Mit Charlie als St. Martin

Das Reiten ist Isabelle Reitnauers große Leidenschaft. Heute kann sie es in einer ganz besonderen Rolle tun: als St. Martin beim großen Umzug in der Homburger Innenstadt. In der Redaktion sprach sie darüber, was dabei wichtig ist.

Nein, so wie ein römischer Soldat sieht Isabelle Reitnauer wirklich nicht aus mit ihren langen, leicht lockigen braunen Haaren und den freundlich lachenden braunen Augen. Dennoch wird sie sich heute verwandeln. Sie wird den berühmten Mantel anziehen und auf ein Pferd steigen, um dann für die Kinder und die Erwachsenen, die in der Homburger Innenstadt beim Martinsumzug mitlaufen, den zu spielen, der seinen Mantel mit einem Bettler in einer kalten Nacht teilte. Später habe er sich dann taufen lassen, heißt es in der Geschichte weiter, die im Moment wieder an vielen Stellen präsent ist. Isabelle Reitnauer freut sich schon auf ihre Rolle, auch weil sie dann ihr Pferd Charlie zeigen kann, wie brav er ist und wie verlässlich. Eigentlich, berichten sie und ihre Mutter Yvonne Reitnauer beim Besuch in der Homburger Redaktion, ist es nicht ihr eigenes Pferd, sondern das der Voltigier-Trainerin. Yvonne unterhält aber eine so genannte Reitbeteiligung. Sie pflege das Pferd, kümmere sich darum und reite es auch, erklärt sie. Deswegen weiß sie selbstverständlich, dass er "nicht so schreckhaft ist" und durchaus viele Menschen, auch kleine Kinder, gewohnt sei.

Trotz allem sei die Situation bei so einem Umzug für ihn ungewohnt, man müsse sich schon konzentrieren, sagt die 16-Jährige. Für Charlie sei es wichtig, dass er eine verlässliche Reiterin habe, erklären Tochter und Mutter. Da ist die Schülerin genau die Richtige. Isabelle Reitnauer hat zum einen viel Erfahrung: Seit acht Jahren reite sie im Verein, der VRG Südwestpfalz in Zweibrücken, mit etwa siebeneinhalb Jahren habe sie damit angefangen. Die Elftklässlerin, die das Zweibrücker Hofenfels-Gymnasium besucht, investiert viel Zeit in ihr Hobby: jeden Tag bis zu drei Stunden. Und sie kann auch Erfolge vorweisen: Im September wurde sie zum Beispiel Vize-Pfalzmeisterin im Voltigieren im Einzel in der Altersklasse U 16.

Zum anderen ist sie für das Pferd Charlie eine wichtige Bezugsperson, sie reite ihn, seit ihre Trainerin ihn gekauft habe. Und sie kennt ihn ganz genau. Er sei ein "Verlasspferd", gehe mit einem durch dick und dünn, "wenn er Dich kennt und Dir vertraut", betont sie.

Es war übrigens auch ihre Trainerin, die gefragt hat, ob sie Lust hätte, in Homburg der St. Martin zu sein, in ihrem Fall eher eine St. Martina. Auch in dieser Rolle hat sie bereits Erfahrung: Sie "spielte" den Heiligen schon einmal in Winterbach. Geld bekomme sie dafür nicht, es gebe eine Spende an den Verein, sagen sie.

Wie das Ganze in Homburg genau ablaufen wird, müsse noch besprochen werden, war der Stand beim Redaktionsbesuch. Klar ist, dass das heute schon eine recht aufwendige Sache wird. Charlie muss mit einem Hänger hertransportiert werden und werde dann vor Ort fertig gemacht. Aber auch das sind die beiden Reitnauer-Frauen gewohnt: Schließlich sind sie in der Saison häufiger an den Wochenenden unterwegs zu Turnieren im Voltigieren.

Und wie ist es mit der Aufregung vor dem Auftritt als St. Martin? Natürlich sei es eine Herausforderung, das Ganze im Dunkeln zu machen, so Isabelle Reitnauer, aber sie freue sich darauf, am meisten, dass so viele Leute mitlaufen werden - schließlich ist ihre eigene Laternenzeit noch gar nicht so lang her. Bei ihrem Umzug sei allerdings, soweit sie sich erinnern kann, kein Pferd dabei gewesen - aber gerade, wenn eines vor Ort ist, dann sei das für die Kinder besonders schön. > Zum Thema St. Martin siehe auch

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HintergrundDie Stadt Homburg und die Homburger Kulturgesellschaft laden zum St. Martinsumzug ein. Treffpunkt ist heute, am Mittwoch, 11. November, um 17 Uhr auf dem historischen Marktplatz. Gegen 17.15 Uhr macht sich der Zug mit St. Martin und der Pfarrkapelle Kirrberg sowie mit vielen Kindern mit Laternen auf den Weg durch die Stadt. Fackeln und Wunderkerzen sind nicht erlaubt, hieß es in einer Mitteilung weiter. Nach dem Zug wird dann auf dem Marktplatz das Martinsfeuer entfacht und die Geschichte vom Mann, der den Mantel teilte, erzählt. Zum Abschluss verteilt Sankt Martin Leckereien an die Kinder. red