Jazz: Musik mit Überraschungsmomenten

Jazz : Musik mit Überraschungsmomenten

Zu einer Jazz Jam-Session hatte die Homburger Musikschule eingeladen. Dem Ruf folgten nur wenige Musiker, was die Qualität nicht minderte.

Etwas mehr Zuspruch hatte sich Carola Ulrich, Leiterin der Musikschule, doch gewünscht für die erste Jazz Jam-Session, die letzten Freitag dort stattfand. Aber am Wochenende ist es nunmal schwierig, die entsprechenden Musiker zusammenzukriegen. Viele sind da bei Auftritten engagiert.

Eventuell hatte sich die Nachricht einer neuen Jam-Session noch nicht bis in alle Musikerkreise herumgesprochen, vielleicht steckte auch bei manchen die Angst vor der eigenen Courage hinter dem eigenen Fernbleiben. So erlebten die Zuhörer mehr oder weniger das Konzert einer Formation aus Ulrichs Mann Stefan (Piano), Amby Schillo (Bass oder Gesang), Endi Casper (Bass) und Christian Balzer (Schlagzeug). Das hatte es aber in sich, können doch letztere Drei die Meriten aufweisen, Lehrer an der Musikschule und Mitwirkende in zahlreichen Profi-Gruppen zu sein; Bezirkskantor Stefan Ulrich hingegen zeigte, dass auch ein Kirchenmusiker im Jazz zuhause sein kann.

Jazz-Standards von „Summertime“ bis „The Girl from Ipanema“ wurden da auf höchstem Niveau zelebriert, wobei vor allem Casper die Kunst des nicht-langweiligen Bass-Solos beherrschte. Eine kluge Entscheidung war auch seine Idee, die Veranstaltung in den Eingangsbereich anstatt in die Aula zu legen – in dem kleineren Raum entstand so eher die gewünschte Jazzclub-Atmosphäre. Für eine kurze Abwechslung sorgte Charlotte Nyborg mit einer Ragtime-Einlage am Klavier - die Harfenistin, die lange am Saarbrücker Staatstheater beschäftigt war, wollte damit ausprobieren, ob ihre beiden kürzlich gebrochenen Arme wieder funktionierten.

Außerdem, meinte sie, spiele sie einfach gerne vor Publikum. Schlagzeuger Christian Balzer bedauerte hinterher zwar, dass so wenig Leute gekommen waren, betonte aber, dass es ihm sehr viel Spaß gemacht habe. „Das wäre zu wiederholen“, meinte er.

Sein 13-jähriger Schüler Tom Desgranges hörte ihm während der Session aufmerksam zu. Seit ein paar Monaten ist er im Unterricht an der Musikschule; „Ich wollte gerne hierher kommen; das gefällt mir auch sehr gut, obwohl ich zuhause mehr Pop und Rap höre“, sagte er. Seine Eltern Elke und Knut sahen das ähnlich: „Jazz hören wir nicht unbedingt, aber das hier gefällt uns gut. Ist ja kein Freejazz!“.

Als Jazz-Kenner entpuppte sich Zuhörer Norbert Speer. Ihm gefiele die Stilrichtung sehr gut, diese Mischung aus Swing und Cool Jazz, meinte er. „Wenn Leute zusammenspielen, die sonst nicht zusammen in einer Band sind, ergibt das überraschende Momente – das macht den Jazz aus. Außerdem hören sich dieselben Stücke, von unterschiedlichen Ensembles gespielt, immer wieder anders an,“ sagte Speer. Darauf, ob die Session nun eine feste Einrichtung wird, wollte sich Carola Ulrich noch nicht festlegen.

Erst im nächsten Jahr solle es weitergehen; der Abend diente da als Testballon und fand auch im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum der Musikschule statt. Auf jeden Fall stand für sie aber fest: „Wir müssen ein bisschen mehr Werbung machen.“

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