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Musiktage: Musikalische Brillanz begeisterte das Homburger Publikum

Musiktage : Musikalische Brillanz begeisterte das Homburger Publikum

In der ersten Woche der Homburger Kammermusiktage durften sich die Zuhörer an verschiedensten Spielstätten in der Stadt über hochklassige Darbietungen freuen.

Mit einem hoch interessanten Lesungskonzert am Samstagmorgen in der Aula des Mannlich-Gymnasiums ging die erste Woche der Internationalen Kammermusiktage Homburg zu Ende. Sie war von exzellenten Darbietungen geprägt, aber auch getragen von zunehmender Begeisterung des erfreulich großen und treuen Publikums.

Das erlebte das junge Amatis Piano Trio mit dem Klarinettisten Ib Hausmann am Mittwochabend in einer ergreifenden Wiedergabe des „Quatuor pour la fin du temps“ von Olivier Messiaen (1908-1992). Begeisternd war neben dem Vogler Quartett in Antonin Dvoáks (1841-1904) frühem Streichquartett D-Dur op. 80 von 1876 vor allem das Clair/Obscur Saxophonquartett. In ihm spielen Jan Schulte-Bunert (Sopran-), Maike Krullmann (Alt-), Christoph Enzel (Tenor-) und Kathi Wagner (Baritonsaxophon).

Auch der Donnerstagabend wurde zum großen Erfolg der Saxophonisten. Christoph Enzel übernahm im Quintett für Altsaxophon und Streichquartett von Adolf Busch (1891-1952) den Bläserpart, um zusammen mit dem Vogler Quartett eine überaus hörenswerte Komposition aufzuführen.

Sie war in ihrem spätromantischen Duktus zwischen Mahler und Schulhoff angesiedelt. Danach schlug die Begeisterung wahre Kapriolen, als das Clair/Obscur Quartett drei Sätze aus „Mishima“ des amerikanischen Minimalisten Philip Glass (geb. 1937) zum Besten gab und sein Publikum mit dem berühmten „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns (1835-1921) zum Besuch eines imaginären Zoos nach Art einer „Grande fantaisie zoologique“ einlud. Was war mehr zu bewundern, die absolute Beherrschung der Instrumentalparts selbst in der Nachahmung der kniffligen Klavierpassagen, die liebevollen szenischen Gags zu den Tierszenen oder das strikte Auswendigspiel der vier Solisten, das solches erst ermöglichte? Die protestantische Stadtkirche bebte unter den ausgelassenen Beifallsrufen, erst recht nach der im Kirchenraum verteilten Wiedergabe des „Libertango“ von Astor Piazolla (1921-1992) als Zugabe.

Am Freitagabend gastierten die Internationalen Kammermusiktage im Saalbau, wo Wolfgang Korb und der Komponist Sven-Ingo Koch mit Unterstützung des Vogler Quartetts zunächst einen Zugang zum Quartett „Die Liebe zur Linie“ suchten. Trotz aller Bemühungen um weit gespannte oder immer enger werdende Intervalle, trotz des erklärten Sachverhalts, dass eine in der Partitur vorgeschriebene „liebevolle Umarmung“ warum auch immer durch knarrende Töne des angedrückten Bogens dargestellt werden kann oder durch angerissene Bartók-Pizzicati, die den Cellisten eine Saite kosteten und seinen Bogen einige Haare: Die neun Sätze des dem Vogler Quartett gewidmeten Werkes hatten es nachher im Konzert sehr schwer, als Klangrede vom Publikum verstanden zu werden.

Da hatte es die in der strengen russischen Klaviertradition ausgebildete Pianistin Elisaveta Blumina mit ihrem Jazzprojekt nach George Gershwin (1898-1937), nach Lenonard Bernstein (1918-1990) oder nach dem ukrainischen Jazzkomponisten Nikolai Kapustin (geb. 1937) und dessen Stilanleihen bei Gershwin leichter. Ihre pianistische Brillanz mischte sich sehr geschickt mit jener des Saxophonquartetts Claire/Obscure. Das Publikum ließ sich vom Swing des Quintetts mitreißen und wurde dafür in der Zugabe mit den finalen Akkordballungen aus der „Rhapsody in Blue“ von Gershwin belohnt.