenfeld und Medizintechnik in Saarbrücken. „Ich habe lange gebraucht um festzustellen, dass ich das letztendlich nicht machen werde.“ Außerdem bekommt er in dieser Zeit eine berufliche Perspektive, die er bis heute verfolgt und die gut einhergeht mit seiner Arbeit als Musikproduzent: Der Saarländer Fred Schuckert, ein guter Freund von Jürgen Meyer, lebt in Taipeh und stellt dort analoge Studiotechnik her, Manu Meyer übernimmt freiberuflich den Vertrieb für Deutschland.

Zum Singen kommt er, weil in einer seiner Coverbands beschlossen wird, dass auch mal Stücke mit männlicher Stimme ins Repertoire sollen. „Ich habe halbwegs den Ton getroffen, da wurde ich derjenige, der das singt.“ Um sein Talent auszubauen, nimmt er Gesangsunterricht bei Vera Nicklas in St. Ingbert und bringt es dort so weit, dass er selbst zum Lehrer wird. Meyer gründet mit Musikern der Coverband eine Band namens Velaroo mit Songs, die er selbst schreibt. Doch 2013 geht das auseinander. 2015 eröffnet er das Millstone Lab. Der Name ist eine Hommage an seinen Vater, der seit Jahrzehnten die Spitznamen Mühli oder Mühlenstein trägt. Dort nimmt er wahlweise digital auf – oder analog mit einer 24-Spur-Tonbandmaschine. Letztere erzeuge diese „nostalgisch klingende Bandsättigung“.

Er nimmt Sänger auf wie den DSDS-Kandidaten Daniele Negroni oder den „Voice of Germany“-Teilnehmer Philipp Leon Altmeyer. Eigentlich könnte Meyer jetzt ein ausgefülltes Leben haben, zumal er auch noch eine Familie gründet, sein Sohn ist jetzt zweieinhalb Jahre alt. Doch da liegen ja noch diese unveröffentlichten eigenen Songs in der Schublade. „Mein Mentor Ronny Lang, von dem ich sehr viel gelernt habe, hat mir in den Ohren gelegen: Mach doch mal deine eigenen Songs.“ Dazu muss Meyer aber erst die „typische Krankheit von Songschreibern und Musikproduzenten“ überwinden: „Wenn es um die eigenen Songs geht, da hört man sich das nach einem halben Jahr noch mal an und denkt: Ja nee, das musst du neu machen.“

Wieder ist es Ronny Lang, der Meyer den lähmenden Perfektionismus austreibt. Der Musiker, der sich als „schlechter Multiinstrumentalist“ bezeichnet („Für Pop und Rock reicht es“), spielt drei seiner eigenen Songs selbst ein. Einer davon ist „Little Monster“. Die Planung für den Videodreh hatt schon im vergangenen Jahr begonnen, im noch sehr kühlen März wurde sie umgesetzt. Der Sumpf, in den Meyer steigt, habe nur eine einstellige Temperatur gehabt. Seinem Mitstreiter, dem Fotograf und Filmemacher Marcel Gallé, habe wenigstens ein Trockenanzug zur Verfügung gestanden.

Im Januar und Februar sollen die nächsten Songs verfilmt werden, zum Glück ohne Gewässer. Allerdings, so der Musiker, hätten die drei Lieder thematisch viel miteinander zu tun, sodass die Videos eine Art Trilogie bilden werden. Wo soll das hingehen, was möchte Meyer mit den professionell gemachten Clips erreichen? „Ich bin von Haus aus Livemusiker. Eine Band für die eigene Musik habe ich theoretisch schon, das sind so meine Lieblingsmusiker, die ich mir rauspicke. Ich will große Konzerte spielen, da soll’s hingehen. Mal gucken, ob die Festivals nächstes Jahr stattfinden.“

Meyer weiß, wie schwer es ist im Musikgeschäft, dafür ist er ja lange genug dabei. Aber mit dem Video von „Little Monster“ hat er etwas Vielversprechendes abgeliefert – eine tobende Zuschauermenge kann man sich jedenfalls gut zur Musik vorstellen.

Das Video „Little Monster“ von Manu Meyer kann man auf Youtube sehen unter folgendem Stichwort: youtube.com/watch?v=FXIuMbDWqPo.