Missbrauch schon früher bekannt?

Homburg. Es gibt neue Vorwürfe gegen die frühere Internatsleitung am Homburger Johanneum

Homburg. Es gibt neue Vorwürfe gegen die frühere Internatsleitung am Homburger Johanneum. Eine Familie, die heute in der Südpfalz wohnt, hat in einem Gespräch mit der "Rheinpfalz" behauptet, sie habe vor dem Schuljahr 1980/81 den damaligen Leiter Pater Hans Ollertz (Foto: SZ/Reichhart) darüber informiert, dass ein Pater bei ihrem Sohn und anderen Kindern sexuelle Handlungen vornehme. Ollertz hatte neulich in einer Pressekonferenz erklärt, er habe den Ordenskollegen 1986, direkt nach Bekanntwerden der Vorwürfe, versetzen lassen. Die Familie erinnert sich in dem Zeitungsartikel weiter, dass der besagte Ordensmann, der mittlerweile ein umfassendes Geständnis abgelegt hat, kurz nach dem Gespräch mit der Internatsleitung Homburg verlassen habe. Nach etwa einem Jahr sei er aber ins Homburger Internat zurückgekehrt.Der Rechtsanwalt des Hiltruper Ordens, Christoph Basler, sagte auf Anfrage unserer Zeitung, die Ordensleitung habe inzwischen Pater Ollertz mit den Vorwürfen konfrontiert. Dieser könne sich aber an einen solchen Vorgang Anfang der 80er Jahre nicht erinnern. Man versuche derzeit, Kontakt mit der Familie aufzunehmen, um Klarheit in die Angelegenheit zu bringen. Zum vorübergehenden Abschied des Paters aus Homburg damals meinte Basler: "Nach meinen Recherchen war er zu dieser Zeit bei einer Fortbildungsmaßnahme." Laut Bericht in der "Rheinpfalz" hat die Familie sich inzwischen auch an die Staatsanwaltschaft gewandt. Von dort sei aber der Hinweis gekommen, die Angelegenheit sei aus juristischer Hinsicht inzwischen verjährt.

Pater Hans Ollertz war vor kurzem in die Kritik geraten, weil er den Ordenskollegen nach Bekanntwerden der Übergriffe zwar versetzen ließ, allerdings den Fall nicht öffentlich gemacht hat. Ollertz hat daraufhin in einer Pressekonferenz die Verantwortung übernommen, alle Ämter niederlegt und angekündigt, Homburg zu verlassen. Gleichzeitig hatte er Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Saarbrücken gestellt. Die Behörde teilte später mit, dass gegen ihn keine Ermittlungen eingeleitet würden. Nach kurzzeitiger Abwesenheit ist Ollertz inzwischen wieder zurück in Homburg. Allerdings hat ihn der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann inzwischen angewiesen, weiterhin alle Ämter ruhen zu lassen. Diese Anordnung umfasst den Einsatz in der Seelsorge vor Ort ebenso wie die Mitgliedschaft im Pastoralrat, aber auch seine Arbeit als Kurat der DPSG-Pfadfinder, wie die bischöfliche Pressestelle auf Nachfrage mitteilte. Rechtsanwalt Basler hierzu: "Pater Ollertz fährt auch nicht mit ins Sommerzeltlager der Pfadfinder." Die DPSG soll bis auf Weiteres von Pater Ludger Holtmann geleitet werden.