Müll und Gestank am Erbach in Homburg sorgen für viel Ärger

Nach der Renaturierung : Müll und Gestank am Erbach

Der Erbach hat zwar sein Betonkorsett verloren, fließt nun naturnaher und sichtbar durch sein Bett, doch jetzt sorgen unschöne Ablagerungen für Unmut. Diese Verschmutzung stamme aus den EVS-Überlaufanlagen, hieß es.

Nun läuft er ruhig und buchstäblich ungezwungen durch seinen renaturierten Lauf, der Erbach im Bereich des Homburger Stadtparks. Am vergangenen Freitag feierten die Verantwortlichen des Landesbetriebs für Straßenbau (LfS) als Auftraggeber, die Landschaftsagentur Plus als Verantwortliche für die Umsetzung und Vertreter der Stadt Homburg direkt vor Ort das Ende des zweiten Bauabschnitts (wir berichteten).

Was vorherrschte, das war vor allem große Freude bei allen Rednern – ganz gleich ob Umwelt-Staatssekretär Roland Krämer, Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidenwind oder Agentur-Geschäftsführer Martin Strauß das Wort ergriffen. Viel habe man bewegt, viel zu Gunsten der Natur entlang des Erbachs geschaffen – und nicht nur nebenbei auch den nötigen ökologischen Ausgleich für die Eingriffe im Bereich der Mastau geschaffen – wenn dort die geplante B-423-Umgehung eines Tages tatsächlich Realität werden sollte.

Doch zwei waren da am Freitag vor Ort, die mochten nicht uneingeschränkt in den Lobes-Chor miteinstimmen. So berichteten Erbachs Ortsvertrauensfrau Anni Schindler und CDU-Stadtratsmitglied Jürgen Portugall zuerst im kleinen Kreis, dann Portugall auch ganz offiziell von dem, was eine Ortsbegehung entlang des renaturierten Erbachs in Erbach selbst am Donnerstag erbracht hatte. Und das war augenscheinlich nicht appetitlich. „Da liegen Tampons rum, Slipeinlagen, Toilettenpapier. Und wenn der Erbach dort im Sommer wenig Wasser hat, dann ist das ein unglaublicher Gestank.“

Portugall erklärte, dass diese Verschmutzung aus den Überlaufanlagen des Entsorgungsverbands Saar (EVS) herrührten. Deswegen seine Forderung am Freitag: „Wenn man noch einmal eine solche Maßnahme durchführt, dann sollte man direkt mit dem EVS Hand in Hand arbeiten.“

Dies sei geschehen, versicherte Martin Strauß. Noch ein weiteres Problem sprach Portugall dann konkret an – den schon genannten Wassermangel im mittleren Teil des Erbachs während der Sommerzeit. Hier mahnte Portugall an zu prüfen, wie viel Wasser in den den Erbach speisenden Möhlwoog in Jägersburg hineinfließe und wieviel hinaus. „Hier sollte man feststellen, wo es in Jägersburg hängt, wo das Wasser verschwindet. Dem sollte man auf den Grund gehen.“

In Sachen Verschmutzung des neuen Flussbetts des Erbachs begründete Homburgs OB Rüdiger Schneidewind den von Portugall und Schindler kritisierten Zustand mit Starkregen-Ereignissen. Dies sei natürlich ärgerlich „und natürlich muss der Dreck weggemacht werden“. Portugalls Kritik am Zustand des Erbach-Bettes, gerade auch im Bereich der Buschstraße, griff auch Beschwerden aus der Bevölkerung auf. So hatte sich kürzlich eine Anwohnerin über die Medien über die unschönen Reste am Bachbett beschwert. Stadtpressesprecher Jürgen Kruthoff wiederholte da auf Nachfrage unserer Zeitung gestern die Position der Stadt in dieser Angelegenheit. „Bei Starkregenereignissen springen die Regenüberlauf-Becken an den Bächen und Flüssen an, weil die Kanäle voll sind und sie die Abwässer nicht mehr schaffen. Ergebnis ist, dass eben diese Becken ‚gespült‘ werden.“ Sei in einem solchen Fall kein entsprechender Sieb vorgeschaltet, der die „Reste“ zurückhielte, verteilten sich diese am Ufer und auch in der angrenzenden Vegetation.

„Dies ist auch an anderen Stellen im Stadtgebiet so und ist ‚Stand der Technik‘. Es ist auch keine Gewässerverschmutzung zu befürchten, weil die Abwässer bei einem Stark-Regen-Ereignis extrem verdünnt werden.“

Grundsätzlich sei die Maßnahme ein Erfolg, so Kruthoff, auch wenn sich der Erbach „nach erfolgter Renaturierung wahrhaftig noch nicht einem natürlichen Zustand befindet. Der Erbach ist im in Rede stehenden Bereich aber zumindest naturnaher geworden. So war der Erbach vor der Renaturierung in Halbschalen verlegt und begradigt, die Ufer tief erodiert und das Gewässer selbst so stark mit Brombeeren eingewachsen, dass man den Gewässerlauf nur noch erahnen konnte.“ Heute stelle sich der Erbach hingegen wieder als ein offenes, erlebbares Gewässer dar, „mit kleinen Mäandern, flachen Ufern, einer ufertypischen Vegetation – mit Schleifen und Windungen, liegengelassenem Totholz“, so Kruthoff.

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