Neue Räume für die Augenklinik Mit dem Gedränge hat es jetzt ein Ende

Homburg · In einer kleinen Feierstunde hat die Universitäts-Augenklinik die neuen Räume für die Kinderaugenheilkunde eingeweiht.

 Zur Einweihung der neuen Räumlichkeiten der Sektion Kinderaugenheilkunde hatten sich zahlreiche Zuhörer eingefunden.

Zur Einweihung der neuen Räumlichkeiten der Sektion Kinderaugenheilkunde hatten sich zahlreiche Zuhörer eingefunden.

Foto: Sebastian Dingler

Mit einem Festakt sind am Mittwoch die neuen Räume der Sektion Kinderaugenheilkunde der Universitäts-Augenklinik eingeweiht worden. Im Hörsaal des Instituts hatten sich dazu etwa 100 Zuhörer eingefunden, die den Grußworten und dem Vortrag von Professorin Barbara Käsmann-Kellner, der Leiterin der Sehschule, lauschten. Zunächst sprach der Chef der HNO-Klinik, Bernhard Schick, zu den Anwesenden. Er gratulierte Käsmann-Kellner und ihrem Team herzlich zu den neuen Räumlichkeiten. Anschließend berichtete Anja Krings, Vorsitzende der Noah-Albinismus-Selbsthilfegruppe davon, wie sie vor 40 Jahren zum ersten Mal als Patientin in der Sektion war. Der außerordentlich gute Ruf der Sehschule habe über die Jahre dazu geführt, dass die Räume aus allen Nähten geplatzt seien. „Heute ist der Zeitpunkt gekommen, dass wir uns in den neuen Räumen wohlfühlen können“, sagte sie. Hans Werner Merkelbach vom Achromatopsie-Selbsthilfeverein begann seinen Vortrag mit der Frage „Kennen Sie eigentlich Pingelap?“. Auf der westpazifischen Insel leiden 75 der 450 Einwohner unter der vollständigen Farbenblindheit (Achromatopsie). Merkelbachs eigener Genbefund habe eine Mutation nachgewiesen, die sonst nur auf Pingelap vorkomme. In Deutschland gibt es etwa 3000 Menschen, die an der angeborenen Sehschwäche leiden - für sie sei die Arbeit der Homburger Augenklinik ein Glücksfall, zumal hier auch in diesem Bereich geforscht werde. Zusammen mit ihrem Sohn Mathis trat Stefanie Krahnenfeld vor die Zuhörer. Die Sängerin und Professorin an der Mannheimer Musikhochschule hatte schon Benefizkonzerte zugunsten der Kinder-Augenheilkunde organisiert.

„Ich war heute Nachmittag schon in den neuen Räumen: Die Sonne, die durch die Fenster strahlte, strahlte in mein Herz“, sagte sie. Die früheren Zustände schilderte sie als sehr beengt und mit hohem Lärmpegel ausgestattet. Augenklinik-Chef Berthold Seitz sagte ebenfalls, es seien „katastrophale Zustände“ gewesen, in denen Käsmann-Kellner trotzdem „exzellente Arbeit geleistet“ habe. „Ich werde nie vergessen, als mich Frau Käsmann-Kellner im Juli nach oben geholt hat in die neuen Räumen - ich habe noch nie so viele dankbare Augen gesehen, so dass selbst ich, dem man eine gewisse Hartgesottenheit andichtet, ein halbes Tränchen in den Augen hatte.“

Käsmann-Kellners einstiger Lehrer, Professor Gerold Kolling aus Heidelberg, lobte zwar die neuen Räume, wollte aber auch Kritik anbringen: So habe die Leiterin der Sehschule keinen eigenen Assistenten. Er habe ihr eigentlich einen Kaktus mitbringen wollen, damit sie „gewissen Leute“ pieksen könne, aber der Blumenladen sei schon geschlossen gewesen. Aus Seitz’ Ecke war daraufhin ein „Gott sei Dank“ zu hören. Barbara Käsmann-Kellner selbst blickte in einem langen Vortrag auf die Geschichte der Sehschule zurück. Fotos aus der alten Zeit zeugten vom Gedränge im Wartezimmer, das nun der Vergangenheit angehören soll. Speziellen Dank richtete die Professorin an die Optikermeisterin Barbara John aus St. Wendel, die die Spendensammlungen initiiert habe. Dank ihr seien 100 000 Euro zusammengekommen und somit ein Achtel der Gesamtkosten. „Barbara, das ist dein Abend“, meinte Käsmann-Kellner. Nebenbei machte sie für Außenstehende überraschend keinen Hehl daraus, dass Seitz und sie es nicht immer ganz einfach miteinander gehabt hätten. „Trotzdem vielen Dank“, sagte sie, worauf der aus Franken stammende Seitz „passt scho“ erwiderte.

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