Mozarts Verwandlungen

Homburg. Gleich drei Höhepunkte bot der große Konzertabend des Homburger Kammersinfonie-Orchesters (HKSO) am vergangenen Sonntag: Mozarts Sinfonie Nr. 40 in g-Moll, den ersten Kompositionswettbewerb der Stadt Homburg und das Violinkonzert in D-Dur aus der Feder von Ludwig van Beethoven, gespielt von Tanja Becker-Bender

Homburg. Gleich drei Höhepunkte bot der große Konzertabend des Homburger Kammersinfonie-Orchesters (HKSO) am vergangenen Sonntag: Mozarts Sinfonie Nr. 40 in g-Moll, den ersten Kompositionswettbewerb der Stadt Homburg und das Violinkonzert in D-Dur aus der Feder von Ludwig van Beethoven, gespielt von Tanja Becker-Bender. Unter der musikalischen Gesamtleitung von Markus Korselt, dem an diesem Abend gut aufgelegten "Chef" der Homburger Kammersinfoniker, "wäre das Konzert heute Abend ein Fußballspiel, dann würde es eins zu null für uns stehen", lieferte der erste Teil des Abends einen Klassiker der Klassik, dessen Wesen Korselt im Vorfeld des Konzertreigens so beschrieben hatten. "Didadaa, didadaa, didadaadi: Die wenigsten Handy-Benutzer werden wissen, dass ihr Klingelton den Anfang von Mozarts berühmtester Sinfonie ist. Mozart selbst, oft wenig zimperlich, hätte diese Tatsache wohl amüsiert." Und in der Tat, die "Nr. 40" ist ein Gassenhauer, populär und weit über die Grenzen der E-Musik hinweg inzwischen Teil des kollektiven Kulturwissens - und sei es nur als polyphone Ankündigung eines eingehenden Gesprächs. Mit Konzertmeisterin Katharina Ginkel an der ersten Geige und einem gut aufgelegtem HKSO lieferte Markus Korselt als Entree die Vorgabe für den zweiten Höhepunkt des Abends: Den ersten Kompositionswettbewerb der Stadt Homburg. Der hatte den zahlreich teilnehmenden Musik Schaffenden die Aufgabe gestellt, ein kurzes Werk zu komponieren, das sich auf Mozarts großartige Sinfonie beziehen sollte. Drei Werke schafften es bis zur Aufführung am Sonntag, namentlich die von Hermann Große-Schware mit "Oh Amadeus", einem "Patchwork für Orchester", Mateusz Lis mit "Think about ..." und Hans-Günther Allers mit "Capricio (Scusi Signore Mozart)". Vor der Pause präsentierte das Homburger Kammersinfonie-Orchester unter dem Konzerttitel "Mozart im Spiegel" eben jene drei Stücke. Die Entscheidung, wer den ersten Preis erhielt, dotiert mit immerhin 1000 Euro, von der Stadt Homburg gestiftet, trafen die Zuhörer des komplett ausverkauften Konzerts selbst: Nach Ende der Präsentation und vor dem Gang in die Pause galt es, mit den Eintrittskarten als Stimmzettel über den Sieg und die Platzierungen zu befinden. Am Ende vorne: Der 1982 in Danzig geborene Mateusz Lis. Auf Platz zwei folgte der Hamburger Komponist Hans-Günther Allers, auf Platz drei Hermann Große-Schware. Den Abschluss des Abends bildete dann der Auftritt von Tanja Becker-Bender. Die Virtuosin der Geige, 2006 als eine der jüngsten Professorinnen Deutschlands an die Hochschule für Musik in Saarbrücken berufen und seit dem Wintersemester 2009/2010 Inhaberin eines Lehrstuhls an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, präsentierte Beethovens Violinkonzert in D-Dur, die einzige Arbeit für Violine und Orchester, die der große Komponist geschrieben hat. Sie begeisterte damit das Publikum, erntete frenetischen Beifall. Der wurde mit zwei Zugaben belohnt.

 Mateusz Lis (Mitte) hat mit seiner Version des Mozart-Klassikers Jury und Publikum überzeugt. Er gewann den Kompositionswettbewerb der Stadt Homburg. Oberbürgermeister Karlheinz Schöner (links) überreichte den Preis. Dargeboten wurde das Stück vom Homburger Kammersinfonie-Orchester mit seinem Dirigenten Markus Korselt (rechts). Fotos: SZ/Stadt
Mateusz Lis (Mitte) hat mit seiner Version des Mozart-Klassikers Jury und Publikum überzeugt. Er gewann den Kompositionswettbewerb der Stadt Homburg. Oberbürgermeister Karlheinz Schöner (links) überreichte den Preis. Dargeboten wurde das Stück vom Homburger Kammersinfonie-Orchester mit seinem Dirigenten Markus Korselt (rechts). Fotos: SZ/Stadt
 Tanja Becker-Bender
Tanja Becker-Bender

HintergrundDas Publikum war am Ende eindeutig: "Think about..." von Mateusz Lis kleidete Mozarts populäre Sinfonie Nummer 40 in g-Moll am besten in neue Noten und wurde daher zum Sieger des Kompositions-Wettbewerb gekürt. "Das Stück hat eine unglaublich große Bandbreite", charakterisierte Markus Korselt, der künstlerische Leiter des Homburger Kammersinfonie-Orchesters, die Komposition. Es fange sehr leise, im Pianissimo an, steigere sich nach einer langsamen Einleitung in einen flotten, motorisch geprägten Hauptteil. Ein treibender Achtel-Rhythmus bildet die Basis, darüber schwingt sich die bekannte Melodie. "Das hat etwas Filmmusikhaftes", sagte er. Vor dem geistigen Auge könnten so Szenen entstehen, etwa die einer galoppierenden Mustang-Herde im Wilden Westen. Ebenfalls gelungen neben den Orchesterpassagen: das große Geigensolo, sehr gut gespielt von Katharina Ginkel. Neben dem Gewinnerstück war Hans-Günther Allers mit "Capricio (Scusi Signore Mozart)", einer rhythmisch sehr reizvollen Arbeit, "die richtig gegroovt hat", ins Rennen gegangen. Allers landete auf dem zweiten Platz. Hermann Große-Schware, der Drittplatzierte, hatte eine jazzige Version eingereicht. ust