Mit Händen und Füßen

Die gefeierte deutsche Jazz-Organistin Barbara Dennerlein bringt am 22. September die Orgel der Homburger Stadtkirche zum Klingen. Mit dem Konzertieren auf der sakralen „Königin der Instrumente“ hat sie vor über 20 Jahren begonnen.

Wer an Kirche und Orgelmusik denkt, der hat meist die gängigen geistlichen Lieder oder Choräle im Sinn. Am Donnerstag, 22. September, werden sich diejenigen, die Gewohntes abends in der protestantischen Stadtkirche in Homburg erwarten, allerdings die Ohren reiben. Das liegt daran, dass an der sakralen "Königin der Instrumente" ein Weltstar mit Händen und Füßen wirbeln wird: Barbara Dennerlein tischt hier auf - und ob Swing und Bebop, Blues, Soul, Latin und Funk - für sie gibt es keine starren Grenzen, sondern fließende Übergänge.

Deutschlands wohl berühmteste Jazzmusikerin schaut vorbei und hat nicht ihre Hammond-Orgel im Gepäck, sondern greift in die Tasten der dortigen Kirchenorgel. Der städtischen Abteilung Kultur und Tourismus mit ihrem kommissarischen Leiter Achim Müller und Bezirkskantor Stefan Ulrich ist da ein richtiger Coup gelungen - auf den Müller und Ulrich stolz sind. Er habe Barbara Dennerlein bereits live gehört, und Stefan Ulrich früher schon einmal versucht, sie für ein Konzert in Homburg zu engagieren, sagt Müller. Nun hat es also geklappt.

Wie erfolgreich Barbara Dennerlein ist, lässt sich auch daran ablesen, dass ihre CDs mit Auszeichnungen, mehrfach mit Jazz Awards und dem Preis der deutschen Schallplattenkritik, bedacht wurden. Ihre CD "Take Off" erreichte sogar Platz eins der Jazz-Charts und wurde als meistverkauftes Jazz-Album gefeiert, ist auf ihrer Internetseite zu lesen. Die Münchnerin gehört zudem zum Kreis der wenigen deutschen Künstler mit internationaler Reputation. Ihr sind die großen internationalen Festivalbühnen ebenso vertraut wie die Klubs: das "Blue Note" und das "Sweet Basil" in New York, "Ronnie Scott's Club" und "Jazz-Café" in London oder das "Blue Note" in Tokio, Festivals in USA und Kanada, europäische oder deutsche Festivals etwa in Berlin, Frankfurt, Leverkusen, Burghausen, Freiburg, Hamburg. Zudem dokumentieren zahlreiche Rundfunk- und Fernsehmitschnitte international ihre großen Erfolge. Mit ihrer Formation Bebab sowie im Solo ist Barbara Dennerlein unterwegs.

Der Name Bebab spielt mit Bebop und Barbara, weist auf etwas Eigenes hin, für das es keinen etablierten Begriff, keine Schublade gibt. Auf ihrer Seite wird es so charakterisiert: Barbara Dennerlein weiß um die Werte der Tradition, und sie ist im modernen Jazz , im Hier und Jetzt zu Hause. Die Grooves der Jugendkultur sind ihr ebenso vertraut wie die Hörerfahrungen einer Generation, die mit dem Hammond-Orgel-Boom in den fünfziger Jahren aufgewachsen ist. Geboren 1964 in München, hat sie sich schon in jungen Jahren in einen Klang verliebt. Während andere "Für Elise" übten oder auf der Gitarre "All you need is love" imitierten, entflammte sie für den Sound der Hammond-Orgel.

Sie war elf, als die erste Heimorgel ins Haus der Dennerleins kam. Viel später kam dann ein erstes Kirchenorgelkonzert: bei den Bachtagen in Würzburg 1994. Durch die meisterhafte Beherrschung des Pedalspiels und ihrer enormen Kreativität gelingt es Barbara Dennerlein, mit unter anderem von ihr speziell für die Pfeifenorgel komponierten Werken die immensen Klangmöglichkeiten voll auszuschöpfen, etwas komplett Neues zu kreieren und das gewaltige Instrument zum swingen und grooven zu bringen. Wer das in Homburg hören möchte, muss nur noch bis September warten.

Karten für das Konzert am 22. September, 20 Uhr, in der protestantischen Stadtkirche kosten 16 Euro. Erhältlich ab kommenden Montag im Kulturamt, Telefon (0 68 41) 10 11 68 oder 10 11 66, bei Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen und online www.ticketregional.de .